Zur Google-Metamorphose: Blaupause für die Next Economy #Alphabet #NEO15 @netzpiloten #NotizAmt


Presseclub leider ohne blauen Dunst wie zu Zeiten von Werner Höfer
Presseclub leider ohne blauen Dunst wie zu Zeiten von Werner Höfer

Für meine neue Kolumne „Das Notiz-Amt“ bei den Netzpiloten habe ich mir nach langer Zeit wieder einmal den ARD-Presseclub angeschaut, der sich mit der neuen Holdingstruktur von Google auseinandersetzte.

Mit Marina Weisband, Mario Sixtus, Phillip Banse und Miriam Meckel war das sonntägliche Stelldichein in der Tradition von Werner Höfer auch gut und ungewöhnlich bestückt. Drei profunde Netzkenner und eine Vertreterin der klassischen Printmedien sprachen unaufgeregt über die Konsequenzen, die sich aus der Metamorphose des Suchmaschinen-Giganten ableiten lassen.

Google orientiert sich fortan an Berkshire-Hathaway-Holding des milliardenschweren Investors Warren Buffet und beendet damit das Dasein als Gemischt-Warenladen. Mit den neuen Führungsstrukturen kann man sich jetzt auf einzelne Sparten konzentrieren. Das Brot- und-Butter-Geschäft ist mit über 90 Prozent Umsatzanteil immer noch die Werbung via Adwords und Adsense. Mit dem Überbau “Alphabet” stärkt man den Glauben an das große Wachstum in den wilden Projekten, mit denen noch kein Cent verdient wird. Das operative Geschäft bleibt bei Google unter dem neuen Chef Sundar Pichai.

Bei einer Marktkapitalisierung von rund 440 Milliarden US-Dollar einen so radikalen Schnitt zu machen, ist für Miriam Meckel ungewöhnlich – zumindest in Deutschland und Europa. Hier werde eine neue Stufe in der digitalen Ökonomie gezündet, die man sich sehr genau anschauen sollte. Google entwickelt eine Blaupause für den radikalen Weg in die vernetzte Wirtschaft und zeigt, wie das funktionieren kann. Es erleichtert das Schrotflinten-Prinzip in den Aktivitäten außerhalb des Werbegeschäfts, betont der elektrische Reporter Sixtus:

“Sie schießen ganz viele Kugeln in ganz viele Richtungen ab und hoffen, dass irgendeine Kugel treffen wird.“

Das ist wohl der einzig gehbare Weg für die digitale Transformation.

Versuch und Irrtum für Zukunftsmärkte

Wer im technologischen Sektor in zehn Jahren noch überleben möchte, der müsse jetzt Produkte und Services für Märkte und für eine Nachfrage entwickeln, die es noch gar nicht geben kann. Wie das funktioniert, demonstrierte das Mountain-View-Unternehmen mit Google Maps, das vor zehn Jahren gestartet wurde. Erst 2007 war die Geburtsstunde des iPhone und erst danach entfaltete sich das mobile Internet. Damals galt noch das Blackberry als Krönung der Handy-Schöpfung. Als die mobile Revolution einsetzte, war Google mit einer wichtigen Anwendung sofort präsent. Das Wesen dieses Unternehmens unterscheidet sich von der Return on Investment- und Rentabilitäts-Denke in Teutonien.

“Die Gründer und Macher glauben an ihre Projekte, statt Gründe zu suchen, warum etwas nicht gehen kann“, erläutert Sixtus.

Suche, Mobilität, individualisierter öffentlicher Nahverkehr mit dem selbstfahrenden Auto, Vernetzung digitaler Infrastrukturen, Vernetzung von Städten, Robotik und industrielles Internet. Die Zukunftsthemen von Alphabet bauen auf die Daten-Intelligenz, die man sich seit der Gründung erarbeitet hat.

“Für das selbstfahrende Auto sind Karten unabdingbar. Nicht nur in 2-D, sondern auch in 3-D, wo selbst Ampeln und Bürgersteige abgescannt werden. Man braucht dafür die besten Daten-Ingenieure und die besten Daten“, so der Podcaster Philip Banse.

