Über Krawatten, virtuelle Dialogfähigkeiten und Medienkompetenz in Unternehmen


Doppel-Livestream von Siemens mit Periscope und Facebook Live
Doppel-Livestream von Siemens mit Periscope und Facebook Live

Zum Digital Leadership Summit in Köln habe ich für den IPA Institutsbrief von Ursula Vranken ein paar Zeilen geschrieben: Es geht vor allem um die Kompetenz von Führungskräften im Umgang mit digitalen Medien:

Zwei Drittel unserer Arbeitszeit bestehen aus Kommunikation – Gespräche mit Kollegen, Telefonate, Sitzungen, E-Mails, Facebook, Twitter & Co. und auch immer stärker Videokonferenzen. Führungskräfte müssen auf den verschiedenen Plattformen souverän kommunizieren können und Meetings on- und offline moderieren. Führungsarbeit ist Kommunikation und die sollte technisch, organisatorisch und didaktisch professionalisiert werden. Dr. Josephine Hofmann vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) erwartet von Managern vor allem ein Verständnis für visuelle Medien und beklagt, dass die bisherige Ausbildung der Kommunikationskompetenz von Führungskräften nicht ausreicht oder gar nicht vorhanden ist.

Kein Wunder also, dass die Kommunikation mit Diensten wie Hangout on Air in deutschen Chefetagen noch nicht angekommen ist. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff „Hangout“? Hangouts sind Videoübertragungen die via Computer oder Smartphone stattfinden. Es können Live-Diskussionen und Live-Events veranstaltet sowie weltweit gesendet werden.

(Nicht nur) Hangouts stellen für die Kommunikation mit global verstreuten Mitarbeitern eine optimale und einfache Möglichkeit dar, um in Echtzeit miteinander in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Die Videos sind schnell verfügbar und können direkt als Aufzeichnung via YouTube abgerufen werden. Kein aufwendiges Schneiden, keine Ladezeiten – die perfekte Verschmelzung von synchroner und asynchroner Kommunikation und das zu geringen Kosten.

Ebenso lassen Livestreaming-Dienste eine direkte Kommunikation von Fans und Kunden mit Unternehmen zu. Das ermöglicht einen Dialog auf Augenhöhe um direktes Feedback vom Markt und vom Endkunden einzuholen und anhand dessen Produkte oder Services direkt zu verbessern.

Bislang wird dieses Potenzial leider noch viel zu wenig genutzt und eine lebendige Dialogkultur bleibt dabei auf der Strecke. Doch das muss sich bald ändern – Mitarbeiter und Kunden rufen danach! Soweit der Text für den Institutsbrief, den ich redaktionell ein wenig verändert habe.

Siemens hat jetzt mal einen Versuch mit einem Doppel-Livestream über Facebook Live und Periscope gewagt, dabei aber auf die Logik dieser Dienste nicht geachtet.

Live-Übertragungen, die über Twitter und Facebook direkte Reaktionen der Follower und Friends bewirken, müssen anders organisiert werden als relative statische Formate. Dazu zähle ich Podiumsdiskussionen, Einzelvorträge oder reine Aufsager, um auf irgendetwas aufmerksam zu machen. Bei Facebook Live und Periscope geht es in erster Linie um den direkten Dialog mit der Community.

„Livestreaming lebt zuallererst von der Interaktion mit dem Zuschauer. Also sollte ich Formate anbieten, die dies ermöglichen“, kommentiert Sybille Hubig zu meinem Beitrag „Livestreaming in der Unternehmenskommunikation“.

Man könne Interviews führen, wie es Siemens getan hat. Der Moderator oder ein Co-Moderator hinter der Kamera muss allerdings auf die Fragen der Zuschauer eingehen. Im Vorfeld kann so ein Livestreaming-Termin auch angekündigt werden mit dem Aufruf, Fragen im Vorfeld zu stellen, wie es der tunesische Technologieminister im Bürgerdialog erfolgreich praktiziert.

Dann wird das kuratiert und über die Moderation eingebaut. Dennoch den Ratschlag von Facebook beachten, wenn während der Übertragung Kommentare eingehen: Am besten noch während der Sendung darauf reagieren – und die Kommentatoren mit Namen ansprechen. Daniel Fiene hat deutlich gemacht, dass das auch für den Journalismus gilt:

„Echtzeit und Empathie sind zurzeit ganz wichtige Treiber im Journalismus.“

Läuft das Interview wie bei Siemens ab, kann man auf den Einsatz der Livestreaming-Dienste verzichten – da reicht eine Aufzeichnung. Dann ist man allerdings wieder in der klassischen Einwegkommunikation gefangen und sollte sich überlegen, ob so etwas im Social Web veröffentlich werden sollte. Dann baut man sich allerdings auch keine Netzwerk-Kompetenz in der Unternehmenskommunikation auf, die Harald Schirmer von Continental im IPA-Institutsbrief thematisiert hat. Siehe dazu auch meine Netzpiloten-Kolumne: Zufallsgenerator fürs digitale Management.

Die Krawattenfrage am Beginn des Siemens-Interviews könnt Ihr Euch in meinem Mashup-Livestream anschauen 🙂

Man hört, sieht und streamt sich wieder am Donnerstag um 10 Uhr – in der Meistermacher Morningshow.

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Autor: gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

1 Kommentar zu „Über Krawatten, virtuelle Dialogfähigkeiten und Medienkompetenz in Unternehmen“

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