Virtuelle Konferenzen, Talks, Messen, Workshops und Seminare in Zeiten des Virus

Auf einem Panel des Kommunikationskongresses in Berlin sind im vergangenen Jahr die Vorteile von Livestreaming-Konzepten für die Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen diskutiert worden: Es ging um virtuelle Formate für die „Think At IBM“. Die Vorteile des Konzeptes: Unmittelbarkeit — kein Fake, kein Posing. Natürliches Storytelling initiiert spannendere Gespräche über die Marke. Entwicklung eines Community-Gefühls unter den Zuschauern. Synchrone Kommunikation garantiert mehr direkte Aufmerksamkeit. Aufbau enger und langfristiger Beziehungen zu Kunden — vor und hinter der Kamera. Vervielfachung der gesamten Kommunikation, insbesondere bei Veranstaltungen und Messen. Trotz des Live-Charakters sind die Inhalte auch im Anschluss, im „Long Tail“, verfügbar und länger für Marketing und Vertrieb nutzbar. Die Live-Aktivitäten liefern den Experten von IBM umfangreiches Material, um mit Kunden und potenziellen Kunden ins Gespräch zu kommen.

Schon Wochen vor dem Event ging eine Website als virtuelle Programmzeitschrift ins Netz und informierte intensiv über die Sessions. Im Vorfeld recherchierten wir aktuelle Trends und veröffentlichten Beiträge zu Top-Themen wie KI, Cloud Computing, Blockchain oder Automatisierung. Das Programm umfasste Magazin-Sendungen, Features, Interviews und Podiumsdiskussionen zur Digitalisierung und beleuchtete die Auswirkungen auf Unternehmen, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft: Etwa zur Netzpolitik der Regierungsparteien, zur Enquete Kommission Künstliche Intelligenz des Bundestages, über Digitalisierungsstrategien für den ländlichen Raum oder über Open Source-Initiativen des Staates. 

Mehr als 80 Sessions mit über 150 Gästen wurden live gestreamt. Die einzelnen Sitzungen wurden auf der Website, auf dem YouTube-Kanal und auf der Facebook-Seite von IBM veröffentlicht und kommentiert. Während des sechswöchigen Einsatzes im Bikini Berlin hat das Team mit dem Livestreaming-Projekt mehr als 370.000 Menschen erreicht.

Das virtuelle Konzept erweist sich als Content-Maschine für die Kommunikation — mit vielen interessanten Verwertungsmöglichkeiten vor, während und nach dem Event.

Für die Hochschule Fresenius ist das auch realisiert worden: „Wir haben mit der Next Economy Open in Köln ein virtuelles Live-Format etabliert: Die NEOx ermöglicht es den Studierenden, Arbeitsproben öffentlich zu machen, mit der Internet-Gemeinde in Dialog zu treten und gleichzeitig mit den Möglichkeiten von Live Medien zu experimentieren und somit ‚Media-Literacy’ zu erwerben – eine zunehmend kritische Kernkompetenz für angehende Führungskräfte. Dabei gehen das wissenschaftliche Lernen sowie die Strukturierung und die Vermittlung des Gelernten ganz im Sinne einer modernen Didaktik Hand in Hand“, so Professor Lutz Becker, Leiter Business School und Studiendekan Sustainable Marketing & Leadership (M.A.). 

Ähnlich eindrucksvoll war die Resonanz auf die Streaming-Konferenz der Bundeszentrale für politische Bildung: 46 Sprecherinnen und Sprecher, 40 Konferenzschaltungen, 31 Standorte von Tiflis bis Berlin sowie Bonn, rund 20 Stunden Videomaterial, 12 Stunden Livestreaming mit Moderation, 4 Außenreportagen in Bonn und rund 30.000 Abrufe der Videos (Status am Abend der StreamingKonferenz – sind natürlich noch viele Klicks dazu gekommen). Alles organisiert via Skype. 

Was häufig bei Events vernachlässigt wird: Die Kommunikation für Abwesende. 

Wie man das ändern kann, war Thomas Mann bei seiner ersten Bewegtbild-Aufnahme schon klar: 

„Ich erlebte es damals zum ersten Mal, dass das Publikum, zu dem ich sprach, nicht in sinnlicher und gesellschaftlicher Gegenwart sich vor mir befand, nicht durch die vier Wände eines Saales zusammengefasst, sondern dass es unsichtbar, unhörbar, weit über die ganze Welt hin zerstreut, meinen Worten zuhörte, die mir beim Sprechen von Zeit zu Zeit einfielen. Heute nun aber ist dieses Publikum, zu dem ich spreche, nicht nur räumlich von mir getrennt, sondern es ist in der Zeit von mir entrückt. Und ich spreche zu einem zukünftigen Publikum in die Zeit hinein. Das ist das Phantastische und Exzentrische, fast möchte ich sagen, das ich in dieser Situation empfinde.“ Das sagte der Schriftsteller Thomas Mann zu seiner ersten Tonfilm-Aufnahme am 22. Januar 1929. Es geht um die Anwesenheit der Abwesenden oder um die Kommunikation für Abwesende.

Mit virtuellen Konzepten kann man ortsunabhängig Menschen erreichen, Themen vertiefen, Vorträge, Studien, Interviews, Seminare, Workshops und Produktpräsentationen verlängern und dauerhaft in der Netzöffentlichkeit etablieren. Statt Events abzusagen, sollte man zumindest über eine Virtualisierung nachdenken 🙂

Sohn@Sohn haben das thematisiert:

Ein Gedanke zu “Virtuelle Konferenzen, Talks, Messen, Workshops und Seminare in Zeiten des Virus

  1. gsohn

    Referenzen: Live-Kommunikation für IBM zur #ThinkAtIBM im Bikini Berlin https://think-livestudio.com/ und https://ichsagmal.com/2019/06/27/das-grosse-finale-im-bikiniberlin-thinkatibm-livestudio/
    Livestreaming-Marathon für die Bundeszentrale für politische Bildung (Rund 20 Stunden Videomaterial, 31 Standorte in Deutschland und Europa sowie 46 Referentinnen und Referenten: Das war die erste bpb-Streaming-Konferenz zur politischen Bildung): https://www.bpb.de/veranstaltungen/dokumentation/271022/streaming-konferenz-netzpolitik-und-demokratie
    Virtuelle Konferenz zur Next Economy für die Hochschule Fresenius https://lehreundforschung.hs-fresenius.info/nexteconomyopen-die-online-konferenz-neo19x
    StudioZ auf der Kölner Fachmesse Zukunft Personal: https://ichsagmal.com/2018/09/14/alle-studioz-interviews-auf-der-fachmesse-zukunft-personal-europe-zpeurope18/

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