Wo geht sie hin, die Urbanität in Städten? #Bloggercamp.tv um 20:15 Uhr


Hier bin ich nicht Mensch, hier will ich nicht sein
Hier bin ich nicht Mensch, hier will ich nicht sein

Auch den Interessenvertretern des deutschen Einzelhandels dämmert so langsam, dass Amazon wie ein Staubsauger die Umsätze aus allen Handelssparten wegsaugt, wie es Kai Hudetz, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung gegenüber „Focus“ ausdrückt.

„Noch 2011 hatten viele deutsche Händler gehofft, dass sich das Internet hierzulande nicht so negativ auf ihre Umsätze auswirken werde wie etwa in den USA (Gleiches trällerten ja die Verleger, gs). Spätestens der Erfolg des Modehändlers Zalando hat sie wachgerüttelt. Alle großen Handelsunternehmen arbeiten inzwischen an Digitalstrategien“, schreibt „Focus“-Redakteur Holger Schmidt.

Davon ist bislang wenig zu sehen. Vor allem stationäre Vollsortimenter werden in den Innenstädten verzichtbar.

„Das klassische Ladengeschäft muss nicht mehr Teil des Distributionsnetzes sein. Als Konsument möchte ich nur die allernötigsten Artikel an Ort und Stelle mitnehmen. Was darüber hinausgeht, soll mir nach Hause gebracht werden. Statt weit zu fahren, damit ich zu einem großen Sortiment komme, werde ich zu einem Showroom gehen, wo man mir das ganze Sortiment zeigt – echt oder virtuell“, sagt Moshe Rappaport, IBM-Experte für Technologie- und Innovationstrends.

Böser Beratungsklau

Es müssten nicht mehr alle Artikel im Laden vorrätig sein. Es reiche vollkommen aus, alles zeigen zu können. Nicht mehr das Produkt steht im Vordergrund, sondern der Service. Bislang passiert genau das Gegenteil. Auf die Ausdünnung der Innenstädte, wo ganze Shop-Gruppen wie Musikgeschäfte, Videotheken, Buchläden oder Elektronik-Filialen verschwinden oder ein kümmerliches Dasein fristen, reagieren die Funktionäre des Handels mit Kundenbeschimpfung und protestieren gegen den Beratungsklau via Smartphone und Co.: Ins Geschäft gehen, Produkt scannen und im Internet das günstigste Angebot einkaufen. Wo käme man da hin? Wie wäre es mit einem großen Warnschild mit einem übergroßen Mobilfunkgerät mit der Aufschrift

„In diesem Geschäft muss ich aus bleiben“

oder so ähnlich. Das wäre doch die richtige Jägerzaun-Abschottungsvariante, die man auf der Verlagsseite mit dem Leistungsschutzrecht realisiert hat. Die Einzelhändler in St. Tönis klebten die Schaufenster ihrer Geschäfte aus Protest sogar mit schwarzer Folie zu, damit „ihre“ Kunden mal erleben, was das böse Internet so alles bewirken kann.

Von den Vorzügen durchbräunter „Beraterinnen“

Die Fußgängerzone der niederrheinischen Metropole mit ihren rund 50 „Fachgeschäften“ dürfte ungefähr so groß sein wie die Verkaufsmeile in Bonn-Duisdorf. Dort werde ich kompetent bedient von fünf Friseuren, vier Bäckereien, sechs Optikern, vier Döner-Grillmeistern und der üblichen Zahl an Telefon-Inkompetenz-hier-können-Sie-nicht-kündigen-Zentren. Nicht zu vergessen die unverzichtbaren Sonnenstudios mit ihren ganzjährig gut durchbräunten Beraterinnen, den obligatorischen Nagel-Fußpflege-Haarverlängerungs-Tempeln und Massage-Salons mit den Verkaufsschildern „Ohne Erotik“.

Was für eine Fachberatung bietet denn das Verkaufspersonal in den Fußgängerzonen-Läden? Wirkliche Profiberatung finde ich eher in Foren, YouTube-Filmen und bei den Kundenbewertungen im Netz, wenn sie nicht von irgendwelchen blöden Agenturen gefälscht werden. Preisvergleiche über spezielle Apps sollten für Verkäufer eher ein Ansporn sein für besseren Service und nicht mit Smartphone-Verboten beantwortet werden.

Virtuelle Assistenten optimieren den Einkauf

Deshalb ist auch die Anbieter-Diktatur von Markenartiklern und Fachhändlern ein hoffnungsloses Unterfangen, die wegen der „Beratungsintensität“ ihrer Produkte den Onlinehandel unterbinden wollen. Beratung bekomme ich über virtuelle persönliche Assistenten, die meine Einkäufe optimieren, Produkte und Dienstleistungen bewerten und über die Expertisen anderer Kunden informieren. Unternehmen, die mit ihren vernetzt organisierten Kunden nicht mithalten können, verschwinden vom Markt. Auch in St. Tönis.

Der stationäre Handel muss das aber nicht unbedingt begreifen. Die ehrbaren Blumenkübel-Kaufleute könnten ja den 6. August zu einem jährlichen Anti-Internet-Berners-Lee-Protest-Tag ausrufen. An diesem Tag ging nämlich vor 23 Jahren die erste Website online. Das ist aber nur einer von vielen Aspekten, die wir heute Abend nach der Tagesschau, um 20:15 Uhr bei Bloggercamp.tv diskutieren wollen.

„Wie kann man die Innenstädte beleben? Gestaltung, Aktionen und Online-Marketing“.

Es geht um die Belebung der Innenstädte, die Herausforderung für den stationären Einzelhandel und eine attraktive Stadtgestaltung. Verdrängen hohe Gewerbemieten die inhabergeführten Läden? Teurer Parkraum, der Kunden abschreckt und zur Grünen Wiese fahren lässt. Funktionale Trennung von Wohnung, Arbeitsplatz und Einkauf. Dominanz der Ketten in Fußgängerzonen. Rolle der Wirtschaftsförderung. Modell Bad Münstereifel – eine Stadt als Outlet und, und.

An der Diskussion nehmen teil: Frank Michna, Hannes Schleeh, Frank Schulz, Gunnar Sohn und Professor Christl Drey vom Haus der Architektur Köln.

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