Deshalb rekrutiert Google die besten Genetiker, Hirnforscher, Elektrotechniker, Maschinenbau-Ingenieure (!), Chemiker und Forscher für Künstliche Intelligenz.

Die klügsten Köpfe arbeiten in Mountain View

Die klügsten Leute wollen bei Google arbeiten, konstatiert Marina Weisband. Mit flexiblen Arbeitszeiten, einem guten Betriebsklima, modernen Beteiligungsmodellen, genügend Freiraum für kreative Hobby-Leidenschaften und der Anwerbung von Mitarbeitern mit Migrations-Hintergrund sowie gebrochenen Lebensläufen bietet der Netz-Champion eine Diversität, von der deutsche Unternehmen meilenweit entfernt sind, auch wenn kluge Personalmanager wie Thomas Sattelberger das schon seit Jahren fordern.

Wir verplempern unsere Zeit mit industriepolitischen Scheindebatten, die schon vor drei Jahrzehnten nicht mehr zeitgemäß waren. Seit 1980 sind wir selbst nach den Maßstäben der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung kein Industrieland mehr. Auch der Begriff Industrie 4.0 führt in die Irre, weil er wirtschaftliche Aktivitäten immer noch nach Branchen sortiert.

Zukunftsentscheidend ist nicht mehr die Herstellung eines Kotflügels oder einer Einspritzpumpe, sondern die Verbindung von Daten, Software, Wissen und Algorithmen. Den Rest kauft man sich ein. Ausführlich im Notiz-Amt nachzulesen. Ab jetzt jeden Donnerstag – bei Sonne, Regen, Schnee, Wind und Wetter.

Das Thema wird uns auch auf der Next Economy Open #NEO15 in Bonn beschäftigen am 9. und 10. November.

Und auch morgen im Live-Hangout ab 16 Uhr.

Mitdiskutieren via Twitter-Hashtag #NEO15 oder den Frage-Button von Google Plus nutzen.

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8 Gedanken zu “Zur Google-Metamorphose: Blaupause für die Next Economy #Alphabet #NEO15 @netzpiloten #NotizAmt

  1. Moin,
    also ich habe nicht die Nerven gehabt, die Sendung zu Ende zu sehen. Wenn ein Konzern mit rund 70 Mrd € Umsatz und fast 60.000 Mitarbeitern sich umstrukturiert, dann ist das nicht alleine eine Frage von Netzaffinen. Wenn e.ON die Kernenergie in eine Bad Bank packt oder RWE den Konzern umstrukturiert und Töchter in die Holding hochholt, dann sind da auch konzernpolitische, betriebwirtschaftliche Fragen dabei. Fragen auch des Risikomanagements. Bei RWE und e.ON reicht es auch nicht, Solarfreaks ins Studio zu holen.
    Ich hatte die Freude, die Fragen, die man bei einem Mischkonzern hat, bei General Electric von innen sehen zu dürfen, als Jack Welch da agierte. Bei solch komplexen Kolossen ist in der Holding meist nur noch von Geld und nicht mehr dem operativen Geschäft der Töchter die Rede. Dafür war aber in der Sendung keiner. Deshalb fand ich sie langweilig.

    Eine spannende Frage wäre zum Beispiel das Risiko gewesen, das mit einem Wegfall des Werbeumsatzes verbunden ist, wenn immer mehr Leute Adblocker benutzen. Kommen dann die anderen Erlösträger schnell genug aus dem Knick?

    Schlimm finde ich, dass die Deutschen weder solche ökonomischen Fragen diskutieren noch die aktuellen technologischen Sachen diskutieren. Es hat keinen gejuckt, dass man an das neuen Projekt Sunroof mit deutschem Browser auf ein 404 läuft. (man muss explizit Lang=EN setzen: https://www.google.com/get/sunroof?hl=en). Wir hinken immer weiter hinterher. Bei Streetview sind wir jetzt hinter fast allen Europäern mit vielen weißen Flecken wie Serbien, Kosovo, Weißrussland und Ukraine.

