Über Zugehörigkeit, Identität und Alltagsrassismus


Nationalismus lehrt dich, stolz auf Dinge zu sein, die du nicht vollbracht hast und Menschen zu hassen, die du nicht kennst.

Dieser Satz am Ende meiner emotional geprägten The European-Kolumne über Alltagsrassismus, den wir bei einer Schiffsreise in Dalmatien erlebt haben, beschreibt treffend das Grundübel aller fremdenfeindlichen Debatten. Es geht um bequeme Denkhaltungen, um sich abzugrenzen und abzuschotten. Es geht um Sündenböcke, die man als Allzweckwaffe benutzt. Nur nichts zulassen, um das vorurteilsbeladene Weltbild zu erschüttern. Kritisches Denken ist anstrengend. Am Schluss stellt sich vielleicht heraus, dass ja doch alles ein wenig komplexer ist als man anfänglich dachte. Einzelne Bäume möchte der Alltagsrassist vor lauter Wald gar nicht wahrnehmen. Darum geht es, wenn von d e r Nation oder d e r so genannten nationalen Identität gesprochen wird. Es sind Feindbilder, die in einer bequemen Komfortzone kultiviert werden. Der französische Philosoph Michel Serres hat das sehr gut auf den Punkt gebracht. Es geht um die Verwechslung von Identität und Zugehörigkeit. Ich gehöre zur Gruppe der Volleyball-Vereinsspieler. Ich gehöre zur Gruppe, die das StreamCamp in München organisieren. Ich gehöre zur Gruppe, die jeden Mittwoch die Web-Sendung Bloggercamp.tv veranstaltet. Ich gehöre zur Gruppe, die gerne Himbeer-Marmelade mag. Ich gehöre zur Gruppe, die in Berlin geboren wurde.

An dieser Aufzählung merkt man sehr schnell, wie wenig die Zugehörigkeit über meine Identität aussagt. Ich bin ich. Das ist es. Wer Individuen auf die Zugehörigkeit zu einer Gruppe reduziert, wer Menschen nur über die Einteilung in Kategorien beurteilt, speist eine Ideologie der Abgrenzung und Ausgrenzung.

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2 Gedanken zu “Über Zugehörigkeit, Identität und Alltagsrassismus

  1. Ich musste bei dem Beitrag zugleich an eine kurze Passage im heutigen Artikel von Herrn Blumencron denken „…, wenn nicht die menschlichen Schwächen dazukämen. Eine der ausgeprägtesten ist die Vorliebe für Gleichgesinnte. Denn während das Netz gern als Debattenmedium tituliert wird, wird es doch, so zeigen Studien, von den meisten als Meinungsverstärker genutzt.“ Und in ähnlichem Sinne habe ich dies vor kurzem auch für Bücher mal wieder festgestellt: http://thomasbrasch.wordpress.com/2014/08/02/bucher-stumpfe-waffen-gegen-vorurteile-z-b-gegenuber-juden/ . Und trotzdem: weitermachen. Danke dafür.

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