Was macht Unternehmen wirklich erfolgreich? #NextTalk mit Professor Hermann Simon

„Ein Hidden Champion ist ein Unternehmen, das zu den Top 3 in seinem Weltmarkt gehört oder die Nummer 1 auf seinem Kontinent ist, weniger als 5 Milliarden Euro Umsatz macht und im allgemeinen Publikum wenig bekannt ist.“ So lautet die Definition von Professor Hermann Simon. Deutschland habe mehr dieser Unternehmen als jedes andere Land.

„Die Hidden Champions bilden die Elite des deutschen Mittelstandes. Seit Anfang der 1990er Jahre bis 2019 haben wir zahlreiche Studien bei den Hidden Champions durchgeführt und fragten dabei nach der durchschnittlichen Gesamtkapitalrendite in den vergangenen zehn Jahren. Der resultierende Wert liegt bei 14 Prozent. Verknüpft man diese Gesamtkapitalrendite mit der Eigenkapitalquote der Hidden Champions von 42 Prozent und nimmt Fremdkapitalkosten von 6 Prozent an, so ergibt sich eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent. Macht man die für Industrieunternehmen realistische Annahme, dass das Kapital einmal pro Jahr umgeschlagen wird, dann bleibt nach Abzug der Fremdkapitalkosten (Annahme: 6 Prozent auf 58 Prozent Fremdkapital) eine Umsatzrendite vor Steuern von rund 11 Prozent. Wendet man darauf einen Körperschaftsteuersatz von knapp 30 Prozent an, so erhält man eine Umsatzrendite nach Steuern von 8 Prozent. Die Profitabilität der Hidden Champions stellt sich im Vergleich als hervorragend dar. Wie wir gesehen haben, liegt die langjährige durchschnittliche Nettoumsatzrendite in Deutschland bei 3,2 Prozent. Die Hidden Champions sind 2,5-mal so profitabel wie das typische deutsche Industrieunternehmen. Auch gegenüber den größten Unternehmen der Welt, den Fortune Global 500, brauchen sich die Hidden Champions gewinnmäßig nicht zu verstecken. Deren Nettoumsatzrendite liegt bei 6,3 Prozent. Die Hidden Champions übertreffen diesen Wert um 27 Prozent“, so Simon.

Es bleibe festzuhalten, dass die Hidden Champions im langjährigen Vergleich eine ausgezeichnete Profitabilität aufweisen. Diese liege, gemessen als Nettoumsatzrendite, bei mehr als dem Doppelten des deutschen Durchschnittswertes und übertrifft auch die Rendite der 500 größten Firmen der Welt deutlich.

„Auch die Eigenkapitalrendite der Hidden Champions liegt mit 25 Prozent deutlich höher als der deutsche Durchschnittswert von 15,4 Prozent, und zwar ohne dass dies durch eine höhere Fremdkapitalquote erkauft wird. Vielmehr unterschreitet die Fremdkapitalquote der Hidden Champions in Höhe von 58 Prozent den deutschen Mittelwert von gut 70 Prozent signifikant. Die Gewinne der Hidden Champions beruhen auf kontinuierlicher Innovation und Spitzenleistung“, resümiert Simon.

Es liegt wohl auch am fairen Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Robert Bosch sagte: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle.“

Was zeichnet erfolgreiche Unternehmen aus? Gibt es Erfolgsmuster? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten: Nehmen wir beispielsweise das Buch “Immer erfolgreich” von Jim Collins und Jerry I. Porras. Es enthält eine gründliche Analyse von 18 konkurrierende Unternehmenspaarungen, bei denen eines erfolgreicher war als das andere. Jeder Vorstandschef, Manager oder Unternehmer sollte nach Auffassung der beiden Autoren dieses Buch lesen, um visionäre Firmen aufzubauen. Solche Scheinkorrelationen sind trügerisch. „Wenn der Zufall seine Hand im Spiel hat, können regelmäßige Muster nur Illusionen sein“, warnt Dan Kahneman.

Nach dem Erscheinen des Buches schwand der Abstand in Ertragskraft und Aktienrendite zwischen den herausragenden und den weniger erfolgreichen Firmen praktisch auf null. Über einen Zeitraum von zwanzig Jahren erzielten die Unternehmen mit den schlechtesten Bewertungen im weiteren Verlauf viel höhere Aktienrenditen als die meistbewunderten Kandidaten.

Auf was kommt es nun wirklich an? Das diskutieren wir mit dem Experten Professor Hermann Simon im #NextTalk.

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