USA und Deutschland: Wer hat wirtschaftlich die besseren Karten?

Kaum Gewinne durch Güterexporte; nur landwirtschaftliche Massengüter wie Soja, Weizen und Mais können punkten beim US-Export; starkes Anwachsen der Off-Shore-Profite der amerikanischen Firmen vor allem in den Zentren der Steuervermeidung (Vulgärkapitalismus); Einkommen aus Verwertung geistigen Eigentums (Lizenzen und Patente, die sie aber nicht in der heimischen Produktion umsetzen können, die ist marode); diese Potenziale können das Handelsdefizit mit Gütern nicht aufwiegen.

Wer sind die Profiteure der wirtschaftlichen Gemengelage in den USA?

  • Besitzer von geistigen Eigentumsrechten (Tech Companies, Google, Amazon, Facebook, Apple)
  • Und die, die vom Export von Schuldtiteln profitieren

Politische Konsequenzen:

  • USA hat zu wenig getan, um Güterexporte zu stärken.
  • Folglich haben auch die Arbeitnehmer in diesen Bereichen nicht profitiert, sondern nur die, die in Steueroasen „investiert“ haben – also die Superreichen.
  • Über diese Verwerfungen müsste eigentlich die innenpolitische Debatte gehen – das hatte Trump nicht auf seiner politischen Agenda und bei Biden sieht es nicht anders aus.

Einseitige Shareholfer Value-Ideologie. Ungerechte Besteuerung.

Remotefahigkeit der Arbeit:

„Ich bin kein Fan von diesem Fokus auf den Einhornstatus. Einhörner werden durch Finanzierungsrunden kreiert, in denen Start-ups höher und höher bewertet werden. Aber im Idealfall brauchen die Firmen gar nicht so viel Kapital“, sagt Harry Nelis vom Investor Accel im Handelsblatt-Interview.

Die fundamentalen Kennzahlen für Investoren seien Umsatz, Wachstum und Profitabilität. „Und dann muss man schauen: Wie gut lässt sich die Geschäftsentwicklung vorhersagen? Wie einfach wird es sein, das Geschäft zu verteidigen? Wie leicht ist es, das Angebot zu replizieren?“

Es gibt ein neues Interesse amerikanischer Wagniskapitalgeber an deutschen Firmen. Der Grund: „Deutschland hat ein großartiges Bildungssystem. Neben Berlin ist zum Beispiel München mit seinen hervorragenden Universitäten ein fantastischer Ort für Start-ups. Und was wirklich beeindruckend ist: Als ich 2004 zu Accel kam, gab es neben SAP fast keine spannende Softwarefirma in Deutschland. Jetzt hat Deutschland plötzlich sehr viele interessante Tech-Start-ups – vielleicht mehr als jedes andere Land in Europa“, resümiert Nelis.

Einhörner:

„Seit 2015 arbeitet das Lilium-Team in Weßling bei München an der Idee eines elektrisch betriebenen, senkrecht startenden Jets. Die Gründer um CEO Daniel Wiegand haben sich einer besonderen Herausforderung gestellt. Anders als Wettbewerber, die sich auf den Verkehr in Metropolen konzentrieren, will Lilium größere Distanzen (bis zu 300 Kilometer) überwinden. Dazu hat das Gerät Flügel für den Gleitflug. Die 36 elektrisch betriebenen Propeller werden für den Start nach unten geklappt und gehen danach in die Horizontale für den Vortrieb“, schreibt das Handelsblatt.

Weitere Kandidaten in der Handelsblatt-Analyse:

André Christ baut mit seinem Softwareunternehmen LeanIX ein „Google Maps“ für die IT-Architektur eines Unternehmens. 

Contentful aus Berlin konkurriert im Markt für Content-Management-Systeme mit etablierten Anbietern wie Adobe. 

Weltkonzerne wie Siemens und Lufthansa gestalten mit Celonis ihre Geschäft effizienter. Die Gründer Alexander Rinke, Bastian Nominacher und Martin Klenk haben eine Process-Mining-Technologie entwickelt, die Prozesse in Daten abbildet und aufzeigt, wo es hakt – etwa, wenn Kunden im Zahlungsrückstand sind, aber immer wieder neue Bestellungen erhalten. 

Verweis auf die aktuellen mRNA-Impfstoffe. Denen liegen 30 Jahre Grundlagenforschung zugrunde mit erheblichen Rückschlägen. Da diese Impfstoffe zudem sehr teuer sind, haben sich die großen Pharmakonzerne 2015 aus der Entwicklung ausgeklinkt. Drei Start-ups haben weiter gemacht: BioNtech, Curevac und Moderna. Schöner Beitrag dazu in Nature: https://www.nature.com/articles/d41586-021-00019-w

Das von der Max-Planck-Gesellschaft initiierte Cyber Valley mit dem in Tübingen und Stuttgart ansässigen Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme als Aggregationskern_ Es entwickelt sich gerade zu einem kreativen Hotspot für wissenschaftliche Fortschritte und ökonomisch erfolgreiche Innovationen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz – und lockt große wie kleine Unternehmen an. Mit einem jüngst gegründeten Start-up-Netzwerk will das Cyber Valley eine Gemeinschaft von Gründern schaffen. Und auch die Technologiekonzerne Bosch und Amazon investieren hier kräftig. So hat Bosch angekündigt, in Tübingen einen neuen Campus zu errichten, an dem zukünftig etwa 700 KI-Experten forschen sollen, und Amazon plant den Aufbau eines Forschungs- und Entwicklungszentrums innerhalb der nächsten fünf Jahre mit rund 100 Mitarbeitern.

Start-ups sollen mit weitestgehend einheitlichen und pauschalierten Beteiligungs- und gründungsfreundlichen Lizenzbedingungen, mit der Bereitstellung von Industrieexperten, eigenen „CompanyBuilding“-Aktivitäten mit externem erfahrenem Management („Gründen ohne Gründer“) und einer verbesserten Entrepreneurship-Ausbildung unterstützt werden. Im Bereich IT ist eine enge Kooperation mit dem Cyber Valley geplant.

Futter für das Streitgespräch um 19 Uhr:

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