Hoffnungen für 2020 leicht gefallen: Wachstum wird bei 0,4 Prozent liegen – Bundesregierung rechnet mit 1 Prozent #EconTwitter @peteraltmaier @BMWi_Bund @destatis

Zu folgenden Einschätzungen über die konjunkturelle Lage kommt das Bundeswirtschaftsministerium:

  • Die deutsche Wirtschaft tritt weiter mehr oder weniger auf der Stelle. Es gibt aber erste Signale, die ein Ende des Abschwungs in der Industrie und damit eine allmähliche konjunkturelle Belebung der Gesamtwirtschaft wahrscheinlicher machen.
  • Die Produktion in der Industrie ist tendenziell weiter abwärtsgerichtet, während sich bei den Auftragseingängen eine Stabilisierung andeutet. Die Bauproduktion unterliegt monatlichen Schwankungen, bewegt sich aber auf hohem Niveau.
  • Die Indikatoren für den privaten Konsum senden zu Beginn des vierten Quartals zurückhaltende Signale. Die verfügbaren Einkommen nehmen aber weiter zu.
  • Die deutschen Ausfuhren haben sowohl im Oktober als auch im gesamten dritten Quartal deutlich zugenommen.
  • Der Arbeitsmarkt hat sich trotz der schwachen Konjunktur zuletzt wieder günstiger entwickelt.

2019 lag das Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts wohl bei 0,5 Prozent (die offiziellen Zahlen für das vergangene Jahr werden ja in Kürze vom Statistischen Bundesamt präsentiert – am 15. Januar in Wiesbaden) – im Jahr 2020 erwartet die Bundesregierung ein Wachstum von 1,0 Prozent.

Meine Prognose für 2019 ist nicht aufgegangen – ich rechnete mit 1,5 Prozent. Basis meiner „komplexen Berechnungen“ ist bekanntlich die Jahresumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, die einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung immer Anfang Dezember gestellt wird:

„Sehen Sie dem neuen Jahr mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegen?“

Die Ergebnisse der Neujahrsfrage lesen sich wie die Fieberkurve bundesdeutscher Nachkriegsgeschichte. Obwohl in der Frage nicht explizit auf die Erwartungen zur wirtschaftlichen Entwicklung abgestellt wird, sind die Ergebnisse in weiten Teilen auch ein Abbild des Konjunkturverlaufs der Bundesrepublik. Der Zusammenhang zwischen dem Anteil derjenigen, die dem jeweiligen Jahr mit Hoffnungen entgegensehen, und der tatsächlichen wirtschaftlichen Entwicklung bildete sich allerdings erst nach Ende der in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen ersten Phase des Wirtschafts- wunders ab Anfang der 1960er Jahre heraus“, schreibt Oliver Bruttel in dem wissenschaftlichen Beitrag „Bevölkerungsstimmung als Indikator für das Wirtschaftswachstum“.

Angesichts einer so langen Zeitreihe könne es sich bei dem dargestellten Zusammenhang zwischen dem Anteil der Bevölkerung, der dem kommenden Jahr mit Hoffnungen entgegensieht, und der realen Wirtschaftsentwicklung kaum um ein statistisches Artefakt handeln. Dennoch bleibe das Ergebnis bemerkenswert und zugleich erklärungsbedürftig.

Es könnte wohl so sein, dass die Formulierung der Neujahrsfrage nach Hoffnungen und Befürchtungen eine psychologische Dimension erfasst, aus der eine besonders hohe Prognosekraft resultiert.

„Eine weitere Erklärung für die Qualität der Allensbacher Neujahrsfrage zur Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung könnte schließlich die von Surowiecki beschriebene ‚Weisheit der Vielen‘ (Crowd Wisdom) liefern. Anhand zahlreicher Beispiele illustriert Surowiecki, dass unter bestimmten Bedingungen der Durchschnitt von individuellen Schätzungen einer großen Zahl von Personen besser sein kann als die ausgewiesener Experten“, so Bruttel.

Und nun zu den neuen Ergebnissen. Demnach blicken 49 Prozent der Befragten in Deutschland dem neuen Jahr mit Hoffnungen entgegen, 18 Prozent mit Befürchtungen, 23 Prozent mit Skepsis, 10 Prozent votieren für Unentschieden. Als Indikator für die Konjunktur reduziert man den Blick auf die Hoffnungen – also auf den Optimismus. Und der hat sich leicht abgeschwächt und liegt 3 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Das ist nur ein leichter Rückgang, so dass sich die Konjunktur 2020 nicht deutlich verändern wird. Meine Wachstumsprognose für 2020: 0,4 Prozent.

Der Zusammenhang zwischen der Allensbach-Jahresumfrage und der Konjunktur wurde erstmals von Karl Steinbuch, einem Professor für Nachrichtentechnik, Informatik und Statistik an der Technischen Hochschule Karlsruhe, entdeckt. Für erste tiefergehende wissenschaftliche Abhandlungen vgl. G. Kirchgässner: Sind die Erwartungen der Wirtschaftssubjekte „rational“? Eine empirische Untersuchung für die Bundesrepublik Deutschland, in: Weltwirtschaftliches Archiv, 118. Jg. (1982), H. 2, S. 215-240.

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