Rechtsanspruch auf #Homeoffice soll kommen: Die ablehnende Rhetorik des Arbeitgeberverbandes ist ein Ladenhüter

Mit Begeisterung seit rund 14 Jahren im Homeoffice tätig

Vor drei Jahren im Bundestagswahlkampf startete meine Frau Miliana Sohn eine Initiative der Deutschen Rheuma-Liga mit Forderungen der chronisch Kranken zur Bundestagswahl 2017. Grundlage dafür war eine repräsentative Umfrage unter den rund 300.000 Mitgliedern der Selbsthilfe-Organisation für Rheuma-Erkrankungen. Besonders chronisch Kranke sind von den starren Arbeitsmodellen in Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung betroffen. 

Miliana

„Für Rheumaerkrankte führt das zu vielen Problemen, etwa wenn Arzttermine anstehen. Rund 81 Prozent der Befragten haben sich dafür ausgesprochen, dass es einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice geben sollte“, heißt es in der Presseerklärung der Rheuma-Liga.

Nun will auch Arbeitsminister Hubertus Heil Homeoffice in Deutschland gesetzlich durchsetzen. Die Arbeitgeber sprechen von einem Ladenhüter – schwacher Konter übrigens.

„Politische Ladenhüter aus der Zeit vor dem größten Wirtschaftsrückgang seit vielen Jahrzehnten aufzuwärmen, wirkt etwas aus der Zeit gefallen“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter. Man brauche ein Belastungsmoratorium statt weiterer Vorgaben, die Wachstum und Flexibilität beschränken. Auweia. Der Kampeter hat sich wohl zu lange vom Grünen Punkt berieseln lassen.

Gerade jetzt könnte man an die positiven Signale der Corona-Krise anknüpfen und die Dezentralität in der Arbeitswelt zum Standard machen.

Also „Wertschöpfungsnetzwerke“ schaffen, Meister Kampeter, und nicht Ladenhüter-Gegenargumente aus den 1990er Jahren servieren.

So genannte „Cloud-Belegschaften“ sind technologisch schon längst möglich. .

Magere Homeoffice-Bilanz in Deutschland

In der Realität sieht das leider anders aus. Der Anteil der Beschäftigten, die im Homeoffice arbeiten können, stagniert oder wurde vor Corona in manchen Unternehmen sogar wieder zurückgeschraubt. Nur zwölf Prozent aller abhängig Beschäftigten hierzulande arbeiten überwiegend oder gelegentlich von zu Hause aus, obwohl dies bei 40 Prozent der Arbeitsplätze theoretisch möglich wäre, folgt man einer Studie des DIW. In den meisten Fällen scheitert der Wunsch nach Heimarbeit an den Arbeitgebern. Würden sie umdenken, könnte der Anteil der Heimarbeiter auf über 30 Prozent steigen.

Viele Arbeitnehmer fürchten sich davor, dass die eigenen Leistungen über dezentrale Strukturen nicht mehr richtig wahrgenommen werden. Beschäftigte lieber im Büro arbeiten zu lassen, ist auf der Arbeitgeberseite häufig von der Tatsache beeinflusst, dass man Führung über Autorität und weniger über Vertrauen realisiert. Das sind die beiden wichtigsten Angstaspekte: Zum einen die Frage aus Arbeitgebersicht, ob Mitarbeiter ohne Kontrolle überhaupt Ergebnisse leisten und zum anderen, ob Kontrolle außerhalb der Unternehmensgrenzen überhaupt möglich ist.

Die reflexhafte Abwehr von Kampeter überrascht daher nicht. Seine Rhetorik ist ein Ladenhüter.

Siehe auch: Ohne Homeoffice keine Verkehrswende

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