Gesegnetes Weihnachtsfest in Wismar?


Frohes Fest

Wie steht es mit der Nächstenliebe bei einigen Menschen in Wismar zum Weihnachtsfest? Unser syrischer Flüchtlingsjunge, den wir in Bonn aufnehmen wollen und der eine Basis für seine berufliche Qualifikation bekommen soll, lebt derzeitig noch in einem Heim in der angeblich so weltoffenen Hansestadt in Mecklenburg-Vorpommern. Da die Stimmung gegenüber Flüchtlingen in Wismar wohl nicht gerade sehr positiv ist, werde ich den Namen des Jungen hier nicht nennen.

Er ist von seinen Eltern getrennt und kann sie derzeitig nicht kontaktieren wegen der mangelhaften Stromversorgung in Syrien. Eine Reise nach Bonn zum Weihnachtsfest wurde ihm von den Behörden untersagt. Dennoch ist er dankbar für die Aufnahme in Deutschland und wollte diese Dankbarkeit heute in der Innenstadt von Wismar mit der Verteilung von Weihnachtskarten und Blumen demonstrieren, die er von seinem kleinen Taschengeld selbst finanzierte. Seine Botschaft an uns: Niemand wollte seine Geschenke entgegennehmen. Wir haben ihn wieder aufgebaut und ermuntert, nicht den Glauben an das Gute zu verlieren. Er ist ein so höflicher, gebildeter und zuvorkommender Junge. Wir sind fassungslos, wie ignorant und widerlich sich Menschen im ach so christlichen Abendland benehmen können.

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Über gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.
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5 Antworten zu Gesegnetes Weihnachtsfest in Wismar?

  1. cramerica schreibt:

    Hoffentlich kann der Junge schnell nach Bonn kommen. Ich schäme mich für mein Land wenn ich mir die beschriebene Situation in Wismar vorstelle. Ein bisschen mehr Demut täte den Menschen, gerade im Osten, sehr gut.

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  2. Göran Nitsche schreibt:

    Cramerica:

    Das ist keine Frage von Ost, West, Nord, Süd… Diesen pauschalen Spruch empfinde ich genauso beleidigend wie das geschilderte Verhalten in Wismar.

    Alltagsrassismus ist ein gesamtdeutsches, europäisches, ja globales Problem. Das ist des Pudels Kern. Und es fängt nicht erst bei Ausgrenzung von Ausländern an (egal ob Flüchtlinge, Migranten, die im Rahmen europäischer Freizügigkeit oder Touristen…) – es fängt schon an, wenn Ost gegen West, Nord gegen Süd, Groß gegen Klein, Arm gegen Reich usw. usf. gegeneinander ausgespielt werden.

    All das ignoriert das Wichtigste: Den Menschen.

    Und das ist absolut inakzeptabel, egal von wem und gegen wen sich alltagsrassistisches Verhalten richtet. Ich selbst denke oft genug: „Was ist denn das für ein komischer Vogel?“ – die Frage ist, was ich daraus mache:

    1. Mit dem komischen Vogel vorurteilsfrei ins Gespräch kommen?

    2. Gehe ich an dem komischen Vogel einfach vorbei und ignoriere ihn?

    3. Gehe ich den komischen Vogel vorurteilsbehaftet psychisch/kommunikativ an?

    4. Gehe ich den komischen Vogel gar physisch an?

    Möge jeder für sich selbst entscheiden, wie er/sie reagieren würde. Ich fürchte die allerwenigsten werden im Regelfall 1. überhaupt in Erwägung ziehen. Schon bei 2. fängt aber Ausgrenzung an, de facto erste Stufe zu rassistischen Verhaltensweisen. Und das ist, wie eingangs erwähnt vollkommen unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht, Wohlstand usw. usf.

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  3. Holger Bunk schreibt:

    Bitte lasst Euch nicht entmutigen.
    Es herrscht mal wieder ein Chaos in den Köpfen. Sehr Wenige haben angesichts von Gruppenzwang und Medienkampagnen Mut und Kapazität, einen eigenen, individuellen Standpunkt zu entwickeln und zu vertreten.
    Dabei wäre Anteilnahme und menschliche Begegnung als Ausgangspunkt leicht zu erreichen, wenn man sich klar macht, dass die Menschen, denen man begegnet, meist nichts unseren eigenen Frustrationen zu tun haben.

    Einfach erst mal freundlich auf Leute zu gehen.

    Es ist doch klar, dass jede und jeder nur nach seinen Möglichkeiten helfen kann. Niemand erwartet, dass man sich selbst überfordert.

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  4. gsohn schreibt:

    So ist es. Niemand wird überfordert, wenn ein junger Mann aus Syrien sich mit einer kleinen Geste für die Aufnahme in Deutschland bedanken möchte.

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