#GAIAX und die Datensouveränität in Europa

Europäischer Geist gefragt

Michael Kroker weist in seinem Blog auf einen wichtigen Termin hin: Die Wirtschaftsminister Deutschlands und Frankreichs wollen weitere Details zum GAIA-X-Projekt vorstellen. Es soll ja bekanntlich zum Aufbau einer dezentralen Cloud beitragen, um die „digitale Souveränität“ der europäischen Wirtschaft zu stärken und zugleich die Abhängigkeit von den großen Anbietern in den USA zu verringern – hier zählen ja vor allem Amazon und Microsoft zu den Giganten.

„Laut einer Umfrage im Auftrag des amerikanischen IT-Anbieters Hewlett Packard Enterprise (HPE) ist für die große Mehrheit der Führungskräfte in Deutschland (85 Prozent) digitale Souveränität ein wichtiges oder sehr wichtiges Ziel ihrer Digitalisierungsstrategie. Diesen Umstand wollen sich lokale Cloud-Anbieter wie hierzulande etwa Ionos und Nextcloud bereits mit einem eigenen Konkurrenzangebot zu Amazon, Microsoft & Co. zunutze machen, wie ich bereits Ende März in einer großen WiWo-Story beschrieben habe„, führt Kroker weiter aus.

Allerdings glaubt die Hälfte der Befragten auch, dass die Corona-Krise die Abhängigkeit der Wirtschaft von globalen Cloud-Plattformen erhöhen werde. Befragt wurden insgesamt 2152 Geschäftsführer, Bereichsleiter und Manager in Deutschland und Frankreich.

Knapp drei Viertel der Führungskräfte in beiden Ländern geben zu Protokoll, dass sie eigene digitale Plattformen nutzen oder aufbauen, um Daten zu aggregieren und zu analysieren – über die Hälfte nutzt dafür globale Cloud-Plattformen oder plant dies.

Ist nun die Corona-Krise ein Katalysator für die europäischen Digitalprojekte oder nicht? Ganz interessant ist dabei die Überlegung von Telekom-Chef Tim Höttges. Er stellte auf der ersten rein virtuellen Digital X die These auf, dass die Corona-Lage zu digitalen Disruptionen beitragen wird. Dabei wiederhole sich die Geschichte. So hätte der Schwarze Tod, die große europäische Pest-Pandemie von 1346 bis 1353 zwar fast ein Drittel der damaligen Bevölkerung hinweggerafft, doch gleichzeitig noch etwas anderes bewirkt: Es entstand etwas komplett Neues, ein Aufbruch – die Renaissance, die von Vordenkern wie François Rabelais geprägt wurde. Es waren freche Spinner, die für frischen Wind sorgten. 

Ebenso einschneidende Auswirkungen hätte die Spanische Grippe gehabt, die von 1918 bis 1920 als Pandemie wütete, sagte Höttges auf der Digital X Auch diese Krise hätte einen disruptiven Charakter aufgewiesen. So seien in der Folge die Grundlagen des modernen Gesundheitswesens mit der Bildung von Gesundheitsministerien, der Analysen von Daten und Statistiken gelegt worden.

Und heute, 100 Jahre später führt die Corona-Krise ebenfalls zu einem „neuen Jetzt“. Arbeiteten vor der Pandemie 37 Prozent gerne im Homeoffice, so sind es mittlerweile 83 Prozent der Mitarbeiter. Und die Deutschen, bislang die europäischen Muffel in Sachen digitalem Bezahlen, zahlen nun öfter mit Karte oder mobilen Verfahren – teilweise kontaktlos. Ein Schub, den Höttges mit einem Plus von 75 Prozent beziffert. Die einfache digitale Verfügbarkeit der Dienste müsse für Unternehmer erste Bürgerpflicht sein.

Mit Blick auf die Globalisierung fordert auch Höttges eine Souveränität Europas in den Schlüsselbranchen und rät zu einer genauen Analyse der Wertschöpfungsketten. Der Staat müsse Vorbild in Sachen Digitalisierung sein. Ferner müssten Daten in einer digitalisierten Welt als Eigentum betrachtet werden. Diese Daten sollte Deutschland nicht zu leichtfertig auf globalen Plattformen verlieren.

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