Der transformative Kampf für das Bessere

In der ganzen Diskussion über Automatisierung, Robotik und KI hat Thomas Riedel einen interessanten Einwurf auf Facebook gemacht: „Das Narrativ ‚Roboter stehlen eure Jobs‘ dient nur dazu zu verschleiern, dass dahinter Menschen stehen, die sich ganz bewusst gegen euch und für Roboter entscheiden. Kein Roboter stiehlt euch irgendwas. Die wissen gar nicht, was stehlen bedeutet. Es sind Menschen, die die Arbeitswelt der Menschen verändern….“

Wer sich bei solchen „Innovationen“ auf Joseph Schumpeter beruft, sollte dabei nicht die Arbeiten des österreichischen Wirtschaftswissenschaftler über die Erosion des Unternehmertums außer Acht lassen. Erste Akzente setzte er bereits in seiner Zeit an der Bonner Universität im Jahr 1929. Etwa im Aufsatz „Unternehmer in der Volkswirtschaft von heute“: So kritisierte Schumpeter die Mechanisierung und Bürokratisierung in großen Organisationen. Später schrieb er in Anlehnung an Karl Marx über die Folgen der Konzentration und Zentralisation des Kapitals.

Bei solchen Themen geht es um normative Entscheidungen. Man könnte es auch den transformativen Kampf für das Bessere bezeichnen. Professor Reinhard Pfriem bringt Neugründungen ins Spiel, die die Welt wirklich besser machen. Nicht nur marktschreierisch, wie es Google & Co. im Gebetsmühlen-Jargon betonen. Pfriem setzt auf Social und Sustainable Entrepreneurship. Transformative Unternehmen sollten nicht-nachhaltiges Wirtschaften aus der Welt schaffen. Automobilindustrie, Energiewirtschaft und auch die Ernährungs- und Landwirtschaft verweigern sich, hier die nötigen schöpferischen Zerstörungen durchzuführen. „Das Zerstörerische muss zerstört werden, bessere additive Technologien reichen nicht aus“, kritisiert Pfriem.

Die Schumpetersche Innovationstheorie sollte nicht nur auf Technologie reduziert werden. Darauf verweist Lars Immerthal. Die Arbeiten von Schumpeter seien tief in der europäischen Kultur verwurzelt. „Wer bei Schumpeter danach fragt, wird beispielsweise Nietzsche, Hölderlin oder Hegel finden, wenn er/sie sich mit der schöpferischen Zerstörung oder Kondratjew Zyklen auseinandersetzt. AlsonPhilosophie und Literatur als Referenz. Der Begriff Disruption, so wie ihn Christensen nutzt, führt diese Fähigkeit nicht mit sich und fällt hinter Schumpeters Begriff der Innovation sogar zurück. Wenn wir also Träume, Poesie und Kunst als Basis unserer Imagination begreifen, dann kann etwas Wunderbares daraus entstehen. Sowohl theoretisch als auch ganz praktisch.“ Wir haben diese Form des Denkens, Handelns und Kommunizierens schon lange in unserer Kultur. „Und noch nie war die Gelegenheit und auch die Notwendigkeit größer, Mathe und Poesie, KI und Philosophie oder Open Source und soziale Verantwortung zusammen zu denken“, resümiert der Schumpeter-Forscher Immerthal.

