Wie offen dürfen Barcamps sein? Eine #BCDebatte über geschützte Räume, Livestreams und offene Diskussionen


Mobiles Livestreaming-Studio
Mobiles Livestreaming-Studio

Auf Twitter und Facebook tobt gerade eine Disputation über Sinn und Unsinn von Livestreams bei Barcamps.

Ein Gegenargument von Astrid Christofori: Livestreaming zerstöre die “Illusion” des geschützten Raums. Mit der Dauerhaftigkeit des Abrufs durch den gespeicherten Stream gehe zudem die Leichtigkeit und Flüchtigkeit der Gespräche verloren. Also doch lieber ungestörte Hinterzimmer-Romantik? Tweets, Fotos, Blog-Berichte, Facebook-Postings sind weniger öffentlich? Livestreaming führt zu weniger offenen Diskussionen? Hab ich so nie erlebt. Das überzeugt Jan Theofel nicht so ganz. Seine Meinung: Es sei schlicht so, dass es entweder einen Livestream gibt oder nicht.

„Du wirst nie wissen, wie die gleiche Diskussion mit respektive ohne Livestream verlaufen wäre. Wir müssen als theoretisch erörtern, wie es vermutlich ist – erfahren oder gar messen können wir es nicht.“

Das gilt auch umgekehrt, Jan. Ein Zirkelschluss. Fällt also als Gegenargument weg. Du bist da vielleicht anderer Meinung, nicht mehr. Ich selbst habe Sessions mit und ohne Livestreaming durchgeführt. Die waren lebendig, diskussionsfreudig und auch tiefgründig, unabhängig von der Liveübertragung. Ist das ein Gegenbeweis? Nö. Es sind nur meine bescheidenen Erfahrungen.

Machen denn Livestreams auf Barcamps immer Sinn? Nicht die Bohne. Es kommt auf das Konzept und die Formatideen an. Technisch ist es ohnehin ein gigantischer Aufwand, in jedem Session-Raum Livestreaming überhaupt anzubieten – von der Breitbandigkeit mal ganz abgesehen.

Aber bei Barcamps „geschützte Räume“ zu beanspruchen, halte ich unabhängig von Liveübertragungen schon für etwas merkwürdig. Jedes Foto, jeder Tweet oder jedes Facebook-Posting von öffentlichen Veranstaltungen kann eine ähnliche Wirkung erzielen wie Livestreams. Erinnert sei nur an die Replik eines CDU-Beraters auf Twitter, ob denn die Kanzlerin bei Ihrem Live-Hangout-Format für Bürgerdialoge über eine Sendelizenz verfügt 🙂

Gute Argument hat Sebastian Greiner vom Stream-Café gebracht:

„Wenn man mich fragt, warum ich Liveübertragungen und Videoaufzeichnungen von Veranstaltungen mache, sage ich immer, dass es mir um das Teilen von Wissen geht. Dies live zu tun, hat den Vorteil, dass man auch direkt Feedback bei einer Veranstaltung erhalten kann (z.B. über Twitter) und nicht erst in den YouTube-Kommentaren. Außerdem ermöglicht man Menschen eine relativ direkte Teilnahme an Veranstaltungen, auf denen sie aus verschiedenen Gründen nicht selbst anwesend sein können. Das kann räumliche Entfernung oder auch eine fiese Erkältung sein.

Was man live mitschneidet, kann man auch direkt aufzeichnen und weiter verwerten. Bei der re:publica in Berlin z.B. gehen die Vortragsvideos noch während der Veranstaltung online zu YouTube, wobei auch hier nur eine der vielen gleichzeitigen Sessions live übertragen wird, aber zumindest alle Sessions aufgezeichnet.

Grundsätzlich gehe ich bei Menschen, die einen Vortrag halten, oder eine Diskussionsrunde zu Politik und Gesellschaft führen, davon aus, dass sie wollen, dass ihre Meinung gehört wird. Warum sonst sollte ich mich vor ein Publikum auf die Bühne stellen? Ich gehe dementsprechend auch davon aus, dass Vortragende es für gut heißen, wenn ihr Vortrag auch dauerhaft einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt wird.“

Es geht doch um die Anschlussfähigkeit von offenen Formaten, um die Kultur des Teilens, um Transparenz jenseits von irgendwelchen exklusiven Konferenzen wie Bilderberg oder Weltwirtschafftsforum in Davos, wo man unter sich bleiben will.

Wie offen sollen also Barcamps sein? Das wollen wir in der nächsten Woche am Dienstagabend via Hangout on Air diskutieren. Start: 20 Uhr. Für alle Mitdiskutanten: Ich mache den Hangout um 19:45 Uhr auf.

„Regel“ für den Live-Hangout: Es gilt das gesprochene Wort 🙂 Autorisierungen, Veränderungen oder gar Löschungen sind nicht möglich. Das Gespräch findet live und ungeschminkt statt. Hashtag zum Mitdiskutieren #BCDebatte 

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9 Gedanken zu “Wie offen dürfen Barcamps sein? Eine #BCDebatte über geschützte Räume, Livestreams und offene Diskussionen

  1. Ein Barcamp ist eine offene Plattform bis hin zur Organisation des Inhaltes an der tägliche Session-Planung. In diesem Sinne MUSS ein Barcamp offen sein, auch z.B. für einen Live-Stream. Einen geschützten Raum kann man in einem Barcamp eigentlich nicht finden, das passt nicht zu einem Barcamp. Die Offenheit und damit die verbundenen Aktivitäten MÜSSEN an einem Barcamp gegeben sein. Mit Persicope z.B. bleibt der Stream 24h im Netz, danach wird er gelöscht

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  2. Und was den Zirkelschluss angeht: Du hast in meinem Zitat sogar drin, das ich das für beide Richtungen beschreibe. Das Erleben mit und ohne Livestreaming lässt in beide Richtungen keinen Schluss zu, wie dessen Abwesenheit ODER Anwesenheit die Diskussion verändert hätte. Damit drücke ich genau das aus, was du danach selbst über die Erfahrung lebhafter Diskussionen mit Livestreaming schreibst: „Ist das ein Gegenbeweis? Nö. Es sind nur meine bescheidenen Erfahrungen.“

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Es lebe die Diskussion!

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