Occupy ist toll, Google ist toll und Lizenzverkäufe an WalMart sind toll #Netzpartisanen


Occupy war wohl ein überschätztes Ereignis, vermutet der Publizist Thomas Frank. Ihrem Namen zum Trotz besetzte die Bewegung keine Banken, sondern Parkbänke, die mit Camping-Zelten umbaut wurden. Dafür kreierten die Akteure den gelungenen Slogan ‚We are the 99%‘ und ein nettes Plakat mit der Ballerina auf dem Wall-Street-Bullen. Das war so gut, dass WallMart die Lizenz kaufte. Protest-Ikonen, wie die selbst ernannte Anarchistin Justine Tunney, sehen ‚Occupy Wall Street‘ wohl mehr unter Markenrechtsgesichtspunkten.

Noch interessanter ist die Tatsache, dass Tunney nach Auflösung der Zuccotti-Park-Besetzung von Google als Software-Ingenieurin eingestellt wurde. Ihre Rechtfertigung würde Karl Marx wohl noch nicht mal mit Verachtung bestrafen:

„Zwar operiert Google innerhalb des kapitalistischen Systems, aber sie tun viel Gutes für die ganze Welt. Ich respektiere Google und würde niemals versuchen, die Firma zu sabotieren.“

Auweia.

„Dass eine Aktivistin Parolen wie ‚Stomp out capitalism’ in die Welt streut und zugleich das Loblied ihres Arbeitgebers mitsingt, mag seltsam anmuten. Dabei ist sie nur konsequent; bereits während der Besetzung hatte sie ihr superkritisches Kapitalismusverständnis unter Beweis gestellt: ‚Diese Bewegung hat nichts gegen Konzerne, sie ist nur gegen Wall Street’“, schreibt Guillaume Paoli in seinem Beitrag ‚Marktkonforme Antikapitalisten‘, erschienen im Matthes & Seitz-Band ‚Zonen der Selbstoptimierung‘.

Hacktivisten-Unterwanderung für Klickverkäufe

Pharisäer sind auch im deutschen Ableger des Hacktivisten-Kollektivs Anonymous aktiv. Sie haben sich zumindest eingeschlichen. Etwa Mario Rönsch, der hinter der berühmten Guy-Fawkes-Maske nicht nur abstruse Verschwörungstheorien absondert, von Lügenpresse schwafelt und bösartige Pläne einer weltumspannenden Illuminati-Bewegung an die Wand malt, sondern sein Geld mit der Firma ‚Fandealer‘ macht. Er verkauft Klicks von Facebook-Fans und Twitter-Followern an Marken und Konzerne, die ihren Einfluss in der digitalen Welt künstlich aufbauschen wollen.

„Ob es um das Politische oder um das Geschäft geht, der gelernte Bankkaufmann hat gut verstanden, wie Simulationsökonomie funktioniert“, führt Paoli aus.

Heute lesen solche Netzrevoluzzer wohl nicht mehr Marx oder Engels, sondern eher Robert Heinlein, der langweilige Science Fiction über futuristischen Gruppensex zu Papier bringt. Roboter, die dauergeil durch die Gegend torkeln und Marsianer wie Michael Valentine, die gerne vögeln und Erdlingen beibringen, wie Marsianer zu vögeln.

Solche Wirrköpfe werden dazu beitragen, dass die Vulgärkapitalisten auch in Zukunft in Ruhe ihren Geschäften nachgehen können. Wahrscheinlich arbeitet die Konzernfreundin Justine Tunney im Verbund mit Ray Kurzweil an einer technologischen und singulären Befreiungstheologie und will uns den Roman-und-Essay-Mist von Vernor Vinge (The Technological Singularity) als Religionsersatz überstülpen.

Vorher muss natürlich noch ein Slogan und ein Logo entwickelt werden – sonst können Handelskonzerne wie WalMart keine Lizenzen kaufen. So erobert man die Welt. Bei den #Netzpartisanen bastelt sich jetzt jeder selbst ein Logo 🙂

Ausführlich nachzulesen bei den Netzpiloten.

P.S. Kurzweil hält übrigens Eingriffe in den menschlichen Geist für wünschenswert, weil dadurch Charakterfehler behoben und Leistungssteigerungen ermöglicht werden könnten. Klingt irgendwie nach der Psychotherapie im Zukunftsroman „Clockwork Orange“ von Anthony Burgess. Es ist an der Zeit, solche Steuerungsheinis in der Öffentlichkeit mit einer kritischen Debatte zu konfrontieren. Helfen könnten paradoxe Interventionen: Steuerungssysteme entlarven, so dass ihre Modelle ins Leere laufen. Systeme mit Daten zuscheißen, so dass am Ende falsche Muster rausspringen – also das Rauschen erhöhen. Mein eigenes Verhalten kann dafür sorgen, dass das System durch die Aufdeckung der dahinter stehenden Logik nicht mehr funktioniert. Mein Netzpartisanen Motto.

Übrigens: Ein bissiger Song gegen Theresa May ist in Großbritannien in die Charts vorgedrungen, BBC will ihn nicht spielen – Warmduscher.

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Autor: gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

1 Kommentar zu „Occupy ist toll, Google ist toll und Lizenzverkäufe an WalMart sind toll #Netzpartisanen“

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