Twitternde Chefs und die Social Web-Kompetenz von deutschen Unternehmen


Wie viel digitale AufklĂ€rung brauchen FĂŒhrungskrĂ€fte?
Wie viel digitale AufklĂ€rung brauchen FĂŒhrungskrĂ€fte?

Meike Leopold, die als Mitherausgeberin des Buches „Erste Hilfe fĂŒr Social Media Manager“ Interviewgast in der vergangenen Bloggercamp.tv-Sendung war, geht in einem Blogbeitrag ausfĂŒhrlich auf meine Eingangsfrage ein:

„Moderator Gunnar Sohn ließ es sich nicht nehmen, gleich am Anfang der Sendung die beliebte Chefnummer zu stressen: Welche deutschen Firmenlenker sind ĂŒberhaupt aktiv auf Twitter & Co.? Warum werden deutsche Manager nicht sichtbar in Digitalien, und geht es ĂŒberhaupt ohne sie bei diesem Thema? Legitime Fragen. Und es lassen sich tatsĂ€chlich nicht viele leuchtende Vorbilder im Ach-so-gern-zitierten-Mittelstand hervorzaubern (ich hĂ€tte zumindest den Jan Westerbarkey – habt ihr noch welche? Danke!). Da half auch mein absolut ernstgemeinter Positionierungsversuch pro Salesforce-Deutschland-Chef Joachim Schreiner nicht, der gerade Twitter-Follower sammelt wie andere Leute Rewe-Rabattmarken 😉 – schließlich seien wir ein US-Unternehmen, da liefe das ganz anders, hieß es. Ich lasse das mal dezent unkommentiert – schließlich wird im TV gerne mal zugespitzt argumentiert 😉 (ich habe ja explizit nach deutschen Unternehmen gefragt, gs). Wichtiger ist doch die Frage: richten es tatsĂ€chlich die Chefs, wenn es darum geht, innen wie außen eine digitale Unternehmensstrategie zu befördern? Klar ist: Ohne Zweifel braucht der Social Media Manager oder der Chief Digital Officer (oder wer auch immer sich darum kĂŒmmert, dass die Unternehmenskommunikation transparenter wird und bisherige GeschĂ€ftsmodelle in Frage gestellt bzw. an die neuen Gegebenheiten angepasst werden) grĂŒnes Licht von Oben , damit es bei der Transformation wirklich voran geht. Im Orchideen-Eckchen oder mit U-Boot-Projekten wird sich da nicht viel entwickeln.“

Manager und ihr Like-Daumen pro digitale Strategie seien gut und hilfreich – aber das ist nur EIN wichtiger Faktor.

„FĂŒhrungskrĂ€fte haben viel um die Ohren. Außerdem ist es nicht unbedingt gesagt, dass sie auf Twitter & Co. prĂ€sent sein mĂŒssen. Kommt darauf an, welche Strategie das Unternehmen verfolgt“, schreibt Meike Leopold.

Nun war mein Einwurf in der Sendung eher metaphorisch gemeint. Ob FĂŒhrungskrĂ€fte nun bei Twitter, Facebook und Co. aktiv sind, ist nur ein kleiner Indikator fĂŒr die Ausrichtung der Unternehmensorganisation in Richtung social, vernetzt und offen. Weitaus wichtiger ist die grundsĂ€tzliche Frage, wie viel Social Web-Kompetenz auf den FĂŒhrungsetagen vorliegt. Agieren Top-Manager mit dem RĂŒcken zum Internet? Sind sie wirklich bereit, in der internen und externen Kommunikation auf Mitmachwerkzeuge des Social Webs zu setzen – in welcher AusprĂ€gung auch immer? Oder ist das Ganze nur eine Mimikry-Aktion, um zu dokumentieren, wie fortschrittlich die Unternehmensorganisation ausgerichtet ist? Selbstorganisation, Autonomie, IndividualitĂ€t, Kommunikation auf Augenhöhe, Partizipation, die Ökonomie des Gebens und Nehmens sind mit den KontrollsehnsĂŒchten vieler FĂŒhrungskrĂ€fte nicht gerade kompatibel. Haben Chefs wirklich keine Zeit, sich direkt mit der Netzöffentlichkeit ohne den weltweit fĂŒhrenden Sprachregelungsmist auseinanderzusetzen? Gibt es keine sinnvollen Social Web-Anwendungen fĂŒr die tĂ€gliche Arbeit fĂŒr den Unternehmensboss? Von Wissensmanagement bis zur Marktbeobachtung fallen mir da einige sinnvolle Applikationen ein, die sich in den Arbeitsalltag integrieren lassen.

Die Social Web-Aversionen vieler FĂŒhrungskrĂ€fte liegen tiefer. Nachzulesen in meinem Beitrag „Pawlowsche Hunde, egozentrische FĂŒhrungskrĂ€fte und der digitale Kulturschock“.

Wer kennt denn twitternde Chefs, die man in eine Bloggecamp.tv-Sendung einladen könnte (also Chefs von deutschen Unternehmen)?

In der Medienbranche sieht es ĂŒbrigens nicht besser aus:

Siehe auch den Beitrag von Thomas KnĂŒwer: Deutschlands Zeitungs-Köpfe: Eine unvernetzte Gesellschaft.

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3 Gedanken zu “Twitternde Chefs und die Social Web-Kompetenz von deutschen Unternehmen

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