DER #Dieter und DIE #Mely: Eine Öko-Geschichte

Stellt Euch jetzt mal einen Dieter vor. Also so, wie eine Zeit-Autorin sich DEN Dieter vorstellt. Einen stinknormalen, mäßig gebeutelten, also alles in allem durchschnittlichen Durchschnittsdieter. Der bummelt doch glatt am Wochenende zu Deichmann, verspeist in der Einkaufspassage im Tchibo einen überdimensionierten Schokokeks, trinkt dazu eine Tasse Kenia-Blend, bisschen Handys angucken bei Saturn, nachmittags Fußball, Schweinebauch grillen, paar Flaschen Bier und mindestens einmal im Jahr Pauschalurlaub. Trotz Internetanschluss bucht er immer im Reisebüro, weil dort seine Tochter ihre Ausbildung zur Reisekauffrau macht, und da kriegt er nochmal fett Prozente (bei Vergleichsportalen im Netz läuft das anders????). „Variationen dieses Lebens bestehen darin, dass man statt bei Tchibo Kaffee und Kuchen bei Nordsee den Alaska Seelachsfilet Mittagsteller isst und bei Orion ein bisschen Ausschau nach sexyschmusi Spielzeug hält. Warum auch nicht? Dieter ist modern, und Gisela, seine Mausi, hat immer noch Lust. Ein gewöhnliches Dieterleben an einem gewöhnlichen Samstag, das ohne Kinderarbeit, Menschenausbeutung, Umweltverschmutzung, Konsumismus nicht auskommt.“ So stellt sich eine Zeit-Kolumnisten DEN Dieter vor.

Und dann gibt es noch DIE Mely. Sie ernährt ihren wohlbehüteten Nachwuchs selbstverständlich nur mit pestizidfreiem Karottenmus und nutzt ausschließlich Toiletten mit Wasser-Spartaste. Der Dieter fährt zum Pauschalurlaub nach Österreich mit der Bahn, trinkt entweder lokales Bier oder Pfälzer Riesling statt importierten Pinot Grigio. Zuhause werden bei Dieter noch die Socken gestopft. Er wohnt im Hochhaus und fährt mit der U-Bahn oder dem Bus zur Arbeit. Die Mely geht nur im Feinkostladen einkaufen, favorisiert Flugreisen zu fernen Zielen, ergötzt sich an fremden Kulturen und unberührter Natur (die dann nicht mehr unberührt ist). Die Mely nächtigt im tropenholzfreien Designerbett, tröpfelt auf den Salat nur Balsamicoessig und schmiert auf ihre Haut Aloe vera. Als Berufspendlerin verweist sie auf die ökologischen Vorteile ihres Energiessparhauses und betont die Umweltfreundlichkeit ihres Hybrid-Autos. Ihre moralische Überlegenheit wird täglich im Berufsverkehr-Stau der Öffentlichkeit kundgetan – durch Öko-Aufkleber.

Selbstverständlich boykottiert die Mely Tropenholz, kann aber gleichzeitig den Kahlschlag des Tropenwaldes für Ölpalmen- oder Gummibaum-Plantagen nicht verhindern. Dafür glaubt die Mely an das Öko-Siegel ihrer Latex-Gamaschen, die sie bei ihren Fernreisen gerne anzieht. Zudem ist sie ziemlich gut informiert über die Steuerabzugsfähigkeit von Spenden an WWF & Co.. Dass auch Naturkosmetik auf Palmölbasis dem Regenwald schadet, wird von der Mely nicht hinterfragt. Ähnliches gilt für die ökologisch fragwürdigen Transportwege von Amarant. Das Power-Korn braucht die Mely zum Brotbacken.

Hinter der Öko-Premium-Image-Fassade von Mely verbirgt sich häufig Eulenspiegelei. Etwa bei Biokunststoffen, die von der Mely als Alternativprodukte eingekauft werden. Schnöden Plastik lehnt die Mely ab. Die unerwünschten Nebenwirkungen der Biokunststoffe verdrängt die Mely. Sie sind leicht entflammbar und sehr reaktionsfreudig mit Wasser. Deshalb werden sie mit weiteren Polymeren und Zusatzstoffen kombiniert. Um sie formbar zu machen, setzt man Weichmacher und Plastifizierungsmittel wie Sorbit oder Glycerin ein. Eine wasserabweisende Wirkung entsteht durch die Zugabe von Polymeren wie Polyester. Wie soll dieser Cocktail umweltschonend abgebaut werden? Es ist daher kein Wunder, wenn die Bioplastik-Lobby den kostspieligen Aufbau von Sortier- und Recyclingsystemen auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschiebt. Aber das kann der Mely egal sein. Hauptsache Bio.

Der Dieter ist zwar ein Spießer und von Ökobilanzen hat er keine Ahnung. Seine Ökobilanz ist im Vergleich zur schlauen Mely dennoch besser.

Was Dieter und Mely wirklich machen, weiß ich nicht. Und wer die bessere Ökobilanz hat, kann ich nicht sagen. Ihr kennt ja meine Haltung zum „Die-Leute-Phänomen“. Solche Pauschalisierungen taugen nichts.

3 Gedanken zu “DER #Dieter und DIE #Mely: Eine Öko-Geschichte

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