Open Source-Prinzipien mit Ingenieurskunst kombinieren

Autoland bald abgebrannt?

Die Automobilwirtschaft steht vor der größten Transformation seit der Einführung des Verbrennungsmotors. Branchengrenzen verschwimmen, branchenfremde Anbieter definieren den Markt neu, Wertschöpfungsketten werden neu konfiguriert (etwa durch den 3D-Druck) und digitale Plattformen treiben die Vernetzung der Fahrzeuge voran. 

Naserümpfende Bemerkungen über netzökonomische Visionen sind da fehl am Platz:

Etwa die Bemerkungen des ehemaligen Daimler-Chefs Edzard Reuter, der das Tesla-Auto für einen Witz hielt. Oder der Kurzzeit-VW-Chef Matthias Müller, der der Öffentlichkeit mitteilte, dieses Startup aus Kalifornien schlichtweg ignorieren zu wollen. Es geht aber um netzökonomische Kompetenzen, die auch beim Daimler oder bei VW so langsam gedeihen sollten bei Entwicklung von vernetzten Mobilitätssystemen. Es geht vor allem um eine Open Source-Kultur im Management, die sich von den traditionellen Industriekonzernen deutlich unterscheidet. So reizt der Autobauer Local Motors die netzökonomischen Hebel perfekt aus und setzt nicht mehr auf Heerscharen von Ingenieuren, die unter strengster Geheimhaltung an neuen Modellreihen arbeiten.

Local Motors verfügt gerade mal über ein gutes Dutzend fest angestellter Fachleute, die in der Lage sind, ein Fahrwerk oder einen Antrieb zu entwickeln. 

Wie man die besten Köpfe in Online-Communities gewinnt 

„Doch das Kernteam kann sich darauf verlassen, dass zu den Fahrzeugen, die Local Motors entwickelt, mehrere Tausend Experten ihr Wissen beisteuern. Nur arbeiten diese eben nicht in einer Werkshalle oder Büroetage, sondern im Netz. Eine Online-Community, die mehr als 36.000 Autofans und Fachleute rund um die Welt vernetzt, ist das Herzstück des Unternehmens“, sagt Internet-Experte Willms Buhse.

Alle Baupläne sowie Entwürfe stehen im Netz und sind als CAD-Dateien einsehbar. Jeder darf die quelloffene Software nutzen und verbessern, wie man das sonst nur von Linux kennt. Mal steuern Designer aus Rumänien, Brasilien oder Uganda Entwürfe für die Form eines Karosserieteils zu einem Fahrzeug bei, dann wieder lassen professionelle Fahrzeugentwickler aus Frankreich oder den USA in ihrer Freizeit ihr Wissen zur Konstruktion von Motorelementen in ein kollaboratives Entwicklungsprojekt einfließen.

Bei Branchengrößen wie Daimler werde dagegen Besuchern aus Sorge vor Industriespionage sogar dann die Kamera am Smartphone mit Klebeband versiegelt, wenn man dort nur Konferenzräume besucht. Die Weisheit der Vielen bleibt vor den Werkstoren. Besser wäre es doch, die besten Ingenieure in offenen Strukturen vernetzen. Man könnte doch schon mal damit anfangen, bislang praktizierte Verfahren zu hinterfragen, vernetzte Elemente in den Arbeitstag aufzunehmen, offener mit Informationen umzugehen und enger mit Kunden zu kooperieren.

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