Powerpoint-Rhetoriker: Jeder hat sie schon erlebt oder schlafend verpasst

Blecherne Stimmen, verkrampfte Moderation, kaum Interaktion und Referenten, die mit einer Flut von Powerpoint-Folien monoton loblabern und wehrlose Zuschauerinnen und Zuschauer in den Netzschlaf wiegen: Man nennt das Ganze auch Heizdecken verkaufen über Webinare.

Robert Weber beschreibt das auf Facebook recht hübsch: „Situation: Marketing bestellt Webinar bei Verlag, Marketing bestimmt Redner, der oft keine Lust hat, nicht im Thema ist. Der will auch keine Fragen, weil nicht tief genug im Thema, weil sowieso unmotiviert. Redakteur/Moderator bleibt also im Allgemeinen, kritische Fragen ausgeschlossen, weil ja bezahlt von der Industrie. Alle sind froh, wenn die 45 Min rum sind. Die Zuhörer auch.“

Kann ich bestätigten. Alles schon erlebt.

Und mit Powerpoint-Folien, Teleprompter-Aufsager oder vorformulierten Karteikarten oder sonstigen Hilfsmitteln geht das regelmäßig in die Grütze: Besser ist es, direkt in den Dialog zu gehen, das Tempo im Ping-Pong-Verfahren hoch zu halten, zu versuchen, im Gespräch die Goldnuggets herauszufischen.

Ansonsten läuft es halt so:

Auf Exkursionen in die Untiefen der Kongresslandschaft entdecke ich unterschiedliche Powerpoint-Rhetoriker: Jeder hat sie schon erlebt oder schlafend verpasst. Folgende Typologien fallen dabei ins Gewicht:

Der Überflieger hechelt mindestens zehn Folien pro Minute durch, weil er insgesamt 129 Folien hat. Die Psychofolter für das Publikum ist die Nummerierung der Folien mit Gesamtanzahl: 64 von 129, 65 von 129…

Der Vorleser hat deutlich weniger Folien – dafür sind sie randvoll in kleiner Schrift und mit Grafiken überladen. Weil sein Publikum nichts erkennen kann, muss er alles vorlesen: staubtrockene Zahlen und Fakten. Der geistige Phantomschmerz wirkt noch tagelang nach.

Der Schüchterne spricht sehr leise. Aber nicht zum Publikum, sondern zur Folie, zur Wand oder zu sich selbst.

Der Kommandeur hat Befehlsempfänger für Folienproduktion und Laptop-Bedienung. Der Kommandeur tritt manchmal auch als machtvoller Ignorant in Erscheinung, kennt den Inhalt der Präsentation nicht und überspielt es mit halblaut gebellten Anweisungen: „Nein, noch mal kurz zurück“ – „Jetzt nächste Folie!“.

Was habt Ihr so erlebt?

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