#Rezo und #DieZerstörungderCDU – Eine Laudatio @netzpolitik

Laudatio passt gut zu meinem Beitrag im prmagazin

Markus Beckedahl von netzpolitik.org hat beim Umweltmedienpreis der Deutschen Umwelthilfe eine Laudatio auf Rezo und sein Video „Die Zerstörung der CDU“ halten dürfen. Auf Facebook hat er eine Abschrift der Rede veröffentlicht. Hier ein kleiner Auszug, den Rest könnt Ihr ja auf Facebook lesen.

„Der 18. Mai 2019 gleicht einer Zäsur. Der Youtuber Rezo veröffentlichte an diesem Tag ein 55 Minuten langes Video mit dem Titel ‚Die Zerstörung der CDU‘. Dann wurde es auf vielen Ebenen interessant. Es wurde eine Woche, in der viele Menschen über 40 das erste Mal realisierten, dass es dieses Youtube gibt und das dort womöglich auch eine neue, in Teilen politische Öffentlichkeit entstanden ist, ohne dass man es in den vergangenen Jahren mitbekommen hätte…..“

Rezo hatte ein kleines Meisterwerk geschaffen, das eindrucksvoll zeigte, wie man Videokultur dazu nutzen kann, einen politischen Standpunkt zu vertreten.

„Der Resonanzboden wurde größer, weil die CDU als Regierungspartei vollkommen überfordert war, diese Kommunikationsform zu verstehen und das Video als das anzusehen, was es war: Ein Standpunkt, ein Meinungsbeitrag. Gut recherchiert und vor allem für jüngere Menschen in einer zeitgemäßen Art aufbereitet…..Eine zeitlang versuchten CDU-Spindoktoren verzweifelt, Rezo irgendwelche Hintermänner und -frauen anzudichten. Aber egal, welchen Spin man versuchte, es klappte einfach nicht. Weil hier ein unabhängiger junger Mensch mit viel Überzeugung und Recherche auf seinem Kanal seinen Standpunkt deutlich und klar formuliert hatte. Durch die Reaktionen der CDU wurde es dann tatsächlich eine kleine Zerstörung. Die Regierungspartei sah ganz schön alt aus.“

Wie die Netzpolitiker der Union reagierten, zeigt dieses Video:

Und in meiner Kolumne im prmagazin komme ich zu folgender Schlussfolgerung: Als Heiner Geißler 1977 CDU-Generalsekretär wurde, intensivierte sich der methodische Stil der Kommunikation durch den asketischen Arbeitsstil des Jesuiten Geißler. Um ihn bildete sich ein Kreis mit verschiedenen Temperamenten und Kompetenzen: Der Pressesprecher Jürgen Merschmeier, die politischen Denker Wulf Schönbohm und Warnfried Dettling (Nachfolger war Wilhelm Staudacher) als Hauptabteilungsleiter Politik und natürlich der Berliner Dynamo Peter Radunksi. Letzterer hatte übrigens eine Vorliebe für Niccolò Machiavelli, Geißler für den revolutionären Kämpfer Girolamo Savonarola. Sine ira et studio (lat. ohne Zorn und Eifer) lautete die Maxime, mit der die Polit-Strategen Entwürfe für Reden und Kampagnen konzipierte: Neues und Zugespitztes entstand, Konter wurden überlegt. Davon ist unter AKK und dem Generalsekretär Paul Ziemiak nichts mehr übrig geblieben. Man poltert von einem Fettnäpfchen ins nächste. Von #WirsinddieBots bis #Vaterlandsliebe. Klingt nach Kaiser Wilhelm und Gesternkommunikation. 

6 Gedanken zu “#Rezo und #DieZerstörungderCDU – Eine Laudatio @netzpolitik

  1. Edgar Piel

    Naja, mich hat die Komminikation von Geissler damals überhaupt nicht überzeugt. Sobald er sein Amt hinter sich hatte, zeigt sich, dass er in wirklich ganz anders dachte als er vorher als professioneller Kettenhund von Kohl gebellt hat. Diese Schizophrenie war doch dauernd spürbar.

  2. gsohn

    Was die Inhalte anbelangt, da hast Du sicherlich recht. Mir ging es um die Arbeitsweise der Protagonisten in der Bundesgeschäftsstelle. Also Radunski und Co.

  3. Edgar Piel

    Was die Arbeitsweise angeht, kann man sich natürlich auch Fragen stellen. Die nennst Geissler einen Jesuiten (Schüler, genauer gesagt). Diese selbst verstanden sich als die Soldaten Gottes, die alles, was Gott uns verboten hat, für Gott glaubten tun zu dürfen: Intrigiern, Rufmord gegehen, Lügen und was weiß ich noch alles. Geissler tat das für seinen etwas kleineren Gott aus der Pfalz gegen die SPD („Linke Socken“, gegen Gorbatschow (Goebbels-Vergleich) usw. und konnte, als dieser mit Gorbi beim Saumagen zu Tisch saß, nicht einmal mehr unterm Tisch gebraucht werden. Diese Arbeitsweise (und Funktionärsschizophrenie) hat die CDU und überhaupt die etabliert Politik schon damals viel Glaubwürdigkeit gekostet. Ich weiß noch, wie Bundespräsindent v. Weizsäcker später versuchte, den Parteien ins Gewissen zu reden.

  4. gsohn

    Es gab aber auch Köpfe wie Radunski oder auch Biedenkopf, die anders unterwegs waren. Und der spätere Geißler war doch eine Inspirationsquelle. Jedenfalls für mich.

  5. Edgar Piel

    Ja, Gunnar, richtig. Geißler hat später einiges – und glaubhaft – getan, um seine „verlorene Ehre“ unter Kohl wieder herzustellen. Ich wollte nur Deine nostalgischen Zeilen zur damaligen politischen Kommunikation ein wenig relativieren. Ich selbst habe keine Sehnsucht dahin zurück.

  6. gsohn

    Ich auch nicht. In den 70er und 80er Jahren waren aber die besseren Köpfe an Bord. Und ich habe das ja fürs prmagazin so ein wenig unter strategischen Aspekten geschrieben.

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