Gründertätigkeit bleibt auch 2016 rückläufig – Es fehlt an digitaler Kompetenz


Mehr Lehrstühle für Unternehmensgründungen vonnöten
Mehr Lehrstühle für Unternehmensgründungen vonnöten

Die Zahl der Existenzgründer ist 2015 um satte 17 Prozent auf 763.000 gefallen. Ein Schwund von 152.000 im Vergleich zum Vorjahr. Das ergeben die Zahlen des aktuellen KfW-Gründungsmonitors.

Durch die anhaltende Stärke des Arbeitsmarkts ist die Zahl an „Notgründern“ überproportional zurückgegangen. Sie fiel um 81.000 (-28 Prozent) auf 207.000 Personen. Da sich Notgründer stärker im Vollerwerb selbstständig machen, schlägt sich ihr Wegfall maßgeblich in der Zahl der Vollerwerbsgründer nieder. Sie fällt auf ihren bisherigen Tiefpunkt von 284.000 Personen.

So genannte „Chancengründer“ können sich der Entwicklung zwar nicht entziehen, ihr Rückgang auf 377.000 (-15 Prozent) ist weniger stark. Die Zahl innovativer Gründer steigt auf 95.000 (+6 Prozent) leicht an. Immerhin ein kleiner Lichtblick. Mit 160.000 Personen entfällt ein Fünftel der Gründungstätigkeit auf „Digitale Gründer“.

In den Prognosen der KfW ist keine Trendumkehr zu erkennen. So weist die Planerquote auf einen weiteren Rückgang für 2016 hin. Der Anteil der Personen, die ernsthaft darüber nachdenken zu gründen, ging 2015 abermals zurück. Weil der Planungsprozess von Idee bis Umsetzung häufig mehrere Monate dauert, ist dieser Rückgang ein Indikator für die Entwicklung der Gründerquote 2016.

Besonders prekär sieht es nach Auffassung von Alexander Görlach auf dem Medienmarkt aus, was ich aus erster Hand bestätigen kann. Investments in Medien-Startups in Deutschland sind mausetot.

„Es gibt wenig Begeisterung für Medien und wenig Begeisterung für Formate. Vor allem nicht, wenn es um neue Ideen geht. Sicherlich gibt es die innerhalb der verschiedenen Redaktionen, aber es gibt keine übergeordnete unternehmerische Lust oder Freude an dem Thema“, so Görlach im Interview mit Gründerszene.

In den USA sei man im Datenjournalismus weiter, außerdem in Sachen Videocontent und Mobile-Technologien. Das US-Onlinemagazin Mic habe zum Beispiel in wenigen Jahren 30 Millionen US-Dollar eingesammelt und heute über 100 Mitarbeiter. Und das alles mit einem einzeiligen Pitch – nämlich, dass Millennials Inhalte anders konsumieren, über Snapchat und Livevideos.

„Die Darreichungsform ist dort schon Teil der journalistischen Praxis. In Deutschland könnte man solche Summen nicht einsammeln. Auch keine drei Millionen“, meint Görlach, der mittlerweile bei The European ausgestiegen ist und vorerst keine weiteren Mediengründungen in Deutschland plant.

Das kann ich gut nachvollziehen. Mit spontanen, direkten und frechen Medienformaten ist hierzulande kein Blumentopf zu gewinnen – das sind zumindest meine Erfahrungen in den vergangenen vier Jahren.

Was generell fehlt, sind Kompetenzen für ein digitales Made in Germany.  Das liegt an der Qualifikation der Manager und an der Ausbildung des Nachwuchses, wie Tobias Kollmann im Vorwort seines Lehrbuchs „E-Entrepreneurship“ konstatiert. Sein Werk, das auf 716 Seiten Grundlagen für die Unternehmensgründung und die Finanzierung von jungen Unternehmen in der digitalen Wirtschaft vermittelt, ist aktueller denn je.

Anregungen gibt es auch von Thomas Sattelberger. Schulen und Hochschulen müssen Orte der Kreativität sowie Kreation sein und keine Turbo-Pauk-Anstalten. Zudem braucht man mehr Lehrstühle für Netzökonomie (das fordere ich) und Unternehmensgründungen.

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Autor: gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

1 Kommentar zu „Gründertätigkeit bleibt auch 2016 rückläufig – Es fehlt an digitaler Kompetenz“

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