Neues von der Idiotenfront im Google-Kampf: Fax-Verwertungs-Gichtlinge erwarten Schützenhilfe vom Kartellamt #vgmedia


Aktionismus für die Mülltonne
Aktionismus für die Mülltonne

„Ich benutze etwas und zahle dafür“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in seiner Diskussion am Dienstagabend mit dem Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt. Dieser Grundsatz von ehrbaren Kaufleuten müsse auch zwischen Google und den Presseverlagen gelten, die ihr neues Leistungsschutzrecht wahrnehmen, verkünden die Verwertungs-Gichtlinge der VG-Media. Angesichts eines Google-Marktanteils von mehr als 90 Prozent hätten die Verlage aber keine andere Wahl als auf die Forderungen des Suchmaschinenmonopolisten einzugehen, hob Gabriel hervor und sprach sich mehrfach für eine Begrenzung der Marktmacht von Google aus. Der SPD-Parteivorsitzende hat sich mit diesen Äußerungen deutlich an die Seite der Presseverleger gestellt.

„Google will für die Nutzung von digitalen Presseerzeugnissen nicht zahlen und hat daher die von der VG Media vertretenen Presseverlage aufgefordert, ihre Inhalte kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Andernfalls werden die Verlage ab dem 23. Oktober 2014 zum Teil gar nicht mehr (Bilder) oder nur noch verkürzt auf allen Google-Oberflächen dargestellt. Nach Ansicht der VG Media ist dies ein deutlicher Verstoß gegen das Kartellrecht. Google behandelt als Marktbeherrscher gleichartige Unternehmen ohne sachlich rechtfertigenden Grund unterschiedlich. Durch die Schlechterstellung will Google von den Presseverlagen eine kostenfreie Nutzung ihrer Inhalte erzwingen. Für die VG Media stellt diese Ankündigung von Google einen neuen Sachverhalt dar, der vom Bundeskartellamt dringend geprüft werden muss“, meinen die VG Media-Leute.

Man fragt sich nur, warum in den vergangenen Jahren Redakteure angehalten wurden, suchmaschinenoptimiert zu schreiben und warum soviel SEO-Experten in den Verlagen herumkaspern? Schließlich ist Google nur der Türöffner für die Verlagsangebote, die allerdings schlecht vermarktet werden – was allerdings nicht in der Verantwortung des Suchmaschinenkonzerns liegt. Aber das soll hier nur ein Randaspekt sein. Mit der Schützenhilfe des Kartellamts wird es wohl nichts werden.

„Marktbeherrschung ist nicht illegal und einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung von Google muss man erst einmal nachweisen“, sagt Professor Justus Haucap, ehemaliges Mitglied der Monopolkommission, im ichsagmal-Gespräch.

Selbst wenn man den Missbrauch der Marktmacht eindeutig feststellen würde und gegen Google vorgeht, bleibt zu prüfen, ob es auch den Interessen der Verbraucher dient.

Geht es bei den Beschwerden gegen Google aber wirklich um Verbraucherinteressen oder klagen vor allem jene, die unter der besseren Geschäftsstrategie des Silicon-Valley-Riesen leiden? Für hausgemachte Probleme sei das Kartellrecht nicht zuständig, so Haucap. In den Kartellverfahren geht es nicht um die Geschäftsinteressen von wetter.com, Axel Springer, finanz.net oder auswechselbare Vergleichsportale, die sich beim Anblick von Google in die Hose machen. Es geht um die Interessen der Verbraucher.

Wenn also auf den Medientagen München der Kartellamtspräsident Andreas Mundt ins „Kreuzverhör“ genommen werden soll, wie VG Media schreibt, dann sollten die von Haucap angesprochenen Aspekte in der Diskussion berücksichtigt werden.

„Die VG Media lädt im Anschluss an diese Diskussion zu einem Hintergrundgespräch ein. Ihre Fragen beantworten der Beiratsvorsitzende der VG Media und Geschäftsführer der WeltN24 GmbH, Dr. Torsten Rossmann, der Beirat und Geschäftsführer der Aschendorff Medien GmbH & Co. KG, Dr. Eduard Hüffer, sowie die Geschäftsführer der VG Media, Markus Runde und Maren Ruhfus“, heißt es in der Presseaussendung von VG Media.

Wann: Mittwoch, 22. Oktober, 16.15 – 17.00 Uhr
Wo: Raum Staffelsee (Zwischengeschoss, halbe Treppe runter)
Über die Teilnahme würden sich die Verwertungs-Gichtlinge sehr freuen. Man kann sich übrigens mit dem beigefügten A N T W O R T F A X akkreditieren (ich habe vor Jahren mein Fax-Gerät in einem Container für Elektroschrott entsorgt….). Soviel zur Digitalkompetenz der VG Medien.

Schaut man sich die steigende Relevanz von persönlichen Empfehlungen auf Facebook und Co. für Medieninhalte an, scheint auch vor diesem Hintergrund der kartellrechtliche Angriff gegen Google ein Griff ins Klo zu sein.

Siehe auch:

Leistungsschutzrecht: VG Media wirft Google Verstoß gegen Kartellrecht vor.

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2 Gedanken zu “Neues von der Idiotenfront im Google-Kampf: Fax-Verwertungs-Gichtlinge erwarten Schützenhilfe vom Kartellamt #vgmedia

  1. Ob der Weg der Verlage und der VG Media der richtige ist mag man durchaus bezweifeln. Allerdings zeigt der Unmut, der nur einer von vielen ist, dass Google Grenzen gesetzt werden müssen.

    Denn Google übersteigt ständig rote Linien. Das macht Google nicht aus gemeinnützigen Zwecken heraus. Google handelt nur im Sinne der eigenen Rendite.

    Wen wundert es, Google ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Und als solches muss es in diesen Kontexten immer betrachtet werden. Denn es ist nicht so dass auf der einen Seite geldgierige Verlage stehen und auf der anderen Seite das freundliche und soziale Google.

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  2. Das mag ja so sein, Roland. Der Kampf der Verleger geht allerdings ins Leere. Sie sollten sich nicht an Google reiben, wenn der Zug schon längst in eine andere Richtung fährt.

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