Über die New-Age-Wir-verbessern-die-Welt-Fassade im #SiliconValley

trump-ideologie

Hinter der sektenhaften New-Age-Wir-verbessern-die-Welt-Fassade steckt doch sehr viel Sieger-Gequatsche und Aufgeblasenheit á la Trump.

Ein Großteil der Silicon-Valley-Gründergeneration besteht aus ziemlich unangenehmen Typen, schreibt der Journalist und Drehbuchautor Dan Lyons in seinem Opus „Von Nerds, Einhörnern und Disruption“.

„Frühere Hightech-Unternehmen wurden von Ingenieuren und MBAs gegründet, heutige von jungen, moralfreien Hütchenspielern, von der Art Jungs (und es sind fast alles junge Männer), die sich im Kino ‚The Social Network‘ angesehen haben, in dem Mark Zuckerberg als diebischer, heimtückischer Lügner dargestellt wird, und die danach genauso werden wollen wie er. Viele haben gerade erst das College abgeschlossen – oder sich nicht einmal die Mühe gemacht, es abzuschließen.“

In ihren Unternehmen gehe es zu wie im Hauptquartier einer Studentenvereinigung. Twitter habe wirklich einmal eine Betriebsfeier mit dem Thema Fraternity (Studentenverbindung) gegeben.

Frauen begrapschen und Wasserpfeifen mit Bier befüllen

„Seit 2012 gibt es im Silicon-Valley-Wörterbuch den Begriff brogrammer – ein Programmierer vom Typ bro, ein jugendlicher Macho, der seine Wasserpfeife mit Bier füllt und Frauen begrapscht. Bald kommen die unvermeidlichen Skandale und Prozesse, die Geschichten über schleimige Gründer, die weibliche Angestellte belästigen oder, in einem extremen Fall, ihre Freundin zusammenschlagen. Solche Leute stehen an der Spitze der neuen Generation Hightech-Unternehmen, solchen Leuten vertrauen viele Menschen sehr viel Geld an. Man möchte sich ja gerne vormachen, dass die Zeche, wenn diese Blase platzt, von den Risikokapitalgebern der Sand Hill Road in Menlo Park gezahlt wird, aber ein Großteil des Geldes, das man diesen Kids jetzt nachwirft, stammt aus Pensionsfonds“, warnt der frühere Newsweek-Technologieredakteur.

Die Zeche werden sehr viel mehr Leute zahlen müssen als nur ein paar Berufsinvestoren, die Risiken gewohnt seien.

Gierige Investoren und unmoralische Gründer

„Wenn ich mich in San Francisco umsehe, fürchte ich, dass das alles nicht gut gehen kann. Diese Kombination aus Wunschdenken, billigem Geld, gierigen Investoren und unmoralischen Gründern ist das Rezept für eine Katastrophe“, so Lyons.

Gute Gründe, um auch den netzökonomischen Diskurs mit normativer Brille zu führen. Fernab von den Hurra-Meldungen über neue Gadgets, Apps und Plattformen.

Das Silicon Valley ist ethisch betrachtet kaum hübscher als die Wall Street, mit deren Milliarden aus dem Derivatenhandel es reich geworden ist, bemerkt Zeit-Autor Alard von Kittlitz. Wenn es nicht sogar noch unangenehmer sei, wegen seiner grell geschminkten Bubblegum-Hippie-Fassade. Ausführlich nachzulesen in meiner Netzpiloten-Kolumne.

Gute Frage: Was, wenn er doch Erfolg hat?

Würde mich nicht überraschen: Wegen Trump? Tesla storniert deutsche Zulieferteile

Advertisements

Ein gutes Leben: Zoni Weisz erzählt seine Biografie Hörbuch Verbrecher Verlag

literaturleuchtet

dscn1635

„Man muss darüber reden“

Der 1937 in Den Haag geborene Zoni Weisz entstammt einer Sinti-Familie aus den Niederlanden. Der größte Teil seiner Familie wurde während des Holocaust ermordet. Er überlebte aufgrund glücklicher Umstände.

Zoni Weisz erzählt für dieses Hörbuch von seinem „guten Leben“, von seiner Familie und von der großen Sinti-Gemeinschaft in den Niederlanden. In Sinti-Familien wird nichts schriftlich dargelegt, aber weitererzählt von Generation zu Generation – Geschichten erzählen abends am Lagerfeuer als Kunst und zur Bewahrung der eigenen Kultur – und so tut er das hier auch für uns.

