Anleitung für asepetisches Livestreaming – auch bei Facebook


Ich hab es wieder getan
Ich hab es wieder getan

In einer Google Plus-Community gab es zerknirschte Warnmeldungen für die Livestreaming-Szene, die mich in Erklärungsnöte versetzte. Bei vielen Videoübertragungen läuft wohl einiges aus dem Ruder, so dass der eine oder andere Operator nur noch mit den geschnittenen – also bereinigten – Versionen ruhig schlafen kann. Deshalb gab es freundliche Ermahnungen, was es künftig beim Livestreaming nicht mehr geben darf. An erster Stelle steht, wie kann es anders sein, ein R A U C H V E R B O T. Ein wichtiger Einwurf: Man darf das Problem des virtuellen Passivrauchens nicht klein reden.

Schön, dass so viele wohlmeinende Pädagogen in dieser Community therapeutische Empfehlungen gegen rauchende Lebenskrisen vermittelten:

„Ich denke, keiner verbietet das Rauchen an sich, du könntest im Hangout zum Beispiel auch einfach die Kamera ausmachen, eine Raucherpause machen und danach wieder mit Kamerabild mitmachen…”

Was machen wir nun aber mit den vielen Videos auf Youtube, bei denen man vor lauter nikotingetränkter Nebelschwaden kaum die Gesprächsteilnehmer erkennen kann, wie etwa beim Internationalen Frühschoppen von Werner Höfer oder den Talkshows in den 70er Jahren?

Man könnte diese Filme ex post verpixeln, löschen, Warnschilder einblenden oder zumindest den Yps-Balken nachträglich installieren via Mashup-Video-Neuproduktion. Wie gehen wir mit den alten Sherlock Holmes-Filmen um, mit einem bekennenden Drogenabhängigen als Hauptperson? Wie können wir den kettenrauchenden Lucky Luke aus den Comics verbannen? Was machen wir mit dem Lehrer Lämpel bei Max und Moritz? Oder der trunksüchtigen Großmutter, die ihr Enkelkind mit dem roten Käppchen für Rotwein-Nachschub instrumentalisiert?

Das alles muss beim Livestreaming endlich ein Ende haben.

Deshalb schlage ich folgende Verbotsliste vor, um endlich moralisch vollkommene Sendungen hinzubekommen:

Nicht mehr toleriert werden, Stinkefüße und übel riechende Socken (hygienische Zumutung);

leise Fürze – gemeint sind rückwärtige Ausdünstungen durch eine verschämte Gesäßanhebung – im Volksmund auch „einen fahren lassen” genannt (gravierende Emissionswirkung von Methan mit nicht kalkulierbaren Folgen für die Erderwärmung);

öffentlicher Livestreaming-Konsum von Mettbröttchen oder noch schlimmer von Mettigeln (Provokation für Vegetarier und Veganer sowie seelische Grausamkeit gegenüber Netzmenschen, die mit ihren Bloggerbäuchen hadern);

Livesendungen mit süß anmutenden Winkekatzen – die via Twitter mit dem Hashtag #katzenlivestream verbreitet werden;

noch ablehnungswürdiger sind jene Web-Zeitgenossen, die einen Blogbeitrag schreiben und dabei einen #katzenlivestream mit einer fetten und winkenden Glückskatze live übertragen (Tierquälerei und Propagierung von sinnlosem Glücks–Aberglauben, der uns in Glücks-Themenwochen der ARD um die Ohren gehauen wird);

Husten ins Mikrofon (Virenschleuder mit Pandemiepotenzial).

Diese Liste ist aus dem Geiste für aseptisch unbedenkliches Livestreaming geboren. Sie ist mit Sicherheit völlig lückenhaft und unvollkommen. Deshalb gibt es sicherlich noch andere Möglichkeiten bei der ganzheitlichen Suche nach dem heiligen Gral für das Arbeiten vor und hinter der Webcam, um uns in unserer Unvollständigkeit zu vervollständigen. Weitere Vorschläge hoch willkommen.

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6 Gedanken zu “Anleitung für asepetisches Livestreaming – auch bei Facebook

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