    Google hat eines der spektakulärsten Geschäftsmodelle weltweit und eine günstige Position, noch viel mehr Marktsegmente zu erschließen. Aber wenn wir weiter die Regulierung der Geheimdienste unterlassen, wird es keine Industrie 4.0, keine massive Datennutzung und Kommunikation geben. Niemand wird seinen Herzschrittmacher dem Internet anvertrauen, wenn er weiss, dass ihn dann die NSA enthemmt töten kann, so wie sie unschuldige Zivilisten mit Drohnen abschlachtet (der Kriegsverbrecher Cheney hat das Terrorrisiko für seinen Herzschrittmacher untersuchen lassen). Niemand wird sich in ein selbstfahrendes Auto setzen, wenn die Gefahr besteht, dass ein SPD-Blockwart ihn denunziert und die NSA das Auto bei 180 km/h gegen die Autobahnbrücke rasen lässt. Aber über Chancen und Risiken reden wir nicht. Nicht bei Google. Nicht bei uns. Wir sitzen wie die Kaninchen vor der Schlange. Handlungsunfähig. In Deutschland mehr als in jedem anderen Land.
    Am Rande. die Market Cap ist ein Pseudopreis, den Du an der Börse nicht erzielen kannst, denn je mehr Aktien Du verkaufst, desto billiger werden sie. 🙂 Interessanter ist der Umsatz: GE macht mit viel weniger Market Cap viel mehr Umsatz 150 Mrd $.

    Aber bleib am Thema! in der Bundesregierung kümmert sich ekien Sau drum. Die faslen nur von ihrer Krawalljugend bei der SDS und anderen radikalen Jugendverbänden: Google zerschlagen. Mach kaputt, was Dich kaputt macht! ist das Motto des überforderten Erwachsenenpädagogen und Waffenschieber Gabriel. 🙂
    Horridoh!

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  2. Vorsicht, das Google-Modell ist nur für wenige Unternehmen geeignet.

    Das Prinzip „Viele Kugeln abschießen und hoffen, dass einige treffen“, können sich nur diejenigen leisten, die das nötige Kapital haben.

    Die Kunden werden dabei zu Versuchskaninchen. Wenn ihnen das klar wird, bin ich gespannt, was dann passiert. Noch glauben viele daran, dass Google vieles für ihr persönliches Wohl tut.

    Netzökonomie wird nur funktionieren, wenn langfristig alle davon profitieren. Gerade bei Google bin ich da nicht so sicher. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überraschen.

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  3. Mit Verlaub, ich halte solche Verschwörungstheorien für Quatsch. Die Metapher mit den Schrotkugeln war von Mario Sixtus, nicht von Google. In der „New Economy“ haben wir gesehen, dass zahlreiche Investoren in Dinge investiert haben, die sich nicht verstanden. Kalifornische Pensionsfonds haben 4% ihres Anlagevermögens in Risikokapital gestopft. Von 10 Firmen, die sie gefördert haben, musste einer ein Star werden, einige normal, einige Pleite. Richtig Geled verloren haben die Pensionsfonds dann mit der Immobilienblase, nicht mit der Netzökonomie. Diese Verhalten hat überhaupt nichts generisches mit Google zu tun. Die haben nur zufällig soviel Geld mit Werbung verdient, dass sie diese Experimente nun auf eigene Rechnung gemacht haben.
    Auch der Satz: „Für das selbstfahrende Auto sind Karten unabdingbar“ ist Quatsch. Wie stellte der sich selbstfahrende Autos vor? Ein Roboter am Steuer, der mit Scanneraugen sich die Karten auf dem Handy ansieht? Google Maps und Google Streetview bringen Menschen irren Nutzen. Deswegen waren sie so erfolgreich. Aber nicht unbedingt ökonomisch erfolgreich. Die hohen Preise von Google Maps nahm der Markt nicht ab. Also haben Google Und Microsoft die Preise wieder dramatisch gesenkt und Freemium-Geschäftsmodell eingeführt: wenige Zugriffe kostenlos, viele mit Kosten.
    Der Googlehass ist irrational. Ich habe viele Beispiele, wo viele Menschen seit jahren großen Nutzen von Google haben. Erst neulich habe ich mir spaßeshalber in einem Auto neben dem eingebauten Navi die Route auch bei Google Maps auf dem Handy berechnen lassen. Google war aktueller und hat uns um einen Stau herum geführt, in den uns das klassische Navi reinziehen wollte.
    Mein Eindruck ist oft, dass die Diskussion über Google durch Neid und Hass geprägt ist, gerade auch in Deutschland. Dadurch wird die Diskussion verzerrt und Chancen nicht wahrgenommen. Und deshalb fallen wir Deutschen digital immer weiter zurück. Da war der „Frühshoppen“ nicht anders.

