Die Ideenlosigkeit der Excel-Manager – Reporting Orgien bringen keine Innovationen #NEO15 @Staeudtner @editor_page @KlausMJan


Matchen - Moderieren - Managen zur Next Economy Open in Bonn

Matchen – Moderieren – Managen zur Next Economy Open in Bonn

Die vernetzte Wirtschaft braucht neue Managementmethoden, so das Credo des Netzökonomie-Campus in Bonn. Mit dem „Kosten-senken-und-Zeit-sparen-Mantra“ der deutschen Führungskräfte kann man keinen Blumentopf mehr gewinnen.

Die Technologie sei dabei nicht das Problem, es sei die systemimmanente Dummheit des Managements, die uns drosselt, so Buchautor Gunter Dueck im „HBM“-Interview (Januar-Special zum Thema „Leadership – Wie geht Führung im Zeitalter digitaler Transformation?“).

In den Führungsmethoden setzt man auf Konditionierung und nicht auf Partizipation sowie Offenheit. Die Wirtschaftswelt tut immer noch so, als seien Menschen und Märkte vollkommen rational und steuerbar sowie die Welt um uns herum vollkommen logisch, bestätigt Dueck:

„Die Ur-Annahmen über den Menschen als Stimulus-Response-Blackbox sind noch immer die Grundlage heutiger Management- und Incentive-Systeme.“

Statt auf die Potenziale ihrer Mitarbeiter zu setzen, verstecken sich die Excel-Führungskräfte hinter Berichtsorgien und Kennzahlen-Management.

„Der dauernde Druck und die ständigen Vorgaben zwingen die Leute dazu, sich den halben Tag Gedanken darüber zu machen, wie sie es schaffen, am ,Ende des Tages‘ – Lieblingsformulierung der Manager – gut dazustehen. Mit Strategieentwicklung, dem Fördern von Innovation und Kreativität oder Personalführung – den eigentlichen Kernaufgaben einer Führungskraft – hat das herzlich wenig gemein“, erläutert Dueck.

Eine Organisation im Optimierungswahn über bürokratische Prozesse fördert die kollektive Dummheit in Unternehmen. Exzellenz, Aufbruchstimmung und visionäres Denken lässt sich nicht verwalten „oder in Listen und Tabellen organisieren – und schon gar nicht aus Vergangenheitsdaten extrahieren“, moniert Dueck. Bestleistungen erzeugt man nicht mit Kontrollen, sondern mit Freude und Leidenschaft.

Das klassische Managementwerkzeug aus dem Industriezeitalter reicht für die Bewältigung der digitalen Transformation nicht aus, resümiert die Käsekuchen-Runde des Netzökonomie-Campus.

Der Autobauer Local Motors zeigt eindrucksvoll, wie man die netzökonomischen Hebel bedienen sollte. Die amerikanische Firma verfügt gerade mal über ein gutes Dutzend fest angestellter Fachleute, die in der Lage sind, ein Fahrwerk oder einen Antrieb zu entwickeln.

„Doch das Kernteam kann sich darauf verlassen, dass zu den Fahrzeugen, die Local Motors entwickelt, mehrere Tausend Experten ihr Wissen beisteuern. Nur arbeiten diese eben nicht in einer Werkshalle oder Büroetage, sondern im Netz. Eine Online-Community, die mehr als 36.000 Autofans und Fachleute rund um die Welt vernetzt, ist das Herzstück des Unternehmens“, so Willms Buhse.

Alle Baupläne sowie Entwürfe stehen im Netz und sind als CAD-Dateien einsehbar. Jeder darf die quelloffene Software nutzen und verbessern, wie man das sonst nur von Linux kennt.

„Mal steuern autobegeisterte Designer aus Rumänien, Brasilien oder Uganda Entwürfe für die Form eines Karosserieteils zu einem Fahrzeug bei, dann wieder lassen professionelle Fahrzeugentwickler aus Frankreich oder den USA in ihrer Freizeit ihr Wissen zur Konstruktion von Motorelementen in ein kollaboratives Entwicklungsprojekt einfließen. So kann Local Motors Fahrzeuge sehr viel schneller realisieren als ein klassischer Autobauer“, führt Buhse aus.

Bei Branchenriesen wie Daimler werde dagegen Besuchern aus Sorge vor Industriespionage sogar dann die Kamera am Smartphone mit Klebeband versiegelt, wenn man dort nur Konferenzräume besucht.

„Mithilfe des Internets können Menschen ihr Wissen teilen und mehren – und somit altgediente Hierarchien und Systeme ergänzen oder gar überwinden“, meint Buchautor Buhse.

Mit offenen und flüssigen Strukturen könnte man auch die Silicon-Valley-Größen wie Apple oder Google schlagen, die fast wie eine Sekte geführt und abgeschottet werden. Was Local Motors schafft, könnte auch deutschen Unternehmen gelingen.

