Wenn jeder Mitarbeiter Botschafter seines Unternehmens wird – ohne Freigabebürokratie #vdav


Livestreaming-Marathon beim vdav Branchentreff in Berlin
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Synaxon-Vorstand Frank Roebers setzt in seinem Unternehmen auf radikale Selbstorganisation nach Wiki-Prinzipien.

„Ich wollte das Unternehmen wie ein Open Source-Projekt führen.“

Dazu zählt auch der Einsatz von Liquid Feedback. Jeder Mitarbeiter ist berechtigt, eine Initiative zu starten und wenn ein Quorum von zehn Prozent der Belegschaft erreicht ist, startet die Diskussion. Wie bei den Piraten folgt vor der Abstimmung eine Phase des Einfrierens, in der keine Änderungen mehr möglich sind. Nehmen an der Abstimmung mindestens fünfzig Prozent der in der Themengruppe registrierten Mitarbeiter teil und erhält die Initiative am Ende eine einfache Mehrheit, steht der Vorstand in der Pflicht, sie umzusetzen. Ein Vetorecht will der Vorstand nur in Ausnahmefällen anwenden. Das ist bislang nur ein einziges Mal passiert. Ergebnis: Themen werden nicht nur schnell aufgespürt, sondern auch mit der versammelten Intelligenz des Unternehmens bearbeitet.

Externe Kommunikation ohne Freigabe-Bürokratie

Gleiches vollzieht sich extern. Jeder darf im Namen des Unternehmens posten, wo immer er will und das ohne Freigabeschleifen oder umständliche Autorisierungsabläufe. Die Beiträge sind um das zweihundertfache gestiegen, ohne Synaxon in irgendeiner Weise zu schädigen.

„Dass wir nur noch Top-Bewerber bekommen, dürfte niemanden überraschen.“

Bei Synaxon geht es nicht um eine immerwährende Vollversammlung oder basisdemokratische Romantik, die zu einer Lähmung von Entscheidungsprozessen führt. Es geht eher darum, Themen schneller aufkommen zu lassen, Inhalte schneller zu finden und Daten leichter aktuell zu halten.

Offiziere teilen die Entbehrungen der Truppe und formulieren kühne Entschlüsse

Verzicht auf Hierarchie ist damit nicht verbunden. So gilt bei Synaxon die Führungskultur der Bundeswehr. Die Offiziere teilen die Entbehrungen ihrer Truppe. Führung als Handwerk zählt nach Auffassung von Roebers nicht zu den Stärken der klassischen Manager. Daher werden sie nach den Vorschriften des Heeres geschult. Lagevortrag zur Entscheidung oder Lagevortrag zur Unterrichtung sind daher beim IT-Dienstleister Synaxon gängige Formulierungen des Berufsalltags.

„Das ist ganz lustig und führt dann zu Einleitungen wie ‚Ich trage jetzt einen kühnen Entschluss vor‘.“

Damit vermeidet sein Unternehmen die Paralyse der Piratenpartei. Das Notiz-Amt hält das für nachahmenswert.

Ausführlich nachzulesen unter: Zum Verbessern von Unternehmen: Liquid Feedback mit Heeresvorschriften

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Autor: gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

1 Kommentar zu „Wenn jeder Mitarbeiter Botschafter seines Unternehmens wird – ohne Freigabebürokratie #vdav“

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