Wie rechts ist die Mainstream-Ökonomik? @tom_krebs_ @UJF_tweet @EconomicEthics @jsuedekum

Obwohl vielen Vertretern der so genannten Mainstream-Ökonomie klar ist, dass man politisch nicht im luftleeren Raum operiert und es auch immer um normative Fragen geht, sehen sich die Mainstream-Ökonomen dennoch als politisch neutral. Es gibt nach Ansicht von Rüdiger Bachmann, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana, keinen monolithischen Block von Marktliberalen oder Libertären.

Man würde eher das komplette parteipolitische Spektrum auch bei den Ökonomie-Professoren finden. „Der akademische Mainstream ist bei normativen Fragen zurückhaltender. Man kann Modelle oder Daten erst einmal sprechen lassen ohne direkt abzutesten, welche politischen Implikationen das nach sich zieht“, so Bachmann im Interview mit dem ichsagmal.com-Blogger.

Auf meine Intervention, ob das nicht pharisäerhaft sei, sich hinter Modellen zu verstecken, antwortete Bachmann, das habe mit Pharisäertum nichts zu tun, das ist wissenschaftlich. „Ich habe da keine politische Agenda.“ Man könne Ökonomik betreiben mit einem Minimum an normativer Ausrichtung.

Protagonisten, die sich von der herrschenden Lehre abwenden, werden aber nicht als Methoden-Kritiker gewertet, sondern vom Mainstream abgewatscht. Bachmann sprach von politischer Agitation. Der ehemalige Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik, Professor Achim Wambach, sieht das ähnlich. „Der pluralen Ökonomenbewegung geht es vielfach mehr um Politik als um Wissenschaft, da schwingt oft eine markt- und kapitalismuskritische Agenda mit.“

Sind dann die Mainstream-Ökonomen rechts und reaktionär, wenn das andere Lager doch angeblich links ist?

Wenn ich mir die Entwicklung in der Hayek-Gesellschaft anschaue, ist wohl ein klarer Trend nach rechts festzustellen, die bis in die Wirtschaftsredaktion der FAZ hineinführt.

Auch bei den so genannten Libertären ist seit Jahrzehnten eine ähnliche Entwicklung zu beobachten – und zwar international. Man braucht nur über den Atlantik schauen. Die Denkfabriken der Republikaner in den USA und auch die Teaparty-Bewegung sind beliebte Anlaufstellen der Libertären.

Tom Krebs hat jedenfalls eine wichtige und überfällige Debatte angestoßen.

Siehe auch: Mit Scheinkorrelationen das politische System diskreditieren – Die merkwürdigen Ausflüge des Herrn Krall.

Wir können das gerne in Live-Interviews via Skype vertiefen. Einfach bei mir melden via Twitter, Facebook, Blogkommentar, Messenger, E-Mail (gunnareriksohn@gmail.com) oder Telefon (01776204474).

Überfällig ist auch die Intervention von Kai Heddergott:

Kommentar von Frank H. Witt Direkter:

„Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaft sind sui generis politisch, denn was könnte politischer sein als über die Verteilung von Vermögen, Einkommen, Lebenschancen und realer Macht zu entscheiden? James Madison (1751–1836), einer der Gründungsväter der USA und Mitautor der amerikanischen Verfassung und Fourth President formulierte, dass eine Regierungsform so gestaltet sein müsse, dass sie die Minorität der Besitzenden und Reichen gegen die Majorität der Armen schützt („to protect the minority of the opulent against the majority“).  https://www.congress.gov/resources/display/content/The+Federalist+Papers#TheFederalistPapers-10s  Die Verfassung und das Regierungssystem des globalen Hegemons, eine repräsentative oder weniger elegant formuliert Zuschauerdemokratie sind offensichtlich national wie international eine vortreffliche Lösung des Problems der Sicherung von Eigeninteressen oligarchischer Eliten.“

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