„Während neue Serien und Modelle in der klassischen Autoindustrie eine Vorlaufzeit von fünf bis sieben Jahren haben, dauerte es beim Rally Fighter nur 18 Monate, bis aus der 2-D-Zeichnung und der Konzeptstudie ein Fahrzeug wurde, das ein Kunde abholen konnte. Doch damit nicht genug: Local Motors ist nicht nur schneller, sondern benötigt auch nur den Bruchteil des Kapitals eines klassischen Herstellers, um aus einer Konzeptstudie ein Fahrzeug zu machen. Lediglich 3,6 Millionen Dollar waren für die Entwicklung des Rally Fighters notwendig. Weil die Entwicklungs- und Produktionskosten für jedes Fahrzeug gering sind, brauche Local Motors nach eigenen Angaben lediglich 1000 verkaufte Autos, um damit Geld zu verdienen“, bemerkt Buhse.

Selbst das amerikanische Verteidigungsministerium habe das Hummer-Nachfolgemodell von der Local-Motors-Community konzipieren lassen. Ein Monat wurde für die Entwicklung angesetzt und drei Monate für die Ausführung. Soweit sind deutsche Unternehmen noch nicht.

„Meistens gehen Firmen von einer vorgegebenen Strategie aus, für die Projekte maßgeschneidert und umgesetzt werden. Dieses Vorgehen gibt dem ‚Treibstoff des 21. Jahrhunderts‘, der Kreativität wenig Raum. In Zeiten, in denen Expertise immer schneller veraltet, wird es wichtiger, Ideen und Zufällen eine Chance zu geben“, erläutert Jürgen Stäudtner, Innovationsberater von Cridon, in seiner Studie .

So etwas könnte sehr gut in offenen Systemen gelingen.

„Projekte können Phasen überspringen, neu in Phasen starten ohne in vorherigen Phasen bewertet worden zu sein oder extern durchgeführt werden. Klassicherweise bezieht sich Open Innovation darauf, dass man Partner oder Universitäten in die eigene Innovation einbezieht. Damit kehrt ein neues Paradigma in Firmen ein: ‚Proudly developed elsewhere‘ gibt externen Ideen den gleichen Stellenwert wie internen“, so Stäudtner.

Wie man Software fürs Ideen-Management einsetzen kann, demonstriert Stäudtner in einem kleinen Webinar, das wir via Hangout on Air live übertragen haben.

Ab Ende September werden wir so eine Plattform auch für die Bonner Next Economy Open am 9. und 10. November nutzen, um im Vorfeld schon Ideen, Projekte, Initiativen und Diskussionen zu identifizieren und mit Teilnehmern zu matchen. Das könnte Entwicklungen einleiten, die bis Anfang November realisiert und vorgestellt werden. Oder es könnten erste Überlegungen gefördert werden, um auf der NEO15 neue Projekte zu starten. Schließlich ist unser Leitmotto „Matchen – Moderieren – Managen“ 🙂

Siehe auch:

„Industrie 4.0 ist eine Beruhigungspille für den Mittelstand“

Auch „Open“: Jetzt basteln Google und Twitter eine Open-Source-Version von Facebooks „Instant Articles“

Ist wohl fahrlässig: Self Driving Car: Porsche & General Motors nehmen Entwicklung von Googles selbstfahrendem Auto nicht ernst.

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Über gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.
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2 Antworten zu Die Ideenlosigkeit der Excel-Manager – Reporting Orgien bringen keine Innovationen #NEO15 @Staeudtner @editor_page @KlausMJan

  1. Es ist doch völlig klar, wenn die Mitarbeiter ständig tracktiert werden um alles schneller und noch besser machen sollen. In den Köpfen der Führungsetagen ist so einiges noch nicht angekommen. Nicht nur das sie sich selber ruinieren, nein die „kleinen“ müssen es ausbaden. 70% aller Mitarbeiter reißen nur noch Dienst nach Vorschrift ab, ca. 20 % haben Null Interesse am Unternehmen. Mit langweiligen Betriebsausflügen und Betriebsfeiern lockt maneben keinen mehr hinterm Ofen vor. Auch mit tollen Gehältern gewinnt kein Unternehmen mehr wirklich einen Blumentopf, wenn die Mitarbeiter ausgebrannt und mit Schmerzen am Arbeitsplatz erscheinen.
    Fehltage werden einfach wegdiskutiert und ignoriert, welcher Schaden dabei entsteht wird dann wieder irgendwo schön gerechnet. Siehe dazu auch https://personaltrainerwolf.wordpress.com/2014/06/17/40-millionen-fehltage-jahrlich/
    Wie es besser geht zeigen Unternehmen wie Fraport, Rewe und BMW, denn dort hat man erkannt was Mitarbeitern wichtig ist, nämlich das eigene Wohlbefinden, und das fängt bekanntlich bei der Gesundheit an.

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