Vermerk „Tretminen“: Was wusste Industrie-Siggi von der Löschaktion seines Ministeriums?


Papis Auto: Da war die VW-Welt noch in Ordnung

Papis Auto: Da war die VW-Welt noch in Ordnung

Dem Bundesumweltministerium lagen nach SPIEGEL-Informationen schon 2008 Hinweise vor, wie Autohersteller bei Abgastests tricksen. Doch entsprechende Passagen wurden in einem internen Papier mit dem Vermerk „Tretminen“ versehen – und gelöscht.

Demnach haben Beamte des Umweltministeriums Hinweise auf eine Manipulationsstrategie bei Herstellern von Dieselfahrzeugen gelöscht.

„Die Ministerialbediensteten strichen dabei Passagen aus einem Konzept für ein neues Überwachungssystem von Fahrzeugen, das Mitarbeiter des Umweltbundesamts (UBA) erstellt hatten“, so der Spiegel.

Wer war 2008 Bundesumweltminister? SPD-Chef Sigmar Gabriel. Da passt ja dann alles zusammen:

Industrie-Fan, ehemaliger Ministerpräsident von Niedersachsen und im Jahr 2008 Chef des Umweltressorts.

In dieser Konstellation kann sich VW wohl alles erlauben – siehe auch das Sommerinterview mit Thomas Sattelberger:

Wer sich die jüngsten Kommunikationsdesaster von VW anschaut, erkennt schnell, wie entrückt Wolfsburg von der realen Welt ist. Es ist der anmaßende Glaube, dass nichts schief gehen kann. Das war nach Meinung von Sattelberger auch lange Zeit so:

„Der Lopez-Skandal ging durch, der Skandal mit dem bezahlten niedersächsischen SPD-Bundestagsabgeordneten ging durch, die 13.000 Euro von Kanzler Schröder für den Wiener Opernball gingen durch, die Brasilien-Exkursion von Peter Hartz ging durch. Piech wurde dadurch nicht beschädigt. Der Druck auf Kunden und Partner, den VfL Wolfsburg zu sponsern, ging durch. Das ist ein System der Omnipotenz.“

Wer sich die Aufsichtsräte wie bei VW näher anschaut, weiß, warum es keine richtige Aufsicht gibt.

„Da sitzen die Familienmitglieder Piech und Porsche, da sitzen zwei ruhige Vertreter aus Katar, da sitzt eine Bankerin aus der befreundeten Wallenberg-Familie, das Land Niedersachsen und die wohlgestimmte Arbeitnehmerseite. Wir alle wissen, was da passiert. Das ist eine Konstruktion, um als Arbeitsbeschäftigungsmaschine für Niedersachsen zu dienen“, führt Sattelberger aus.

Von wirklicher Kontrolle könne da nicht gesprochen werden. Mit der Löschaktion des Umweltministeriums kommt noch ein weiterer Flankenschutz für die Machtstatik in Wolfsburg hinzu.

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Über gsohn

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Eine Antwort zu Vermerk „Tretminen“: Was wusste Industrie-Siggi von der Löschaktion seines Ministeriums?

  1. gsohn schreibt:

    Hat dies auf http://www.ne-na.me rebloggt.

    Gefällt mir

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