„It is private“: Wie sich eine Pseudoelite abschottet

In einer Netzpiloten-Kolumne habe ich mich mal mit den hohlen Befehlen einer Positionselite auseinander gesetzt, die ohne Positionen sehr schnell wieder zu kleinbürgerlichen Gestalten schrumpfen.

Zu bewundern an gescheiterten Heroen des Managements wie Martin Winterkorn oder Thomas Middelhoff. Als Symbol dieser aalglatten Ikonen rhetorischer Nichtigkeit sehe ich Johann Holtrop, die Hauptfigur im gleichnamigen Roman von Rainald Goetz. Das Werk ist ein erschreckendes Panoptikum der Wirtschaftselite. Holtrop ist auswechselbar. Ein Schnösel und Wichtigtuer, der sich mit abgedroschenen Plattitüden durchs Leben boxt. Er erzählt überall zusammengelesenes, letztlich nur nachgeplappertes Zeug. „Holtrop selbst merkte nicht, wem er was nachplapperte, wo er sich bediente und von wem er was übernommen oder gestohlen hatte“ , so Goetz. Solche Führungskräfte gibt es massenweise.

Einer dieser Holtrops war mal mein Vorgesetzter (ichsagmal.com-Leser müssten ihn eigentlich kennen), der eine Vorliebe für seichte Managementliteratur hatte. Irgendeine Phrase faszinierte ihn so, dass sofort ein Beitrag unter seinem Namen verfasst werden musste – ohne Quellen-Nennung versteht sich.

Auch Holtrop implantierte der Außenwelt seine Ideen, indem er sie kopierte und zugleich so manipulierte, dass sie seine Ideen für ihre eigenen hielten – ein begnadeter Blender. Es sind jämmerliche Söldner, die der Schweizer Publizist Frank A. Meyer so herrlich aufs Korn nimmt. „Sie verfügen nicht über Produktionsmittel, sie stehen nicht mit eigenem Kapital in der Verantwortung, ihre gesellschaftliche Position entspricht der von Kleinbürgern: nicht unten, aber auch nicht wirklich oben.“

Unkultivierte Typen und neureiche VIPs, die ohne Positionen wieder zu Gartenzwergen schrumpfen. So eine neofeudal gestimmte Luxusclique, die ihre Kinder in der Potsdamer Luxus-Kita „Villa Ritz“ für eine Monatspauschale von mindestens 1.000 Euro (ein Schnäppchen) unterbringt, muss sich abschotten. „Wer sich global wie lokal so behütet, so getrennt vor der wirklichen Wirklichkeit durch den eigenen Lebensfilm bewegt, dem fehlt die Lust am Engagement für die ferngerückte Gemeinschaft“, schreibt Meyer.

Wie sich das dann in einem Berliner Kiez abspielt, der früher eher von der Arbeiterschaft bewohnt wurde, schildert Franziska Hauser, die sich mit ihrer Tochter auf ein Mäuerchen in einer Straße im Bezirk Prenzlauer Berg setzte:

„‚It is private“, sagte sie und schloss die Haustür auf. Wir sollen woanders hingehen, sagte sie erst in Englisch, dann in deutsch mit rollendem r, weil wir so begriffsstutzig guckten. Weil wir das tatsächlich nicht zu verstehen schienen. ‚Its private‘, sagte sie nochmal nachdrücklich, mit angeekeltem Blick und verstand nicht, warum wir es nicht einsehen konnten.“

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