Eat your own dogfood: Warum Digital-Manager auch privat ihr eigenes Hundefutter essen sollten


Wau
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Die Aufforderung klingt etwas unappetitlich. Gemeint ist ein Phänomen, das Thomas Knüwer in einem Beitrag angesprochen hat unter dem Titel: „Privat halte ich mich eher mit dem Internet zurück“.

Er meint damit Bekenntnisse, die nicht selten von Digitalverantwortlichen der Firmenwelt öffentlich artikuliert werden – bei der Bundeskanzlerin, die ähnliches im Interview mit LeFloid äußerte, habe ich nichts anderes erwartet. Aber für Führungskräfte, die die Digitalisierung im Unternehmen vorantreiben wollensollen?

„Es ist für mich nicht verständlich, wieso Digital Manager, diese Äußerung von der Analogie des Privaten von sich geben. Schämen sollten sie sich dafür. Natürlich müssen sie nicht wie mit Tour de France-Mitteln gedopt durch die Gegend kommunizieren. Aber: Eine leicht überdurchschnittliche Nutzung digitaler Dienste sollte auch im Privaten erwartbar sein. Schließlich müssen sie Leidenschaft mitbringen für ein weiterhin rasant nach vorn preschendes Feld, für die vielleicht spannendste Aufgabe, die es derzeit in Unternehmen gibt“, so Knüwer.

“Sollte privat eher weniger digitale Technologie nutzen“: Das würde bei einer Stellenbeschreibung für den Digital Manager oder Chief Digital Officer ziemlich absurd klingen.

Das Stichwort Leidenschaft für die Digitalisierung ist dabei entscheidend. Es fehlt in Deutschland in vielen Organisationen das leidenschaftliche und experimentelle Engagement, um wirklich Neues in der vernetzten Welt hervorzubringen. Das brachte der Mittelstandsexperte Marco Petracca beim vergangenen netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs zum Ausdruck:

„Was wir brauchen, ist Punk und Rock ‘n’ Roll für einen digitalen Gründergeist und nicht vertrocknete Lehrbücher von Meffert und Co.“

In Deutschland pflege man eine merkwürdige Definition von Visionen. Was in der Netzwelt und eben auch im Silicon Valley gepflegt werde, seien Visionen gepaart mit Leidenschaft. Fragt man industriell geprägte Unternehmen nach Visionen, kommt als Antwort:

„20 Prozent Wachstum in zwei Jahren“.

So könne man Gesellschaft und Wirtschaft nicht verändern.

„Wir denken ausschließlich in der Kategorie der Profitoptimierung. Es fehlt die übergeordnete Vision“, kritisiert Petracca.

Recht hat er. Nachzulesen in meiner heutigen The European-Kolumne.

Übrigens gilt die „Eat your own dogfood“-Aufforderung auch für Vorstandschefs – ihnen würde es gut tun, direkt mit Kunden, Bloggern, Lieferanten und der Netzöffentlichkeit insgesamt in Kontakt zu kommen. Da geht es um Kommunikation auf Augenhöhe und den Ausstieg aus dem geschützten Silo der Chefetage. Warum das sinnvoll ist, kann man dem Interview von Klaus Eck mit Opel-Chef Karl-Thomas Neumann entnehmen.

„In seinem ersten Tweet hatte der Opel-Chef seinen Followern versprochen, sie über Opel und das größte Comeback in der Automobilindustrie auf dem Laufenden zu halten. Mit dieser Social-CEO-Kommunikation auf Twitter setzt er neue Maßstäbe in digitaler Nahbarkeit. Dass er als digitaler CEO überzeugt, zeigen nicht nur 10.000 Follower auf Twitter, sondern auch sein Videocast, mit dem er auf YouTube erfolgreich ist.“

Es geht also doch, die Geschichte mit den twitternden Chefs. Und das bitte ohne Aufteilung in berufliche und private Persönlichkeit. Es geht um die Persönlichkeit im Ganzen!

Siehe auch:

Eat your own dogfood: Wer hat die beste Plattformstrategie fürs Online-Geschäft?

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5 Gedanken zu “Eat your own dogfood: Warum Digital-Manager auch privat ihr eigenes Hundefutter essen sollten

  1. Hat dies auf Digital Naiv rebloggt und kommentierte:
    So wahr. Man redet von Digitalisierung, fordert Engagement der Mitarbeiter ein, gibt ihnen meist aber nicht die Zeit dafür, denn sie müssen ja arbeiten. Und ist digitales Engagement Arbeit? Nein, Excel-Tabellen und Powerpoint-Folien sind wesentlich wichtiger. Wie viel Zeit verbringen viele Mitarbeiter notgedrungen mit interner Selbstbeschäftigung ,-beweihräucherung und nutzloser Prozessbefriedigung statt mit kundenorientiertem Dialog? Von den Managern will ich gar nicht reden. Wenn dann noch die Floskeln dazu kommen, wie man näher am Kunden sein will und schneller wird …

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