#DigitalesBonn braucht mehr Open Space-Kultur und weniger Honoratioren-Gremien


Netzökonomie-Campus im Kino ;-)
Netzökonomie-Campus im Kino 😉

Bonn ist Hidden Champion der Digitalisierung und genau das ist das Problem der beschaulichen Stadt am Rhein. Nach den Experteninterviews von empirica sei es ein Manko, dass “der IT-Standort Bonn nicht so auffällt”. In der Öffentlichkeit sind nur die Dax-Unternehmen im Fokus und nicht die vielen kleinen IT-Unternehmen.

Aber das ist nicht das einzige Problem, wie die Bonner Barcamp-Session zum Städte-Wettstreit belegt. Bonn fehlt im Vergleich zu Köln eine ausgeprägte digitale Lebenskultur.

Es fehlen Begegnungen der etablierten Protagonisten von Wirtschaft und Politik mit den Netzaktivisten, die meistens vom Establishment eher belächelt werden. Es gibt zu viele Honoratioren-Events, die auf Berieselung und Frontalbeschallung ausgerichtet sind. Da hilft dann auch kein weiter Digitalisierungsbeauftragter weiter, den PwC ins Spiel gebracht hat.

Fehlender Mut zu offenen Formaten

Es mangelt an der nötigen Offenheit, die Potenziale der digitalen Crowd zu heben, die man beispielsweise im Coworking Space Bonn in Poppelsdorf abrufen könnte. Der Netzexperte Guido Bosbach setzt sich intensiv damit auseinander, wie man offene Dialoge und Vernetzungen fördern kann.

Wie erzeugt man mehr Breite in den digitalen Debatten, einen Meinungsaustausch mit vielen Akteuren und nicht nur mit den so genannten Meinungsführern einer Stadt? Ein Hebel sieht er bei den Un-Konferenzen, also jenen Formaten, die nach Barcamp-Prinzipien ablaufen.

“Das sind Veranstaltungen, bei denen jeder mit jedem auf Augenhöhe über ‘sein Thema’ sprechen kann. Es gibt manchmal ein zentrales Thema, aber keinen vorher erarbeiteten Plan, wer wann welchen Impuls gibt. Lediglich Zeiten, also ‘Sessionslots’ werden festgelegt. In einer Vorstellungsrunde erklären freiwillige Sessiongeber, worüber sie sprechen möchten. Was nach einem purem Chaos klingt ist – sofern gut gemacht – ein perfekter Raum für Kreativität, Inspiration und Energie”, so Bosbach.

Gut organisierte Open Space-Plattformen seien wie eine perfekt arrangierte Choreographie bei der man mittendrin ist, statt nur dabei.

Generell wird die Etablierung einer digitalen Szene nicht gelingen, wenn man Nerds, Geeks, Hacker, Gamer und Blogger als belanglose Randerscheinungen betrachtet. Wie wollen Unternehmen, Behörden und Wissenschaftseinrichtungen coole Mitarbeiter mit Technologie-Kenntnissen anwerben, wenn sie selbst mit dem Rücken zum Netz stehen und gerade mal die Fernbedienung für Power Point-Präsentationen beherrschen? Da müssen auch die Hidden Champions der Digitalisierung in Bonn noch einiges ändern müssen, um weniger hidden rüberzukommen. Bürokratische Digitalisierungsbeauftragte werden da wenig bewirken. Ausführlich nachzulesen in meiner Netzpiloten-Kolumne.

Skeptisch sehe ich auch das so genannte Advisory Board, die das Projekt „Digitales Bonn“ vorantreiben sollen. Mitglieder sind Dr. Wolfgang Clement, Bundesminister und Ministerpräsident a.D.; Prof. Dr. Christof Ehrhart, Direktor Konzernkommunikation und Unternehmensverantwortung der Deutschen Post DHL;
Wolfgang Grießl, Präsident IHK Bonn/Rhein-Sieg; Prof. Dr. Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn; Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom; Prof. Dr. Hartmut Ihne, Präsident der Hochschule Bonn Rhein-Sieg, Ashok Sridharan; Oberbürgermeister der Stadt Bonn; Frank Strauß, Vorstandsvorsitzender Deutsche Postbank; Frank Thelen, Unternehmer; Prof. Dr. Stephan Wrobel, als Sprecher der drei Fraunhofer Institute in Sankt Augustin.

Stefan Saah forderte in der netzökonomischen Käsekuchenrunde mit Ralph Grundmann, Sascha Förster, Johannes Mirus und meiner Wenigkeit im Coworking Bonn mehr Impulse von den kleinen Unternehmen. Man sollte nicht auf die Konzerne warten, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen. Sehe ich ähnlich.

Warum hat das Advisory Board nicht netzöffentlich getagt? Werden die kommenden Sitzungen im Verbund mit der Bonner Bürgerschaft ablaufen? Oder werden am Ende wieder nur die fertigen Pläne in einer Pressekonferenz verkündet?

Wer auf offene Dialogformen setzt, wie bei der netzökonomischen Käsekuchen-Runde, bei der jeder mitmachen kann und nicht handverlesen eingeladen wird, treibt den Ideen-Motor für Projekte wie #DigitalesBonn an. Das konnte man an den Reaktionen auf unsere Diskussion im Coworking Bonn ablesen.

Siehe auch:

Wirtschaft und Stadtgesellschaft vernetzen #digitalesbonn

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Autor: gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

8 Kommentare zu „#DigitalesBonn braucht mehr Open Space-Kultur und weniger Honoratioren-Gremien“

  1. Unterstütze ich alles sehr. Ein sehr guter Beitrag! Mir fällt einzig auf, dass sich Honoratiorenrunde und die Käsekuchenrunde in einem nicht unterscheiden: es gibt keine Frauen.

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  2. Die Käsekuchen-Runde ist offen und wird über verschiedene Plattformen sowie über eine Facebook-Eventseite angekündigt. Es waren auch Frauen angemeldet, die dann nicht gekommen sind.

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  3. Danke für diese Einschätzung! Was mir doch ein bisschen fehlt, ist ein positiver Ausblick: Wie kann man dafür sorgen, dass diese Prozesse offener und partizipativer ablaufen?
    (Und ein ganz persönlicher Wunsch: Bitte macht doch noch einen Podcast aus dem ganzen, dass wäre für mich leichter zu konsumieren 😉

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  4. Lieber Christian, mit Formaten wie den Netzökonomie-Campus leben wir das ja schon vor in Bonn. Da machen wir auch weiter. Etwa mit der Next Economy Open am 1. und 2. Dezember im Uni-Club. Podcast? Mache ich gerne. Geht morgen online.

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