Friedrich Engels und das Kopistentum in der Netzökonomie – Wie man Silicon Valley-Monopole knackt

In den netzökonomischen Diskursen sollte man mehr auf Sicht fahren und überlegen, wie man die amerikanischen Plattformen für das eigene Business nutzen kann. So kehrt man das parasitäre Gedankengut der kalifornischen Monopolfetischisten ins Gegenteil. Parasiten, Hacker, Daten-Piraten, Wissensdiebe, Kopisten und Collage-Künstler können in diesem Spiel höchst nützliche Zeitgenossen sein. Sie stören die Monopolisten.

„Die Macht suchte und sucht das Zentrum einzunehmen. Wenn sie von diesem Zentrum aus wirken, ihre Wirksamkeit bis an die Grenzen des Raumes entfalten, wenn sie bis an die Peripherie reichen soll, so ist es notwendig, dass es kein Hindernis gibt, dass der Raum um ihre Aktion homogen ist. Kurz, der Raum muss frei von Rauschen, von Parasiten sein. Um Gehorsam zu finden, muss man gehört, muss man verstanden werden, muss die Ordnungsbotschaft Stille vorfinden“, schreibt der Philosoph Michel Serres in seiner Abhandlung „Der Parasit“.

Parasiten stören die Stille. Das ist uns übrigens schon einmal perfekt gelungen. Besonders die deutsche Industrie, konnte ihre Rückständigkeit Ende des 19. Jahrhunderts nur durch kluge Imitation kompensieren.

„Wie heute die Chinesen, haben damals deutsche Maschinenbauer ausländische Erfolgsmodelle in großem Stil eingekauft: Sie zerlegten die Maschinen in England und bauten sie im Siegerland oder im Schwäbischen neu auf. Durchs Nachmachen zu Erfahrung gekommen, haben die Deutschen sodann ihre Maschinen billig ins Ausland verkauft“, berichtet Rainer Hank von der FAZ.

Er verweist auf ein besonders dreistes Kopistenwerk in Solingen. Dort wurden minderwertige Messer aus Gusseisen hergestellt und mit dem Stempelaufdruck „Sheffield“ veredelt – das galt damals als Markenzeichen der englischen Messerproduktion.

„Ironie der Geschichte: Als Abwehrmaßnahme zwang England Deutschland das Label ‚Made in Germany‘ auf, damit man die mindere Ware erkennen sollte. Aber den Deutschen gelang es, das Stigma zum Qualitätssiegel umzuschmieden“, so der FAZ-Redakteur.

Degradieren wir die Silicon Valley-Aufschneider zu nützliche Idioten einer Ökonomie, die mehr Zugänge und Kompetenzen für wirtschaftliche Aktivitäten liefert.

Zum 200. Geburtstag von Friedrich Engels, der bekanntlich als Industriespion in England unterwegs war, doch ein hübsches Thema für einen weiteren netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs in Bonn-Duisdorf. Wer hätte Lust?

Siehe auch: „So wird Europa eine digitale Kolonie Amerikas oder Chinas“

Einen Termin schon mal vormerken:

Vorstellung des Buches „Arbeiten am Widerspruch – Friedrich Engels zum 200. Geburtstag“

  • Dienstag, 18. Februar 2020
  • Zeit: 19.00 – 20.30 Uhr
  • Ort: Buchhandlung  Klaus v. Mackensen, Friedrich Ebert Str./ Ecke Laurentiusstr. 12, 42103 Wuppertal
  • Eintritt: 4,00 Euro
  • Website: www.metropolis-verlag.de/
  • Veranstalter/Herausgeber: Rainer Lucas, Reinhard Pfriem und Hans-Dieter Westhoff
  • Beteiligte Akteure: Matthias Nocke (Kulturdezernent Stadt Wuppertal), Verleger  Hubert Hoffmann (metropolis-Verlag), Michael Krätke (Prof. für Politische Ökonomie, University of Lancaster) und weitere Autor*innen aus Wuppertal

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