Social-Web-Jahr #2020: Plädoyer für mehr Sachlichkeit und Nüchternheit #9vor9 @larbas @digitalnaiv @AgoraEW @CKemfert @tknuewer

Thomas Knüwer prognostiziert in seinen Kaffeesatz-Lesereien für 2020 einen Kampf der Generationen und Lebensstile„und er wird immer aggressiver, immer schriller, immer mehr geprägt von Terror in Wort, Schrift und schließlich Tat. Thematisch sehe ich dabei zwei Bereiche als besonders konfliktgefährdet. Einerseits der Bereich Umwelt, klar. Auf der einen Seite die, die nichts an ihrem Lebensstil ändern wollen – auf der anderen Seite Umweltkämpfer, die glauben mit linearen, simplen Lösungen Probleme angehen zu können: das kann nicht gut gehen.“

Ich sehe das für dieses Jahr nicht so. Wir haben gute Chancen, in den netzöffentlichen Debatten nüchterner und sachlicher vorzugehen. Vor allem faktenorientierter und empirischer. Jüngstes Beispiel: Die Jahresauswertung 2019 von Agora Energiewende.

Die Treibhausemissionen in Deutschland sanken im vergangenen Jahr um mehr als 50 Millionen Tonnen, sie liegen damit etwa 35 Prozent unter dem Niveau von 1990. „Damit rückt das Ziel Deutschlands, bis 2020 die Emissionen um 40 Prozent zu mindern, überraschend in greifbare Nähe. Für den Rückgang verantwortlich ist ausschließlich der Stromsektor: Braun- und Steinkohle produzierten deutlich weniger Strom, Erneuerbare Energien deckten knapp 42,6 Prozent der Stromnachfrage und damit fast fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr….Damit erzeugten Wind-, Wasserkraft, Solarstrom- und Biogasanlagen erstmals mehr Strom als Kohle- und Kernkraftwerke zusammen“, schreiben die Agora-Studienautoren.

Hauptursache des Emissionsrückgangs im Stromsystem seien die gestiegenen Preise für CO2-Zertifikate im EU-Emissionshandel. Sie führten in Verbindung mit der gestiegenen Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien und einem gesunkenen Stromverbrauch dazu, dass fossile Kraftwerke ihre Stromproduktion an vielen Stunden des Jahres 2019 deutlich reduzierten, weil diese nicht mehr wettbewerbsfähig war. „Die Stromerzeugung von Steinkohlekraftwerken brach deshalb um 31 Prozent ein, die von Braunkohlekraftwerken um 22 Prozent. Davon profitierten auch Gaskraftwerke, die weniger CO2-Zertifikate für ihre Stromerzeugung benötigen; sie erhöhten ihren Stromabsatz um 11 Prozent…..Anders als im Stromsystem nahmen die CO2-Emissionen von Gebäuden und dem Verkehrssystem sogar zu: Dort wurden mehr Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel als im Vorjahr verbraucht. Dadurch wurden die Emissionsminderungen im Stromsystem zum Teil zunichte gemacht. Im Verkehr führte vor allem der steigende Anteil schwerer Fahrzeuge mit großen Verbrennungsmotoren wie SUVs zu einem Anstieg der Emissionen.“

Für dürfen in der Umweltpolitik also nicht nachlassen und müssen eine wirklich kluge Klimapolitik anstreben. Wind- und Sonnenenergie besser fördern, Kohleausstieg forcieren, eine echte Verkehrs- und Energiewende schaffen, dezentrale Arbeit als Grundrecht im Grundgesetz verankern (nur so kommen wir von der Berufspendler Republik Deutschland runter), E-Bikes als Jobräder nach vorne bringen, Mehrweg wieder auf ein hohes Niveau bringen, Verpackungsvermeidung endlich ernst nehmen, Wiederverwendung und Wiederverwertung ohne Verbrennung praktizieren und, und, und. Genügend Stoff für sachorientierte Disputationen – ohne Hass, ohne Häme und ohne Sarkasmus. Wir müssen 2020 den Überschuss an Meinungen und Aburteilungen deutlich reduzieren. Es bringt nichts, in Echtzeit ständig Meinungen rauszuballern. Vorher sollten wir das mit Daten und Fakten abgleichen.

Und Eure Prognosen für 2020? Kommentare wären schön.

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