Über Schafe, Roboter und das Lieferkettengesetz – Eine Antwort auf Dalia Marin @LMU_Muenchen #EconTwitter

Hatte gerade kein Schaf griffbereit 🙂

Ein Herr Dr. Schäfer, Lobbyist der Textilindustrie, hat ein sehr metaphorisches Verhältnis zum Schaf. Denn in seinem ermüdenden Powerpoint-Vortrag im Bonner Beschaffungsamt  stellte er sich vor einigen Jahren mit dem Foto eines Schafes vor (oben wählte ich eine Kuh – da bin ich an der Hand meiner Mutter abgebildet). Wie originell.

Früher weidete das Schaf in Deutschland und die Wolle wurde im eigenen Land verarbeitet. Von der Spinnerei, über die Weberei und Färbung bis zum Nähen. Dann wurden die Endprodukte verkauft. Heute sei ja alles so komplex, kompliziert und internationalisiert, sagte der Herr Schäfer.

Es seien so viele Akteure mit im Spiel, dass es sehr schwierig sein wird, einen nachhaltigen Einkauf sicherzustellen. Und wenn NGOs mit ihren Wünsch-Dir-was-Vorstellungen kommen, dann gewinnt man den Eindruck, hier gehe es gar nicht mehr um Wirtschaftlichkeit. Mit dem bunten Strauß an Vorschlägen, den die NGOs für die Nachhaltigkeit machen, bleibe der Gewinn auf der Strecke. Zudem sei das mit dem Vergaberecht auch so eine problematische Sache. Wenn der Staat das Anspruchsniveau anhebt, fallen die deutschen Anbieter weg. 

Beim überfälligen Lieferkettengesetz, das Ende September vom Bundestag beschlossen werden soll, argumentiert man jetzt genau andersherum: Es stehe nicht für den Schutz der Menschenrechte, sondern ist purer Protektionismus, behauptet die VWL-Professorin Dalia Marin in einem Gastbeitrag für die Welt. 

„Verstärkt werden die Anreize zur Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland noch dadurch, dass die Verwendung von Robotern heute billiger ist als jemals zuvor. Die Rechnung ist einfach: Ein Unternehmen in Deutschland müsste einem deutschen Arbeiter viel mehr zahlen als beispielsweise einem aus China. Aber ein deutscher Roboter fordert überhaupt keinen Lohn, ganz zu schweigen von Sozialleistungen wie Krankenversicherung oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall“, schreibt Marin. 

Warum gab und gibt es denn eine Deindustrialisierung in der Autoindustrie? Hier gibt es schon seit langer Zeit eine hohe Automatisierung in der Produktion durch Roboter und spezielle CIM Fertigungslinien. Dennoch wächst der Druck, die Produktion in Billiglohn-Länder zu verlagern. 

In Indien arbeitet ein CAD-Entwicklungsingenieur für rund fünf Prozent des deutschen Gehaltsniveaus und zusätzlich ohne Arbeitszeitbegrenzung. Darüber hinaus erfolgt die Produktion der meisten Werkzeuge und Maschinen ohnehin schon in Asien. Das Roboter-Argument der Ökonomin geht also ins Leere. 

Mit dem Lieferkettengesetz müsste auch international für eine internationale Durchsetzung der Kernarbeitsnormen der internationalen Arbeitsorganisation gesorgt  werden. Wenn der Druck aus Deutschland und anderen Ländern zunimmt, nimmt natürlich auch der Druck auf die Zulieferer der Zulieferer zu. Zudem gibt es in den vielen armen Ländern bereits NGOs, die Lieferketten durchleuchten und transparent machen. 

Aber da gibt es ja noch das Schaf von Herrn Schäfer, das unter Kontrollverlust leidet. Gehen wir einmal von der These aus, dass man für das Schaf eine ordentliche Kostenrechnung in der Textilkette aufstellen könnte, etwa bei der Herstellung eines T-Shirts. Was wäre, wenn sich die bislang nicht berücksichtigten ökologischen und sozialen Kosten genau quantifizieren und zuordnen ließen? Das günstigste T-Shirt wäre dann jenes, dessen Produktion Umwelt und Gesellschaft am wenigsten schadet. Schnäppchen-Jäger würden dann, ohne es zu wollen, einen positiven Beitrag für die Nachhaltigkeit leisten. Es gibt mittlerweile internationale Indizes, die es möglich machen, diese Standards durchzusetzen. Ein Mausklick reicht heute aus, um soziale und ökologische Fehltritte öffentlich zu machen.

Wenn man sich das Lohnniveau in Indien und vielen anderen Ländern anschaut, bleiben die Kostenvorteile erhalten, auch wenn die Standards für ökologische und soziale Nachhaltigkeit angehoben werden. Frau Marin kann ja mal bei einem Zulieferer der Autoindustrie anrufen. Ich könnte ihr ein paar Telefonnummern geben. 

2 Gedanken zu “Über Schafe, Roboter und das Lieferkettengesetz – Eine Antwort auf Dalia Marin @LMU_Muenchen #EconTwitter

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