Die #Bloggercamp.tv-Salonisten: Ab jetzt in größerer Runde jeden Mittwoch, um 20:15 Uhr


Die neue Formation von Bloggercamp.tv

Die neue Formation von Bloggercamp.tv

Der französische Comic-Zeichner und Erzähler Albert Robida entwarf in seinen Science-Fiction-Geschichten Ende des 19. Jahrhunderts ein erstaunlich genaues Bild unserer heutigen Kommunikationsgesellschaft. In seinen Erzählungen stehen riesige Flachbildschirme herum, über die auf Endlosbändern Nonstop-Nachrichten aus aller Welt laufen, es gibt Videotelefon-Konferenzen und ein immens beschleunigtes Leben. In einem Interview im Jahre 1919 sagte er, er beneide die Menschen der Zukunft kein bisschen:

„Sie werden ihren Alltag im Räderwerk einer total mechanisierten Gesellschaft verbringen, in einem Maße, dass ich mich frage, wie sie noch die einfachsten Freuden genießen wollen, die uns zur Verfügung stehen: Stille und Einsamkeit. Aber da sie all das überhaupt nie kennengelernt haben werden, wird es ihnen auch nicht fehlen.“

Frank Michna in seiner lila Phase

Frank Michna in seiner lila Phase

Eine allzu pessimistische Sichtweise auf die Zukunft der Kommunikation, die ja schon längst Gegenwart ist: Optimistischer sind da die Künstler Kurd Alsleben und Antje Eske. Sie entwickeln mit den Mitmach-Technologien des Social Web eine Kunst der Konversation, die auf eine lange Tradition verweisen kann: von der antiken „ars sermonis“, den Musenhöfen der italienischen Renaissance, der französische Salonkultur des 17. und 18. Jahrhunderts, bis zum Surrealismus und Dadaismus des 20. Jahrhunderts.
„Konversationskunst“ sei eine Kunst des Austauschs, die sich von der alltäglichen Kommunikation abhebt. Sie produziere kein Werk, sondern erlaubt das gemeinsame, spielerische Sammeln von Erfahrungen und das Entstehen von Ideen, die den aktuellen gesellschaftlichen Common Sense überschreiten.

„Ich weiß allein nicht weiter“ ist das Leitmotiv dieses Konversierens.

Das 21. Jahrhundert kann wieder ein Jahrhundert des Gesprächs sein. Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Manifeste. Was wir jetzt erleben, ist eine Abweichung von geschlossenen Medienformaten. Schon in den 1980er Jahren experimentierten Alsleben und Eske mit vernetzten Dialogen über HyperCards. Essentiell sei dabei die kulturelle Tiefe der Konversationen. Beide wollen die künstlerischen Qualitäten und die politische Dimension des Social Web abtesten. Basta-Entscheidungen und das reine Manifestieren von politischen Positionen würden nicht mehr funktionieren. Es geht immer mehr um das mühsame Aushandeln von Positionen und um die Frage „Wie wäre es denn schön“.

Auch für Professor Peter Weibel, Vorstand des Karlsruher Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM), gibt es einen Bogen von der Salonkonversation, über die Aufklärung bis zum Chat-Room: Die Dialogformen der sozialen Medien seien nichts anderes als die demokratisierte Form der Salonkonversation, die früher nur in elitären Kreisen geführt wurde – heute ist es ein Jedermann-Phänomen. Das Internet habe das Gespräch als politische Kraft zu einem Instrument der gemeinsamen Lebensgestaltung gemacht. Diese Dialoge müsse man als Philosophie des Sprechaktes sehen. „Hier werden Dinge mit Worten gemacht“, so Weibel. Das Monopol der Sprecher in den Parlamenten und Massen sei gebrochen. Das hätten allerdings die Politiker und Medienmanager noch nicht verstanden. 

Dadaistische Performance von Gerhard Schröder und Hannes Schleeh

Dadaistische Performance von Gerhard Schröder und Hannes Schleeh

Als Vorbild für den Netz-Diskurs könnte auch das dadaistische Cabaret Voltaire in Zürich dienen. Hier ging es vor allen Dingen um den spielerischen Umgang mit den Fragen des Lebens. Ein Dadaist war zugleich Anti-Dadaist. „Sein liebster Zeitvertreib ist es, Rationalisten in Verwirrung zu stürzen, indem er zwingende Gründe für unvernünftige Theorien erfindet und diese Theorien dann zum Triumph führt“, erläutert mein Lieblingsphilosoph Paul Feyerabend in seinem Buch „Wider den Methodenzwang“.

Das einzige, wogegen sich der Dadaist eindeutig und bedingungslos wendet, sind allgemeine Grundsätze, allgemeine Gesetze, allgemeine Ideen wie „die Wahrheit“, „die Vernunft“, „die Gerechtigkeit“, „die Liebe“ und das von ihnen hervorgerufene Verhalten, wenn er auch nicht bestreitet, dass es oft taktisch richtig ist, so zu handeln, als gäbe es derartige Gesetze und als glaube er an sie. Entsprechend locker dadaistisch werden die Bloggercamp.tv-Runden weitergeführt. Jeden Mittwoch, um 20:15 Uhr.

Christoph Deeg

Hannes Schleeh und meine Wenigkeit freuen uns, den Kreis der Bloggercamp.tv-Diskutanten zu erweitern. Dazu zählen Gerhard Schröder, Frank Michna und Christoph Deeg.

Wir hören und sehen uns also schon übermorgen in der neuen Stammtisch-Formation, um über die Ereignisse der Woche zu sprechen. Titelvorschlag für die Neukonzeption: Bloggercamp.tv – Die Salonisten. Aber das können wir auch am Mittwoch mit Euch diskutieren. Hashtag für Zwischenrufe während der Liveübertragung wie immer #bloggercamp

Passt ja zur Neukonzeption der Bloggercamp.tv-Salonisten: Mehr WLAN – GroKo will freies Internet am Stammtisch.

Das dürfte ein Thema für Hannes sein: Microsoft stellt Hyperlapse Videos vor – Helmkamera-Traeger jubeln.

Was für mich: MEDIENWANDEL KOMPAKT 2011-2013 ERSCHIENEN.

Generell interessant: MESH-NETZWERKE – Wenn das Internet ersetzt wird.

Immer ein Thema: Spioooone: Fähnchen zur Erkennung von Spionen verteilen oder: 493 Spione nach Forderung, alle Agenten aufzudecken, durch Lachanfälle enttarnt.

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Über gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.
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2 Antworten zu Die #Bloggercamp.tv-Salonisten: Ab jetzt in größerer Runde jeden Mittwoch, um 20:15 Uhr

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