„Und es fängt immer klein an. Mit Mitlaufen 1933 und diese Mitläufer werden dann Mittäter.“

Die Familie ist lange Zeit mit einem von Pferden gezogenen Wohnwagen unterwegs – eine wunderbare Kindheit, sagt Weisz. Doch dann beginnt 1942 auch die Verfolgung durch die Nazis in den Niederlanden. Sein Vater, ein Musiker und Instrumentenbauer, mietete schließlich einen Laden an, um nicht aufzufallen…

Ursprünglichen Post anzeigen 380 weitere Wörter

Digitalisierung und (Netz-)Ökonomie – Wohin führen unsere Denkansätze? #NEO17x

Qualität statt Quantität
Qualität statt Quantität

Im Gefolge des Werturteilstreits Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich die Mehrheit der Ökonomen der Ansicht angeschlossen, die Wirtschaftswissenschaften hätten nicht über die Ziele des Wirtschaftens zu befinden, sondern dienten allein einer Aufklärung über den intelligentesten Gebrauch knapper Mittel, erläutert Professor Claus Dierksmeier vom Weltethos-Institut im ichsagmal.com-Interview.

Aber schon diese Reduktion ist ein Werturteil. Etwa die Anwendung des Ökonomismus auf alle Lebensbereiche, von Schule bis Medizin. Wir werden ausschließlich als Kunden betrachtet, als Objekt der Begierden. Man merkt es an der Unternehmenskommunikation, die darauf ausgelegt ist, uns mit weltweit führenden Wortblähungen zu verscheißern. Winfried Felser hat das in einem Beitrag über Content Marketing auf LinkedIn eindrucksvoll belegt.

Wir werden mit wohlklingenden Versprechungen umworben, also mit Angeberei und haltlosen Behauptungen. Und das führt zu einer fatalen Schieflage:

„In einer Gesellschaft, in der alle öffentlichen Räume von Botschaften überflutet werden, die im Konsumieren die Antwort auf alle Lebensfragen versprechen, hat es ein an Wahrhaftigkeit ausgerichteter Diskurs um das gute Leben schwer. Dies untergräbt die kulturellen Voraussetzungen moralischer und politischer Autonomie“, kritisiert Professor Claus Dierksmeier in seinem Opus „Qualitative Freiheit“.

In der Wirtschaftswissenschaft regiert eine scheinheilige Abstinenz bei Werturteilen und Zielen. Etwa bei der „Konsumentensouveränität“, die einfach die Egozentrik von Einzelentscheidungen aggregiert und sie in der Summe als Wohl der Allgemeinheit ausspuckt. Wie von Geisterhand. Eine mathematische Schimäre, die politischen Reformen im Weg steht. Wir beschränken uns auf eine abstrakt-quantitative wirtschaftliche Freiheit eines Konsumentenstaates auf Kosten von qualitativen Freiheiten einer realen Bürgergesellschaft.

Dierksmeier plädiert für einen qualitativen Liberalismus in Konfrontation mit oligarchischen und plutokratischen Strukturen. Pseudo-Liberale, die sich unter dem Deckmantel wirtschaftlicher Freiheiten ausbreiten, demontieren die Freiheit- und Bürgerrechte. Wer anderen vorschreibt, Freiheit sei allein quantitativ zu verstehen, also als Maximierung von Erträgen, Nutzen, Profiten und Einkommen, der verstößt selber gegen jene von Liberalen hochgehaltene Freiheit zur bürgerlichen Selbstbestimmung, betont Dierksmeier.

Man braucht sich nur die Kollateralschäden der Deregulierung anschauen, um die Werturteilsfreiheit, die in VWL-Lehrbüchern fast religiös gepredigt wird, werten zu können. Etwa beim Investment-Banking, beim Buchhaltungsrecht oder im Sicherheitssektor. Stichworte wie WorldCom-Pleite, Lehman-Untergang, Savings and Loans-Debakel, Enron-Arthur-Andersen-Skandal mögen da ausreichen. Wir könnten jetzt noch VW, Deutsche Bank, Thyssen, RWE und Co. hinzufügen. Es gibt kein Naturgesetz und keinen Automatismus in der Ökonomik, um für Wohlfahrt zu sorgen. Es sind qualitative Bedingungen, die auch ganz anders gestaltet werden können, meint der Astrophysiker und Naturphilosoph Harald Lesch in der Philosophie-Sendung von Richard David Precht.