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  4. Ob nun Schrotflinte oder Laborversuch, es darf eben nicht nur nach irgendwelchen dümmlichen Businessplänen operiert werden. Brot-und-Butter-Geschäft plus Versucht-und-Irrtum. Diesen Ansatz sehe ich bei deutschen Unternehmen nicht. Und zur Datenkrake hat der Dueck noch was treffliches formuliert – so am Rande bemerkt:

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  5. @woksol
    Ich habe Zweifel am Google-Modell geäußert – nicht mehr und nicht weniger.
    Eine Verschwörungstheorie ist für mich etwas anderes. Hass auf Google versprühe ich übrigens nicht.
    Und ja: Google hat in der Vergangenheit sehr viel richtig gemacht und Google hat viele praktische Dienste. Mich ärgert nur, dass es kaum wirklich sachliche Diskussionen dazu gibt.

    @gsohn
    Die Aussagen von Gunter Dueck sind sehr treffend.

    Zum Thema Diskurs möchte ich gerne eine Frage in die Runde werfen:
    Was ist, wenn das neue Geschäftsmodell von Google weniger mit dem von Berkshire Hathaway (dem Unternehmen von Warren Buffett) zu vergleichen ist, wie es jetzt einige Wirtschaftstitel propagieren, sondern eher mit dem „integrierten Technologiekonzern“ den die Daimler-Benz AG zwischen 1984 und 1995 anstrebte?
    Auf der Daimler-Homepage heißt es dazu inzwischen: „Die den damaligen Trends in Wirtschaft und Wissenschaft entsprechende Diversifizierung erbrachte allerdings nicht die erhofften Ergebnisse.“
    Nebenbei ist Buffetts Unternehmen interessanterweise bei Internet-Unternehmen eher zurückhaltend. Ich durfte mich selbst einmal Auge in Auge mit ihm über seine Strategien unterhalten. Das war allerdings ein glücklicher Zufall und ich musste auch nichts dafür bezahlen.

    Aber zurück zu Google. Nicht Google ist das Problem und auch nicht die Regierungen. Die Trägheit der Menschen ist das eigentliche Problem. Ich nutze Google auch – teilweise aus Bequemlichkeit und teilweise weil die Dienste besser sind als Dienste von Wettbewerbern. Mit dem Freemium-Modell können Konzerne kleinere Wettbewerber aus dem Markt drängen und ihre Position stärken.

    Für die Nutzer ist das erst einmal ein Vorteil, weil sie die Grunddienste nun Kostenlos sind. Damit bekommen Sie Dienste die sie sich vorher nicht leisten konnten oder haben nun mehr Geld für andere Sachen zur Verfügung.
    So weit so gut.
    Vergessen ist dann die Kritik an den alten Monopolen, z.B. aus der Automobilindustrie. Dabei sind die Monopole die neu entstehen, mächtiger als die alten Monopole.

    Das mit der Immobilienblase mag stimmen. Das ist allerdings Vergangenheit. Die nächste Blase die platzt, wird vermutlich eine andere sein. Und ob sich die Forschungen am durch den Wald laufenden Roboter für Googles Image langfristig positiv auswirken werden, das ist fraglich. Eine militärische Nutzung ist nicht auszuschließen, auch wenn es sicher viele positive Einsatzbeispiele geben wird.

    Natürlich können wir darauf vertrauen, dass alles zum Wohl der Gesellschaft passiert. Gleichzeitig finde ich es gut, die Verantwortung nicht selbsternannten Experten zu überlassen, sondern meinen Anteil zur Diskussion beizusteuern.

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