Enteignung der Arbeitswelt durch voreingestellte Formatierungen #AufstandderKreativen

BĂŒrokraten-Regime
BĂŒrokraten-Regime

Auf Facebook gab es ja eine erregte Debatte ĂŒber das Benchmark-Best-Practice-Business-Plan-Gemurmel der Berater.

Im Video geht das nicht so ganz auf 😉

Es wĂ€re wohl besser, wenn man als Unternehmer oder Top-Manager einfach genau das Gegenteil macht. Chaotisieren und neue Sichtachsen legen, wie es Professor GĂŒnter Faltin demonstriert.

Nicht das Konventionelle in GeschÀftsplÀnen trÀgt, da 70 Prozent dieser Planungen sowieso falsch sind.

„Heute, in einer postindustriellen Gesellschaft, ist der Entrepreneur dem KĂŒnstler viel verwandter.“

Faltin vergleicht das mit dem Wirken von Cosimo de’ Medici in der Renaissance. Er war Kunstkenner und ökonomisch in der Ära der Medici der Erfolgreichste in seiner Familie. Er hat die entscheidenden Innovationen durchgesetzt. Nur mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen wĂ€re das nicht möglich gewesen.

So sieht das auch Professor Rupert Hasenzagl, der dem klassischen Management-Geblubber ein vernichtendes Zeugnis ausstellt:

„Wir bedienen uns derzeit eines toxischen Systems und fahren mit 300 Stundenkilometer gegen die Wand.“

Statt mit der KomplexitĂ€t zu spielen, erhöht man die Dosis an Macht und BĂŒrokratie in Organisationen. In solchen Formationen blĂŒht die RationalitĂ€tsfantasie. FĂŒhrungskrĂ€fte verschanzen sich hinter Controlling-Kennzahlen, ErbsenzĂ€hler-Monitoring-Systemen, ISO-Normen, Zertifikaten, Testaten und sonstigen Hilfsmitteln der PlanungsglĂ€ubigkeit.

Der britische Soziologe Michael Power vertritt die These, wir lebten in Audit-Gesellschaften, in denen immer mehr beobachtet und immer weniger gehandelt wird. Sozusagen eine Evaluations- und BuchfĂŒhrungs-Diktatur. Nachzulesen in dem Ă€ußerst bemerkenswerten Opus „Leben im BĂŒro“ von Christoph Bartmann – erschienen im Hanser Verlag. Der Autor erkennt im „modernen“ Management von Staat und Wirtschaft eine Tendenz zu einer neureligiösen „FĂ€higkeitsmystik“. Die Adepten dieser Wunder-Ideologie schwallen in endlosen Monologen von perfekter Prozessoptimierung und QualitĂ€tssicherungsmaßnahmen und ernĂ€hren ganze Heerscharen von Beratern, die Inspektionen, Audits, Testate, Analysen, Klassifikationen und Zertifikationen wie warme Semmeln verkaufen.

Im sogenannten New Public Management gedeiht eine Neo-BĂŒrokratie, die den BĂŒrokratieabbau mit neuer BĂŒrokratie ĂŒbersĂ€t.

„Der flĂ€chendeckende Einsatz von NPM lĂ€sst eine Audit-Gesellschaft entstehen, in der die Rechenschaftslegung und Evaluation von TĂ€tigkeiten einen solchen Umfang annimmt, dass die TĂ€tigkeiten selbst von dem Zwang zur Berichterstattung und dem Aufwand der Evaluation deformiert und ĂŒberfrachtet werden und so ihren ursprĂŒnglichen Sinn und Zweck verlieren“, schreibt Richard MĂŒnch in seinem Buch „Globale Eliten, lokale AutoritĂ€ten: Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co.“

Gegen die Enteignung unserer Arbeitswelt durch voreingestellte Formatierungen, Formulare, Instrumente, Werkzeuge und sonstige subtile, als Erleichterung getarnte Regenten hilft allein Kritik, so der Rat von Christoph Bartmann. Das ist zu wenig. Wir brauchen einen #AufstandderKreativen und eine #DigitaleAPO.

Mehr dazu am 8. August, um 16 Uhr im Live-Hangout.

Siehe: Business Cases zerstören das, was sie eigentlich nachweisen sollen


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2 Gedanken zu “Enteignung der Arbeitswelt durch voreingestellte Formatierungen #AufstandderKreativen

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