Jogi Löw: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“ #em2016 #MM


Jogi liebt Pläne
Jogi liebt Pläne

Welcher Plan von Jogi Löw im EM-Spiel gegen Polen geschmiedet wird, bleibt sicherlich bis zum Abpfiff das Geheimnis des Weltmeister-Trainers. Meistens wird der magische Glaube muss an Plänen durch Beschwörungen, Zeremonien, Mythen und Legenden des Erfolgs gefestigt werden, schreibt der Organisationstheoretiker Professor Günther Ortmann in seinem Opus „Kunst des Entscheidens“ (Verlag Velbrück Wissenschaft).

Man klopft erzählt sich nette Geschichten über die Vernunft vergangener Entscheidungen – in Wahrheit sind es billige Ex-post-Prognosen nach dem Motto: „Das musste ja so kommen.“ Egal, in welcher Verpackung solche Mythen daherkommen. Zur EM ist es sicherlich die „Packing-Analyse“, die im Nachgang eines Spiel dokumentiert, wie viele gegnerische Spieler überspielt wurden. Wichtig dabei vor allem die überspielten Verteidiger.

Der Wissenschaftler Karl Weick hat für diese Schein-Rationalitäten eine hübsche Allegorie auf Lager: So erzählt er vom Militärmanöver einer ungarischen Aufklärungseinheit in den Schweizer Alpen. Zwei Tage galten die Soldaten als verschollen, aber am dritten Tag kehrten sie unversehrt zurück. Wie war das möglich?

„Wir waren eingeschneit und hatten uns schon aufgegeben, aber dann fand einer von uns eine Karte in seiner Tasche, und wir beruhigten uns. Wir schlugen ein Lager auf, überstanden den Schneesturm und fanden mit Hilfe der Karte den Rückweg.“

Der Vorgesetzte ließ sich das bemerkenswerte Dokument zeigen und war überrascht: Auf der Karte waren nicht die Alpen verzeichnet, sondern die Pyrenäen. Entscheidend war also nicht der Plan, sondern das situative Handeln. Viele Führungskräfte verlassen sich nach Auffassung von Ortmann auf das Falsche, den Plan, verbringen, gestützt auf diesen Irrtum, noch mehr Zeit mit Planung und weniger mit Handeln, und sind am Ende sehr erstaunt, wenn mehr Planung nichts besser macht.

Besonders erfindungsreich sind die Controlling-Geister bei der Schönfärberei mit Kennzahlen:

„Erst untertreibt man, was erreicht werden kann/soll, dann übertreibt man, was erreicht worden ist“, so Ortmann.

Der Harvard-Ökonom Michael Jensen nennt diese Art der Erbsenzählerei auch „Paying people to lie“. Führungskräfte mit falschen Karten, vieldeutigen Plänen, Kalenderweisheiten und leeren Strategiekonzepten erinnern Ortmann an den vielzitierten nackten Kaiser und seine neuen Kleider. Es geht um das Management von Symbolen mit Placebo-Wirkung.

Statt die Zeit mit Strategien und Plänen zu verschwenden, sollten sich Organisationen als Beobachter des Zufalls bewähren. Gelegenheiten erkennen, statt einer Schimäre der rationalen Entscheidung hinterherzulaufen. Wir sollten die Pläne von Jogi Löw und Packing-Systeme nicht überwerten, sondern in der geübten lockeren Art und Weise der Meistermacher Morningshow unter die Lupe nehmen.

Um 9:45 Uhr im EM-Studio in Bonn-Duisdorf mit dem Studiogast Guido Bosbach, der nach seinen Ausflügen in die Planungswelt des Bundestrainers an der Torwand seine Fußball-Kompetenz unter Beweis stellen muss.

Man hört, sieht und streamt sich bis zum EM-Finale in der Meistermacher Morningshow. Um 9 Uhr via Facebook Live, danach dann via Hangout on Air.

Erhellend: DIE PANINI-SEITE DER HOLLÄNDISCHEN MANNSCHAFT.

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