#Merz und sein fragwürdiges Journalismus-Verständnis @DJVde @_FriedrichMerz

DJV Workshop


In einem offenen Brief an Friedrich Merz kritisiert der DJV-Vorsitzende Frank Überall die irritierenden Äußerungen von Merz zur Relevanz des Journalismus
:

„In Aachen haben Sie von einer Machtverschiebung zugunsten der Politiker gesprochen, die heute über ihre eigenen Kanäle verfügen. Wörtlich sagten Sie über die Journalisten: ‚Wir brauchen die nicht mehr.‘ Das sei eine gute Folge der Digitalisierung. Ich frage Sie: Was für ein Verständnis von der Rolle der Medien im demokratischen Rechtsstaat haben Sie? Sehen Sie in uns Journalistinnen und Journalisten eine überflüssig gewordene Berufsgruppe? Glauben Sie ernsthaft, dass Videos, Tweets und Facebook-Postings als Informationsquellen der Bürgerinnen und Bürger ausreichen? Wir im DJV wollen nicht glauben, dass Sie als potentieller künftiger CDU-Vorsitzender und Kanzlerkandidat allen Ernstes Journalisten und Medien als ‚vierte Säule‘ des Staates aushebeln wollen. Sollte das tatsächlich Ihre Absicht sein, sage ich Ihnen den erbitterten Widerstand des DJV gegen diese Art der Informationspolitik voraus“, so Überall.

Wie der „erbitterte Widerstand“ dann konkret ausgestaltet wird, würde mich natürlich interessieren. Aber das nur am Rande. Die Empörung über die Rede von Merz kann ich gut verstehen. Es ist ja ein Unterschied, ob man Trends in der netzöffentlichen Welt aufgreift, dazu gehören auch die privatisierten Öffentlichkeiten und die sinkende Relevanz von klassischen Methoden, oder man dazu eine normative Aussage á la Trump in die Welt setzt: „Wir brauchen die nicht mehr.“ Das ist ein gefährliches Statement.

Wir brauchen den professionellen Journalismus mehr denn je – jenseits von Fake News, Verschwörungstheorien, Hassbotschaften, einseitigen Kampagnen und persönlichen Beleidigungen. Wie dieser Journalismus sich neu organisieren muss im digitalen Kontext, ist eine andere Frage.

Aber so verantwortungslos darf man nicht daherreden.

Auch an dieser Stelle kann Merz einiges von Angela Merkel lernen. So sagte die Kanzlerin zu den Veränderungen der Medienwelt (nicht normativ, sondern analytisch):

„Es gibt nicht mehr nur eine Öffentlichkeit, sondern viele Öffentlichkeiten, die ganz verschieden angesprochen werden müssen.“

Viele junge Menschen informierten sich „ausschließlich über das Internet“ – „und das oft sehr punktuell“. Diese jungen Leute erreiche man über Zeitungen oder auch die klassischen Nachrichtensendungen von ARD und ZDF immer weniger. „Mit dieser Veränderung muss die Demokratie in Deutschland und in den anderen westlichen Ländern umgehen lernen.“

Klingt doch schon ganz anders, lieber Herr Merz.

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