Klimapolitik und digitale Technologien – Wir brauchen mehr Ökointelligenz @AndreasBoes @foresight_lab @riffreporter @IncluProdu @IngVersteher @WiseWay_ @DrLutzBecker1 @rafbuff

Die Riff-Reporter haben eine wichtiges Thema aufgegriffen: „Digitale Technologien haben inzwischen einen größeren CO2-Fußabdruck als der Flugverkehr. Und ihr Energieverbrauch steigt weiter rasant. Die Politik hat die ökologische Dimension der Digitalisierung sehr lange komplett ausgeklammert. Nun braucht es eine umfassende Green-IT-Strategie und einen strengen Ordnungsrahmen.“

Viele Zukunftsvisionen sind nicht umgesetzt worden: E-Mails würden die energieaufwändige Energieproduktion von Papier überflüssig machen, Geschäftsreisen durch Videokonferenzen ersetzt. Oder die Möglichkeit dezentraler Arbeit, um den Berufsverkehr zu reduzieren. Bisher habe die Digitalisierung aber keines dieser Öko-Versprechen eingelöst.

„Das Gegenteil ist der Fall. Im umsatzorientierten Wettbewerb geht es um Geschwindigkeit, die sich mit der Digitalisierung erheblich erhöht hat: Per One-Click lassen sich im Internet schnell und günstig Waren kaufen, Lieferung noch am selben Tag und wenn es nicht gefällt, wird es eben zurückgeschickt. Entsprechend stark steigen die Retouren. Flüge lassen sich ebenfalls ganz einfach online buchen und sind spottbillig: die Fluggastzahlen steigen ungebremst, sowohl private als auch Geschäftsreisen. Auf Instagram, Twitter, TikTok und Facebook sehen wir unseren Mitmenschen in Echtzeit beim Leben zu.“

Hinter jeder Smartphone-Anwendung stecken Mainframe-Technologien (also Großrechner), die die Nutzung von mobilen Diensten überhaupt möglich machen. Wir merken davon nichts, aber im Hintergrund muss kräftig Energie verballert werden, um unsere täglichen Einsatzwünsche zu erfüllen.

Wie ist eine Umkehr möglich? Auf Twitter gab es ein paar Anstöße:

Wir werden wohl vielfältige Maßnahmen ergreifen müssen, um die digitale oder digital-analoge Welt klimafreundlicher zu gestalten.

Da sind auch Institutionen wie die Max-Planck-Gesellschaft gefragt. Kluge Köpfe gibt es sehr viele:

So hat Jens Frahm vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie die MRT revolutioniert und sie zu einem der bedeutendsten bildgebenden Verfahren in der klinischen Diagnostik gemacht. Die von ihm und seinem Team in den 1980er Jahren entwickelte FLASH-Technologie reduzierte die Bildaufnahme-Raten von Minuten auf Sekunden – erst damit wurde das MRT alltagstauglich. 2010 beschleunigten Frahm und sein Team die MRT-Aufnahmen ein weiteres Mal erheblich auf bis zu 100 Bilder pro Sekunde, indem sie ein neues mathematisches Verfahren für die Bildrekonstruktion nutzten.

Ein weiteres Beispiel sind die Arbeiten von Ignacio Cirac vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik. Er ist theoretischer Physiker und als solcher ein Wegbereiter der zweiten Quantenrevolution. Seine theoretischen Arbeiten haben den Grundstein gelegt für wegweisende Experimente zu Quantencomputern und Quantenkryptographie. In einer Publikation von 1995 erklärten Cirac und sein Kollege Peter Zoller, wie man mit Ionenfallen einen Quantencomputer bauen könnte. Ohne diese theoretischen Grundlagen wären die Arbeiten von IBM und Google gar nicht vorstellbar und damit auch nicht der jüngst gefeierte Meilenstein bei der Entwicklung eines Quantencomputers. Siehe auch: Spin off! – Vom Transfer von Forschung zum Unternehmertum in Deutschland.

Hier findet man vielleicht Antworten, um den Datenhunger klimafreundlicher zu bedienen. Die Energieversorgung in den Rechenzentren, Langlebigkeit der Endprodukte, Wiederverwendung und Wiederverwertung von elektronischen Geräten kommen hinzu – Seltene Erden und vieles mehr. Siehe auch meine Netzökonomischen Überlegungen zur Post-Müll-Epoche – Produkte mit digitaler Öko-Intelligenz aufladen.

Demnächst mache ich dazu ein Live-Interview mit Professor Jakob Rhyner. Er ist Forschungsdirektor der Bonn Alliance for Sustainability Research. Hier wurde der Innovation Campus Bonn (ICB) aus der Taufe gehoben.

Habt Ihr Anregungen für Fragen?

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