Völkische Landbewegung: Über rechtsextreme Siedler in Brandenburg

„Die Siedler der „Anastasia“-Bewegung sehen aus wie Hippies und Öko-Aussteiger, doch bei so manchem verbirgt sich hinter der grünen Fassade eine völkische, braune Ideologie. In Deutschland hat die Bewegung ca. 800 Anhänger, die sich in ländlichen Regionen bundesweit ausbreiten – in Brandenburg derzeit an vier Orten. Die Anführer pflegen Kontakte zu Reichsbürgern, Holocaust-Leugnern und Anhängern der Identitären Bewegung. Der Film wirft einen exklusiven Blick in eine verborgene rechtsesoterische Lebenswelt. Zwei Jahre recherchierten die Kontraste Reporter undercover“, heißt es in dem Text der ARD zu dem sehr interessanten Film „Bio, braun und barfuß – Rechte Siedler in Brandenburg“.

Da muss die Bio- und Ökoszene höllisch aufpassen, um nicht in eine faschistoide Bewegung zu geraten, die alles bedient, was in der pränationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie vertreten war. Von der Rassenlehre bis zu antisemitischen Verschwörungstheorien. Es klingt ja alles so harmlos: Der Bio-Gärtner, der im MDR auftritt und nur in Mondphasen düngt. Bioläden, Tanzlokale, Brauchtum – wie geschaffen für das Landleben. Es endet mit dem Aufbau von Dorfwehren, um auf den Tag des politischen Umsturzes vorbereitet zu sein. Die Lobgesänge auf das einfache Leben und das kuhwarme Glück unter der Dorflinde sind gepaart mit einer Ablehnung der demokratischen Grundordnung.

Die Rückkehr zur „heilenden Kraft der Scholle“ predigte der Kunsthistoriker Julius Langbehn in seinem 1890 veröffentlichten Buch „Rembrandt als Erzieher“. Das Werk war ein Bestseller und hat mit Rembrandt als Erzieher eigentlich nichts zu tun. Dafür werden Themen einer völkischen Gesinnung angeschlagen: Ablehnung zeitgenössischer Kunst, Verhöhnung der Vernunft und Furch vor Wissenschaften. Langbehn setzt nicht auf Reformen, sondern auf die Zerstörung der bürgerlichen Gesellschaft. Modernität und Rationalismus sind verwerflich, nur ein neuer Primitivismus könne die elementaren menschlichen Leidenschaften freisetzen und eine neue germanische Gesellschaft schaffen, deren Grundlagen Kunst, Genialität und Macht sind. Der populärste Autor, der dem Gegensatz zwischen Stadt und Land immer wieder neue Varianten abgewinnt, ist Peter Rosegger. Er verfolgt damit ein klares volkspädagogisches Ziel, die Rückkehr zur reinen Agrargesellschaft und Naturalwirtschaft. Wer Körner ausstreue in das Erdreich, begeht eine heilige Handlung. All das wurde von der NSDAP zur Staatsideologie erhoben und macht sich jetzt wieder in einer braunen Landbewegung in Brandenburg breit.

Wehret den Anfängen.

Siehe auch: Eine Reise für Europa #FürMiliana

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