Nachrichten-Konsum ohne Nachrichten-Website


Jonny Haeusler auf der republica

In den vergangenen Jahren haben die Großverlage Millionen von Euro in ihre Websites gesteckt, schreibt Jonny Haeusler in seiner Wired-Kolumne:

„Aufwändige Content-Management-Systeme, komplexe Designanforderungen, Nutzertests, SEO und Klickanalysen kosten Geld. Viel Geld. Dabei ist klar, dass die Tage für klassische Websiteformate von Verlagen gezählt sind.“

Die Zahl derer, die täglich die URL eines News-Portals eingeben, um dort nach interessanten News, Fotostrecken oder Videoberichten zu schauen, sinkt beträchtlich. Menschen gehen nicht mehr dorthin, wo die News sind. Nachrichten müssen dort hingehen, wo die Menschen sind, empfiehlt Haeusler.

„Schon 75 Prozent der Besucher von buzzfeed.com kommen direkt aus sozialen Netzwerken. Denn dort werden die Inhalte der Website verbreitet — entweder von Buzzfeed selbst oder von den Lesern.“

Jeder dritte Amerikaner liest bereits Nachrichten via Facebook, haben die US-Forscher von Pew Research beobachtet.

„Aber nicht, so schreiben die Forscher, weil jeder von ihnen zig Nachrichtenseiten geliked hat. Sie lesen vor allem Texte, die ihre Freunde empfohlen haben. Wir lesen, was unsere Freunde lesen. Und das ist die eigentliche Revolution”, bemerkt Huffington Post-Chefredakteur Sebastian Matthes.

Bei diesem Kreislauf stellt sich Jonny Haeusler die Frage, wozu man überhaupt noch eine Website braucht und wie sowohl die Anbieter von Kommunikationsdiensten als auch die Produzenten von Inhalten in diesem Verhältnis der gegenseitigen Abhängigkeit Geld verdienen können:

„Für die Anbieter von Inhalten ist der virtuelle Ort, an dem sich Menschen treffen, um sich miteinander auszutauschen, der einzige noch relevante Ort. Und wenn Facebook, Snapchat und Co. die neuen großen Nachrichtenkanäle sind, könnte es sogar passieren, dass sie genauso wie die alten agieren und in naher Zukunft professionelle Content-Lieferanten bezahlen werden, um die eigene Attraktivität zu steigern und hohe Werbeumsätze zu generieren. Alternativ dazu könnten sie den Anbietern von Inhalten die Möglichkeit geben, selbst von neuen Werbeinnahmen zu profitieren.“

Was die Verlage dann noch mit ihren Web-Präsenzen und teuren Content-Management-Systemen anfangen sollen, ist mir eigentlich wurscht. Da mangelt es eh am Verständnis fürs CMS. Wenn aber Empfehlungen immer wichtiger werden und Nachrichten immer stärker über die eigene Timeline wahrgenommen werden, was zählt dann noch das ganze Reichweiten-Gedöns? Siehe dazu: Die Kunst des guten Gesprächs ohne Marketing-Effekthascherei: Unternehmen als soziale Laboratorien.

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Über gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.
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