TechTrends, Deutschland-Cloud, Facebook im Datensumpf des Populismus und Krisen-PR im Chatbot-Modus #9vor9

Am Dienstag, um 8:51 Uhr ist es wieder soweit: Wir starten mit den wichtigsten Technews in unserer Sendung #9vor9 in die Woche. Und da müssen wir mit Sicherheit ein paar Worte zum Datensumpf verlieren, in dem zur Facebook herum stapft. Oder auch: „Sie sind keine Opfer. Sie sind Komplizen“: Facebook nach Datenleck-Skandal im Kreuzfeuer, titelt die absatzwirtschaft:

„Durcheinander bei Facebook nach den Whistleblower-Enthüllungen: Die belegen, dass das Social Network zwei Jahre lang ein Datenleck ignorierte, das die Donald Trump nahestehende Datenanalysefirma Cambridge Analytica für ihre Zwecke ausnutzte. Facebook sperrt das Konto von Whistleblower Christopher Wylie, während Edward Snowden und andere Internetexperten das Social Network anzählen.“

Der Umgang mit der öffentlichen Kritik am Social Network, die seit der US-Wahl von Tag zu Tag größer geworden und inzwischen zu einem Orkan angewachsen sei, trägt längst die Zuge eines klassischen Kommunikationsversagens. Und der Gegenwind, den Facebook selbst in der Tech-Szene erntet, wird heftiger. Zu bewundern etwa beim Digitalfestival South by Southwest (SXSW) in Austin. Da wertete man den Auftritt von offiziellen Vertretern des Zuckerberg-Konzerns als lebendig gewordene Pressemitteilungen – also so eine Art Chatbot-PR. Etwa die Reaktionen auf ein Videodreh von Richard Gutjahr:

So entwickelt sich das halt, wenn man eine stalinistische Politik in der Unternehmenskommunikation betreibt. Öffentliche Auftritte im Teleprompter-Modus – fernab von offener und direkter Dialogfähigkeit. Facebook ist ausschließlich als Sender unterwegs und pflegt nicht die Interaktion mit den Nutzern. Das, was Zuckerberg anderen empfiehlt, nämlich maximale Transparenz, praktiziert der Silicon Valley-Gigant intern überhaupt nicht. Die essen nicht ihr eigenes Hundefutter. Wer ausschließlich im weltweit führenden und absolutistisch gesteuerten Blabla-Habitus unterwegs ist, versagt in der Krisenkommunikation – ähnliches gilt übrigens auch für die Top-Leute von Google.

Die Geschwindigkeit, mit der sich der 535 Milliarden Dollar schwere Internet-Gigant in seiner öffentlichen Darstellung selbst demontiert, sei bemerkenswert, kommentiert die absatzwirtschaft.

„Am Wochenende war nach den vernichtenden Guardian-Enthüllungen über die Datenanalysefirmen Cambridge Analytica binnen Stunden zu beobachten, wie Facebooks PR-Abteilung in gleich mehreren Stadien die Nerven verlor.“

Drohung mit juristischen Konsequenzen (kenne ich persönlich von autoritär geführten Unternehmen, die Presseanfragen direkt über die Rechtsabteilung laufen lassen – kein Scherz, so eine Organisation gibt es in Bayern – ein Markenartikler…..;-)

Unschuldsbekundungen mit geringer Halbwertzeit:

https://twitter.com/dataandpolitics/status/975161845056126977

Whistleblower sind wohl Spielverderber und werden ausgeserrt:

Kein Wunder, dass selbst eher libertär gesinnte Netzaktivisten in den USA eine schärfere Regulierung von Facebook und Co. fordern.

Deshalb halte ich das für wichtig:

Wir diskutieren das am Dienstag, um 8:51 in der Sendung #9vor9 – also das Frühstücksei aufschlagen und einschalten auf Facebook 😉

Man hört, sieht und streamt sich in alter Frische.

Ein wenig spät: Cambridge Analytica – Facebook schließt umstrittenes Unternehmen aus

Kommentar verfassen