Hongkong und die Rezessionsgesänge von „Starökonomen“

41 Millionen Euro Staatsknete für die Propheten ohne Durchblick

Jetzt dominieren wieder Starökonomen das Prognosegeschäft und reden von Rezession. Die Qualität ihrer Vorhersagen in der Vergangenheit gerät viel zu schnell aus dem Blick. Wir sollten uns mehr mit den Fehlprognosen der Starkökonomen auseinandersetzen.

Das Chaos, in dem sich Hongkong befindet, könnte nach einem Bericht der FAZ „einen äußerst merklichen Rückgang“ im Wachstum der Weltwirtschaft auslösen, glaubt Harvard-Ökonomin Carmen Reinhart. Nicht nur dann, wenn Chinas Militär in Hongkong die Proteste blutig niederschlüge, könnte von der Insel eine Schockwelle ausgehen, die eine globale Rezession auslösen könnte. Allein schon wenn die täglich neuen schlechten Nachrichten aus Hongkong die immer deutlicher sichtbaren Probleme der zweitgrößten Wirtschaft der Welt noch größer machten, könnte dies auch ohne „Knall“ einen schleichenden „Schock“ auslösen, der globale Konzerne in Turbulenzen zu stürzen droht, sagt Reinhart. Äh, Reinhart….? Das ist doch jene Wirtschaftswissenschaftlerin, die so präzise an den Empfehlungen für eine optimale Staatsverschuldung gearbeitet hat. Nachzulesen unter: Thomas Herndon versus Reinhart/Rogoff – Wenn inkompetente Excel-Ökonomen irren und zur Tagesordnung übergehen.

Den monokausalen Glaskugel-Ökonomen sollte man da etwas skeptischer begegnen. So warnt Bundesbankpräsident Jens Weidmann im Interview mit der FAS vor Panik, Pessimismus und Aktionismus. „Wir stecken in einer konjunkturellen Flaute“, so Weidmann. Die deutsche Wirtschaft komme jedoch aus einem langen Aufschwung mit Rekordbeschäftigung und stark ausgelasteten Kapazitäten. Der Bundesbankpräsident plädiert deshalb für Besonnenheit. Käme es zu einer echten Rezession, wäre aus seiner Sicht die Finanzpolitik der Bundesregierung gefordert. Aktuell sieht er aber noch keinen Grund, ein großes Konjunkturprogramm aufzulegen.

Zudem wird seit der Finanzkrise 2007 die Relevanz der Binnennachfrage unterschätzt, obwohl das Statistische Bundesamt darauf in den vergangenen Jahren bei der Entwicklung des Sozialproduktes immer wieder hingewiesen hat. Darüber hinaus sollten wir uns nicht in eine Krise hineinreden, sondern in der Wirtschaftspolitik unsere Hausaufgaben machen – etwa bei der Entwicklung einer Infrastruktur für die Verkehrswende oder bei der Förderung von Unternehmensgründungen über Sonderwirtschaftszonen. Seit Jahren verzeichnet der KfW-Monitor bei der Schaffung neuer Firmen einen negativen Trend. Schlecht sieht es auch bei den Neuinvestitionen der Unternehmen aus – vor allem bei den älteren Firmeninhabern.

Wir sollten bei dem Rezessionsgebabbel die psychologischen Faktoren nicht unterschätzen – nachzulesen in meinem Kapitel im Schumpeter-Band:

„In einem Wirtschaftssystem, das auf den freien Entschließungen und Wirtschaftsakten von Millionen von Individuen beruht, müssen die seelischen Schwankungen, denen diese Entschließungen unterliegen, für das Gleichgewicht des Wirtschaftsprozesses von entscheidender Bedeutung sein, und es entsteht die Frage, ob nicht die wirtschaftlichen Bewegungsentscheidungen im letzten Grunde auf solchen Schwankungen der Massenstimmungen und Massenurteile beruhen. Diese Frage wird von der psychologischen Schule der Konjunkturtheorie bejaht (Pigou, La- vington, Schumpeter)“, erläutert Wilhelm Röpke (1932, S. 70)…..„Es handelt sich hier um geistige Massenepidemien, denen nur ganz wenige zu widerstehen vermögen, während die große Mehrzahl sich von der Suggestivgewalt der Massenstimmung fortreißen lässt. Für alle diese seelischen Vorgänge gilt, dass sie sich nicht zu solchen Ausmaßen entwickeln könnten, wenn nicht die Ungewissheit über wichtige wirtschaftlich erhebliche Tatsachen, die Mangelhaftigkeit der wirtschaftlichen Informationen und die Unsicherheit der Zukunft einen breiten Spielraum für bloße Vermutungen und unbestimmte, stark gefühlsmäßig gefärbte Prognosen und damit für Irrtümer aller Art schaffen würden.“ (1932, S. 71)

Aber selbst bei den einigermaßen feststehenden Tatsachen würde das Wort eines griechischen Philosophen gelten, dass nicht die Tatsachen die Handlungen der Menschen bestimmen, sondern die Meinungen über die Tatsachen. „Das Seelische“, so Röpke, spiele eine aktive Rolle bei der „Überwindung des toten Punktes in der Depression“, wenn es um die Verviel- fältigung der Aufschwungskräfte geht (1932, S. 71 f.

Ob das den Makroökonomen in Institutionen wie dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung noch vermittelt werden kann? Oder den politischen Entscheidern, die dem Rat der Makroökonomen folgen? Oder den Technokraten in den großen Unternehmen?

Ein Gedanke zu “Hongkong und die Rezessionsgesänge von „Starökonomen“

  1. gsohn

    In der Zeit sind die richtigen Akzente gesetzt worden: „Statt Städte umzubauen, zukünftige Trassen und Stromtankstellen zu planen, Anreize für Investitionen zu schaffen und ihr Verhältnis zur Autoindustrie zu klären, auch rechtlich, bleibt die Regierung mal vage und mal gestrig. So versuchte das Verkehrsministerium allen Ernstes, eine Ausländermaut, die es in der Form in anderen Ländern seit zig Jahren gibt, als Zukunft zu verkaufen. Stattdessen hätte man sich wenigstens eine smarte Verkehrssteuerung überlegen können.“ https://www.zeit.de/2019/33/wirtschaftswachstum-konjunktur-deutschland-energie-klima-digitalisierung/seite-2

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