Das Beethoven-Werk und der Provinzialismus in Bonn #BTHVN2020

„Beethoven wird 250 Jahre alt, und Bonn bekommt es nicht hin, die Geburtstagstorte rechtzeitig auszuliefern.“ Das schreibt Dylan Cem Akalin in einem Kommentar für den General Anzeiger.

Zurzeit sieht es so aus, als würden zwar eine ganze Reihe von Veranstaltungen so irgendwie funktionieren, schreibt der GA-Redakteur: „Man gibt sich auch Mühe, ohne die Beethovenhalle als Konzertsaal auszukommen (da hat man zu viel Zeit für das Wolkenkuckucksheim namens Festspielhaus verplempert, gs), erwägt sogar die Nutzung des trockengelegten Viktoriabads für das Beethovenfest. Aber was ist mit dem ‚Feuerwerk‘, von dem der Oberbürgermeister so gerne spricht? Wo sind die zündenden Ideen, um aus dem Jubiläumsjahr für einen der größten Komponisten unserer Zeit auch ein Fest für alle zu machen?“

Ich will ja nicht den Schlaumeier spielen, aber diesen Akt des Provinzialismus habe ich schon vor Jahren mit Hinweis auf eine Analyse von FAZ-Redakteur Andreas Rossmann kritisiert. So schrieb Rossmann über das Beethoven-Geburtshaus:

„Die Beleuchtung ist funzelig, die Rezeptionsgeschichte kein Thema, und die Beschriftung – obwohl hier ganze Rheindampfer voller Asiaten durchgeschleust werden – ausschließlich in deutscher Sprache. Weniger eine vergangene Lebenswelt als inszenierte Aura ist zu besichtigen. Das (angebliche) Geburtszimmer ist ihre Krönung: Nur eine steinerne Statue steht in dem leeren Raum: Wo Erläuterungen fehlen, ist begriffsloses Staunen angesagt. Seit 1995 wurde hier kaum etwas verändert: Der ausgestellte Stillstand ist ein Bild für den Zustand des Hauses, das neben Museum auch Archiv und mit dem 1989 eröffneten Kammermusiksaal sogar Konzertveranstalter ist. Die wissenschaftliche Arbeit stand lange in der Kritik, die Gesamtausgabe, Ende der fünfziger Jahre begonnen, ist gerade einmal zur Hälfte gediehen. Erst 1998 wurden die Leiter der drei Sektionen einem Direktor unterstellt. Andreas Eckhardt, bis 2009 im Amt, hat sich allein schon mit der Erwerbung der Diabelli-Variationen ein Denkmal gesetzt (F.A.Z. vom 28. April 2007 und 21. Dezember 2009). ‚Er war ein wunderbarer Kommunikator‘, sagt ein guter Kenner des Instituts, der nicht genannt werden will, ‚aber die Käseglocke über der Ausstellung hat er nicht angerührt.‘ Den Reformstau aufzulösen und das Haus ins Jahr 2020 zu führen, in dem Beethovens zweihundertfünfzigster Geburtstag gefeiert wird, waren die ersten Anforderungen an den Nachfolger. Nach intensiver Suche einigte sich der Vorstand, ein Elferrat, bestehend aus zehn älteren Herren und einer Dame, auf einen Kandidaten, der ihn voll und ganz überzeugte: den Musikwissenschaftler und Juristen Philipp Adlung, Jahrgang 1965. Anfang 2007 hatte er in Halle das Händel-Haus übernommen und sich für größere Aufgaben empfohlen: indem er das angestaubte Institut in eine Stiftung überführte, die Modernisierung voranbrachte und eine neue Dauerausstellung einrichtete. Am 1. Juli 2009 trat Adlung in Bonn an“, schreibt Rossmann.

Ein knappes Jahr später legte der wieder rausgeekelte Direktor ein Papier vor, das eine schonungslose Bestandsaufnahme und den Entwicklungsplan „Beethoven 2020“ enthält. Auf vier engbedruckten Seiten werde ein Bedeutungsverlust „in Gestalt von Besucherrückgängen und vor allem Spitzen-Beethovenforschung an anderen Orten“ konstatiert: „Die Antwort auf diese bedenkliche Entwicklung liegt in einer umfassenden ,Öffnung‘ des Hauses.“ Vor allem auf die Erneuerung des Museums werde gedrängt: „Die Ausstellung“ gleiche „eher einer Weihestätte mit kultischem Anstrich als einem besucher- und benutzerfreundlichen Haus mit einem echten Vermittlungsanliegen“. Von einer überfälligen Reform ist man weiter entfernt denn ja. Der Klüngel bleibt unter sich. Bonn ist also weit entfernt, eine Veranstaltung auf dem Niveau der Salzburger Festspiele hinzubekommen. Wieder einmal.

Christian Lorenz hat sich nach zwei Jahren als künstlerischer Leiter der Beethoven-Jubiläumsgesellschaft (BTHVN 2020) auch wieder vom Acker gemacht. Da erkenne ich einen roten Faden……

Der Nachfolger sagte vor wenigen Wochen: „Jetzt müssen wir Fahrt aufnehmen“. Das ist doch ein schlechter Scherz.

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