#Coronavirus, @MFratzscher und die psychologischen Faktoren in einer Volkswirtschaft #EconTwitter

Macht doch mal Fotos von vollen Regalen

Ich bin kein Arzt, ich bin kein Virologe und ich habe keine Ahnung, wie sich das Cornoavirus auf die Gesundheit auswirkt. Insofern halte ich mich zurück mit irgendwelchen Vergleichen zu Grippe-Epidemien und dergleichen. Was ich allerdings für problematisch halte, sind die vielen Meinungen und Momentaufnahmen, die im Netz grassieren. Viel Spekulation, viel Blödsinn und sehr viele Verzerrungen – wenn beispielsweise ständig irgendwelche leeren Regale gezeigt werden, die Stunden später schon wieder vom Verkaufspersonal aufgefüllt werden. Wenn auf etwas Verlass ist, dann ist es die Logistik des Einzelhandels. Wir dürfen bei dem ganzen Problem jetzt nicht noch mehr Panik, Ängste und Verunsicherung schüren. Darauf hat der DIW-Chef Marcel Fratzscher zurecht hingewiesen.

Eine Volkswirtschaft entwickelt sich nicht nur auf Basis von finanziellen Motiven wie das Streben nach mehr Konsum oder Einkommen. 

„In einem Wirtschaftssystem, das auf den freien Entschließungen und Wirtschaftsakten von Millionen von Individuen beruht, müssen die seelischen Schwankungen, denen diese Entschließungen unterliegen, für das Gleichgewicht des Wirtschaftsprozesses von entscheidender Bedeutung sein, und es entsteht die Frage, ob nicht die wirtschaftlichen Bewegungsentscheidungen im letzten Grunde auf solchen Schwankungen der Massenstimmungen und Massenurteile beruhen. Diese Frage wird von der psychologischen Schule der Konjunkturtheorie bejaht (Pigou, Lavington, Schumpeter)“, erläutert Wilhelm Röpke (1932, S. 70).

Mit ermüdender Regelmäßigkeit wiederhole sich in jedem Konjunkturzyklus die Erfahrung, dass sich die Menschen während des Aufschwungs dem Glauben an die ewige Dauer der Prosperität hinzugeben scheinen, während sie in der Depression, von einer düsteren Melancholie ergriffen, das fast an Weltuntergangsstimmung grenzt, von einem ‚Ende des Kapitalismus‘ reden und vergessen, dass bisher noch jede Depression ihr Ende gefunden hat.

„Es handelt sich hier um geistige Massenepidemien, denen nur ganz wenige zu widerstehen vermögen, während die große Mehrzahl sich von der Suggestivgewalt der Massenstimmung fortreißen lässt. Für alle diese seelischen Vorgänge gilt, dass sie sich nicht zu solchen Ausmaßen entwickeln könnten, wenn nicht die Ungewissheit über wichtige wirtschaftlich erhebliche Tatsachen, die Mangelhaftigkeit der wirtschaftlichen Informationen und die Unsicherheit der Zukunft einen breiten Spielraum für bloße Vermutungen und unbestimmte, stark gefühlsmäßig gefärbte Prognosen und damit für Irrtümer aller Art schaffen würden.“

Aber selbst bei den einigermaßen feststehenden Tatsachen würde das Wort eines griechischen Philosophen gelten, dass nicht die Tatsachen die Handlungen der Menschen bestimmen, sondern die Meinungen über die Tatsachen. „Das Seelische“, so Röpke, spiele eine aktive Rolle bei der „Überwindung des toten Punktes in der Depression“, wenn es um die Vervielfältigung der Aufschwungskräfte geht. 

Siehe auch:

Wegen der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus empfiehlt Gesundheitsminister Spahn, Events mit mehr als 1000 Menschen abzusagen. Die Koalitionsspitzen beraten am Abend, wie die Wirtschaft in der Krise unterstützt werden kann.

Coronavirus: Europa planlos (ex post ist man immer schlauer)

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