Was kann man ändern jenseits der Erbsenzählerei, die sich in Algorithmen, ceteris paribus-Formeln und sonstigen von Menschen gemachten mathematischen Rechenexempeln verstecken?

Auch in Algorithmen verstecken sich Werturteile

Der Mensch ist viel mehr als die Summe von Daten, die die Wirklichkeit gewichten und somit manipulieren. Es gibt in der Ökonomik keine störungsfreie Laborsituation.

„Die Wirklichkeit wird durch qualitative Entscheidungen bestimmt“, sagt Lesch.

Mit den Methoden der Himmelsphysik, wo im luftleeren Raum alles funktioniert, kommen wir in der Gesellschaft nicht weiter. Jeder ist gefordert, seine Entscheidungen zu begründen und sich nicht hinter Formeln, Kennzahlen, Rankings, aufgeblähten Umsätzen und Renditen zu verstecken.

„Es muss grundsätzlich eine Änderung der Ökonomik herbei geführt werden, die nicht mehr von mechanistischen Paradigmen geprägt ist“, fordert Dierksmeier.

Es geht immer um Wertentscheidungen. Auch jeder ökonomische Formelkonstrukteur ist gefordert, seine Weltsicht zu erklären. Das gilt auch für jene, die auf Bühnen über die Notwendigkeit der Digitalisierung schwätzen, aber sich in Wirklichkeit hinter Begriffskaskaden verstecken. Die Keynote-Dauerredner sprechen von Digitaler Transformation, Digitalem Darwinismus (sozusagen die Donald Trump-Variante des Business-Darwinismus), Disruption oder Innovation, erläutern aber nicht, welche Programmatik dahinter steckt.

„Wenn wir wirklich eine inklusive, nachhaltige und verantwortliche Gesellschaft und Ökonomie wollen, müssen wir unsere Bilanzen und Logiken ändern. Ich halte das für fundamental. Was sind die grundlegenden Paradigmen und Theorien der Ökonomie. Die sind implizit normativ. Am Ende ist Digitalisierung kein Selbstzweck. Es gibt auch keinen Determinismus (Anschauung, dass alle Ereignisse im Voraus festgelegt sind und es keinen freien Willen gibt, gs). Wir haben gestalterische Freiheiten. Wohin führen unsere Denkansätze“, fragt sich Winfried Felser in der netzökonomischen Ideenrunde vor gut einer Woche.

Wenn wir dazu keine Antworten geben, wird sich das digitale Geschwätz und der technokratische Diskurs in der Ökonomik nicht ändern. Ein Thema, das wir in diesem Jahr beim Netzökonomie-Campus aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersuchen werden.

Wo der Trump-Darwinismus (das hat Charles Darwin übrigens nicht verdient) im Digitalen hinführt, belegt diese Personalentscheidung: Neuer FCC-Chef will Netzneutralität wieder abschaffen

Welche Ideen habt Ihr für die Netzökonomie-Diskurse in diesem Jahr?

Abstimmen für die #StorydesMonats: Von Twitter-Collagen bis zur Kunst gegen populistische Vereinfacher

Abstimmen und weitersagen

journalist.de

abstimmenstorydesmonats

So. Bis zum 20. Januar konnten Nominierungen eingereicht werden für die #StorydesMonats. Die Bandbreite ist groß. Folgende Beiträge stehen zur Auswahl:

„Augmented EARality“, Amazon Echo, Google Home und Social Media für die Ohren.Bei den Social Media-Trends, die Jörgen Camrath eingesammelt hat, kann man ein paar handfeste Aussagen ablesen, die vor allem die Arbeitswelt der Medien beschäftigt werden.

„Keine staatliche Zensur von Fake News“: Wollen wir wirklich eine staatliche „Abwehrzentrale gegen Desinformation“? Netz-Aktivist Markus Beckedahl – Gründer und Chef von netzpolitik.org – ist strikt dagegen – aus guten Gründen. dbate.de-Interview über Orwellsche Zustände – und die richtige Abwehr von Fake News.

Netzwerkinitiative #Schmalbart gegen populistische Vereinfacher

„DIE HEXE. SIE IST SCHULD. AN ALLEM“. Bildender Künstler Edgar Piel über die Scheinheiligkeit rechtspopulistischer Publizistik.

4,5 Millionen Zettel über Sitten und Gebräuche – Ein Bonner Schatz, den man digitalisieren sollte Was in der Bundesstadt lagert, sind die Relikte…

Ursprünglichen Post anzeigen 220 weitere Wörter