Ein Gedanke zu “Der transformative Kampf für das Bessere

  1. Ganz losgelöst von der Politik … Erwartungen an eine „große Transformation“ … sind die Unternehmen Prozesseigener in einer selbst bestimmten und selbst wirksamen, systemischen und gesamthaft strategischen Rolle und Position. Um ihres Selbst willen. Und wenn das geschähe, bedeutet das … im Einklang (Koexistenz) mit allen die betroffen sind: Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Banken, Stakeholder und Shareholder. Und ganz selbstverständlich … eigentlich.
    In der Wirklichkeit gibt es ein Problem: In der Praxis ökonomischer Sichtweisen bzw. Definition unternehmerischen Erfolgs bleiben entscheidende Lebenswirklichkeiten außer Acht, haben Partnerschaften in der Vielzahl und Vielfalt keine Tradition. Die ökonomische und (gesamt)ökologische, die kurze und lange Sicht gehen nicht konform. Die existenziellen Konsequenzen diskutieren wir täglich. Ökonomische Führerschaft erzeugt auf multiple Weise immer mehr Konflikte und Gefahren in der Gesellschaft und Natur: Gegen das Leben. Die Sachlage eines besonderen Paradoxons … und allein wirtschaftlich nicht erklärbar. Der Grund dieses Konflikts ist der neuralgische Punkt. Gerade auch das diesjährige WEF in Davos führt dies auch wieder eindrücklich vor Augen, die zurück liegenden UN-Weltklimakonferenzen oder gar Mahnungen seit dem 1. Bericht des Club of Rome nur angemerkt.
    Es setzt sich fort, was mit der Vielfalt an Zuständen und Entwicklungen, ihren Chancen hier und Gefahren dort … in 2019 mit dem „Manifest von Davos“ zwar in der Botschaft und Frage nach dem WIE einer „Erneuerung“ als ganzes, heiles System(?) zentrierte, aber auch heute mit einem wirklichen Fortschritt … einer Kontinuität … nicht verknüpft werden kann.
    Die Sache (Nicht)Nachhaltigkeit scheint so kompliziert wie die „Gefangenschaft“ derer, die das Problem täglich vor Augen haben. Und in Stresssituationen bzw. weil zu viel Zeit verloren ist, umso stärker. Um die langfristige Zukunft zu erleben, müsste sie jetzt gestaltet, jene Themen entschlossen angegangen werden, die sich als Existenzfallen längst aufgetürmt haben. Jeder ist betroffen. Jeder muss sich fragen: Wie kommt in das ökonomische System hinein, was fehlt?
    Wenn alles das mit den Lebensfragen zu tun hat, ist Wandel hier primär keine technologische Disruption, sondern eine Breakthrough Energy, die zuerst und allen voran mit den Menschen im Unternehmer, Manager und Managementteam zu tun hat.
    Und wenn es die Grundaufgabe einer Führung ist, Verantwortung für das Ganze zu haben, sind hier der Ansatz für die Auflösung jener Dissonanz und der Antritt in einer neue Zeit. Die Schnittmenge an Gemeinsamkeiten bestimmt die Reichweite des Systems.
    Nicht-Nachhaltigkeit versus Nachhaltigkeit aus Unternehmersicht verändert ihren Stellenwert, wenn man sie mit der eigenen Daseinsfrage verknüpft. Unternehmenserhalt gehört zum Wesenskern und ist wohl so alt wie es Unternehmen gibt. Er bedingt die ganze Lebenswirklichkeit, immer in der Gesamtverfassung und Individualität eines Unternehmens und gleichzeitig im Vorgriff auf die Zukunft. Ihre Strategie setzt auf und entwickelt Stärken, vermeidet und überwindet Schlechtes und Schädliches, wo immer es besteht. In einem zukunftsoffenen, ständig rückkoppelnd und nach vorn gerichteten Prozess kollektiven Lernens, Verbesserns, Innovierens usf. Ihre Kultur durchdringt in der Folge die ganze Organisation, den ganzen Organismus bis an jeden Platz. Jeder, der mitwirkt, identifiziert sich als Mit-Unternehmer und Partner. Jeder ist ein Innovator.
    Man das definieren, transparent machen und tun. Das heißt lernen, das Universum (s)eines Unternehmens zu erfassen, damit es in das Geschäftsmodell, seine Umsetzung und Kultur einzieht und Nachhaltigkeit und stetig besser aufgeht. Relevante wissenschaftliche Erkenntnisse einbezogen. In einem Prozess offenen Werdens.
    Dieser Weg zeigt: Nachhaltig inklusives Wirtschaften und Gute Unternehmensführung sind ein Zusammenhang … Gute Unternehmensführung (GUF) und Nicht-Nachhaltigkeit schließen sich aus.
    Akzeptanz und Anerkennung in dieser Position finden ist gleichsam der höchste Wert, den ein Unternehmen, seine Marke, erreichen und seine Führung auszeichnen kann.
    Man stelle sich vor, das wäre ein Selbstverständnis. Eine Vision? Gute Ökonomie, beginnend mit dem, was eine Führung jetzt dafür tut, bestimmt sie wie die Zukunft wird. Immer an der Schnittstelle zwischen, was war und dem was werden kann. Eine Strategie und Kultur der Partnerschaft gewinnt. Für das Leben.
    Nachhaltig als Unternehmer sein ist die Erfahrung einer begrifflich und systemisch grundlegenden Verhaltensinnovation in dieser Hauptsache: Status quo, Sinn, Strategie, Synergien und Skills. Und mit diesem Statement tun, was jeder will und kann. So kommt in die Ökonomie hinein, was fehlt: Gute Governance … von Grund auf und dem im Ganzen guten Gefühl. So ist das der Ansatz für die Auflösung jener Dissonanz und der Antritt in eine neue Zeit.
    Die Grundlagen, Methoden und Vorgehensweisen in der Managementpraxis gibt es lange schon, unternehmerisch relevante wissenschaftliche Erkenntnisse einbezogen. Die Herausforderung ist die Anwendung in der Breite. Wie der Impuls schöpferischer Strategie und Synergie zum Standard wird. Eine transformative Selbstverständlichkeit … eigentlich.
    Und wenn dieser Antritt im „Kleinen“, vom Einzelunternehmen ausgehend, sich zirkulär ausweitend dynamisiert, wird aus vielen dieser Impulse eine systemische Innovation.
    Freue mich auf ein Gespräch mit Herrn Prof. Pfriem darüber.

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