Mit der #Industrie40 Denke zur verlängerten Werkbank? Debatte zur #NEO15 via Live-Hangout mit @EbbeSand @PrivatMa2


Industrie Kreativwirtschaft

„Smarte Produkte transportieren Informationen, kommunizieren an den jeweiligen Punkten mit einem hybriden und störungsfreien Produktions- und Fördersystem – sind diese perfekten Prozessabläufe zudem automatisiert: et voilá Industrie 4.0“, schreibt Markus Henkel.

Der Mittelstand hierzulande sei bestens gerüstet und rüstet in Sachen Industrie 4.0 auch weiter auf:

„Lediglich am Tempo darf sich gerne etwas ändern, vorausgesetzt, die Sicherheit der industriellen Systeme ist gewährleistet. Und die Kritiker? Sie sind meist von Verbänden oder Unternehmen engagiert, die beratende Funktionen innehaben haben. Oder sie schreiben Artikel wie Henrik Müller ‚Deutschland ist für die digitale Revolution nicht gerüstet‘. Müller, immerhin Professor für wirtschaftlichen Journalismus an der Uni Dortmund, kritisiert in diesem die angebliche Überheblichkeit deutscher Wirtschaftsunternehmen. Er fokussiert sich allerdings gleichzeitig auf eine Studie zweier Oxford-Mitarbeiter, die für den US-Arbeitsmarkt schwarzsehen – natürlich wegen der digitalen Revolution. Gleichzeitig projiziert er deren Ergebnisse auf Europa, sieht das autonome Fahren bereits als Standard, auf den Meeren fahren seiner Meinung nach in Kürze vollautomatische Frachtschiffe, die die Crew und den Kapitän überflüssig machen und Handwerker werden auch nicht mehr benötigt; weil wir ja alle 3D-Drucker haben. Letztere übernehmen dann wohl auch den Einbau des Siphons beziehungsweise installieren die Küche direkt nach dem Ausdruck – inklusive der Elektronik. Henrik Müller und seine Mannen befinden sich meines Erachtens auf Zeitreise, katapultierten sich vor Jahren bereits in die Zukunft. Sie sollten aber endlich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren. So gestalten wir die Zukunft bereits neu und ja, sie wird so ähnlich ausschauen, wie Müller sie gerne hätte. Sprich, die digitale und industrielle Evolution hat bereits begonnen, sie benötigt lediglich mehr Entwicklungszeit als von den selbsternannten Experten gedacht. Eben weil von industriellen Prozessen mehr Robustheit und Zuverlässigkeit erwartet werden“, so Henkel.

Reicht das? Oder ist schon alleine der Begriff „Industrie 4.0“ eher eine Beruhigungspille für Mittelstand und Konzerne in Deutschland? Suggeriert er nicht die heile Welt der guten, alten Exportnation mit Schmieröl und rauchenden Schloten? Es soll Sicherheit, Kontinuität und Leistungsstärke demonstrieren wie in den Wirtschaftswunder-Zeiten:

„Ja gut, es wird ein bisschen digitalisiert, aber sonst bleibt alles beim Alten – eine Fabrik mit Fließband und Internetanschluss, festen Arbeitszeiten und einer dazugehörigen festen Lebensplanung bis zur Rente“, schreibt Wolf Lotter zur Maschinen-Thematik von „brandeins“.

Der Name sei Programm. Er rüttelt nicht auf, sondern begleitet uns in das Gestern:

„Industrie 4.0, ein Schritt nach vorn, zwei zurück.“

Die vermeintlich vierte industrielle Revolution sei die erste, die auf Geheiß von Politikern und Verbänden stattfinden soll. Über den Status von Rundlauf-Akten, die zwischen den drei beteiligten Bundesministerien zirkulieren, wird das großspurig verkündete Projekt nicht hinauskommen.

Statt hausbackene Definitionen aus dem Industriezeitalter zu verwenden, wären Überraschungen vonnöten, um neues Denken zu befördern. Wenn man mit Versionsnummern hausieren geht, wäre Wissen 1.0 ein Ausrufezeichen, um zu dokumentieren, dass wir seit 1980 statistisch gesehen gar keine Industrienation mehr sind. Knapp 25 Prozent der Beschäftigten arbeiten noch in der Industrie, Mitte der Sechzigerjahre waren es 49,2 Prozent. Seitdem geht es bergab.

„Gleichzeitig hat sich die Produktivität mehr als versechsfacht. Das versteht man klarer, wenn man weiß, dass die in der Statistik der Industrie zugeschlagenen Beschäftigten Wissensarbeiter sind, Ingenieure, Entwickler, Automatisierungs- und Prozessexperten“, erläutert Lotter.

Was wir also brauchen, sind kreative Köpfe und keine Maschinen-Prediger. Unser ökonomisches Verständnis oder Missverständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge hängt zum großen Teil von unserer Art des Sprechens ab. Müssten wir nicht stärker über Anwendungen und weniger über Produkte nachdenken? Zukunftsentscheidend ist nicht mehr die Herstellung eines Kotflügels oder einer Einspritzpumpe, sondern die Verbindung von Daten, Software, Wissen und Algorithmen.

Das wollen wir genauer wissen im Vorfeld der Next Economy Open in Bonn. Bibliotheksgespräch mit Mathias Thomas, Geschäftsleitung von Dr. Thomas + Partner (Software für die Intralogistik-Industrie) sowie von der gaxsys GmbH (E-Commerce) und Markus Henkel. MORGEN, AM DIENSTAG, AB 11:30 UHR.

Zum Mitdiskutieren via Twitter das Hashtag #NEO15 einsetzen.

Oder den Frage-Button auf der Google Plus-Seite verwenden. Man hört, sieht und streamt sich morgen.

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Autor: gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

3 Kommentare zu „Mit der #Industrie40 Denke zur verlängerten Werkbank? Debatte zur #NEO15 via Live-Hangout mit @EbbeSand @PrivatMa2“

  1. „Zukunftsentscheidend ist nicht mehr die Herstellung eines Kotflügels oder einer Einspritzpumpe, sondern die Verbindung von Daten, Software, Wissen und Algorithmen.“
    Das ist eine gefährliche Aussage.
    Was ist, wenn wir künftig genug Spezialisten für Software haben werden, weil das in digitalen Medien mantra-artig wiederholt wird? Was ist wenn uns künftig Menschen fehlen, die Spaß daran haben Dinge zusammenzuschrauben oder Kotflügel zu Pressen, weil es in unserer Gesellschaft keine Wertschätzung mehr dafür gibt?
    Für Unternehmen wird es immer schwerer die vermeindlich „einfachen“ Jobs zu besetzen. Oder wie deuten Sie die folgende Nachricht? http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Viele-Betriebe-suchen-noch-Auszubildende-DIHK-Schwer-wie-nie-4495932
    Noch unterscheidet sich unsere Industrie durch die gute Ausbildung von Wettbewerbern in anderen Ländern. Wenn wir solche Berufe schlecht reden, dann rauben wir uns diesen Vorsprung, egal ob die Industrie digitalisiert wird oder nicht.

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  2. Die Schrauber, Ingenieure und Produzenten werden weiter ihren Spaß haben, aber sie müssen sich einbetten in Ökosysteme, aufgeladen mit digitalen Schnittstellen via Plattformen, Services etc. Ich schreibe ja zukunftsentscheidend ist nicht mehr die Herstellung des Kotflügel – also die rein produktzentrierte Sichtweise.

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