Requiem der Netzverlierer, NSA-Verharmloser und LSR reloaded: Was hinter den Sirenen-Gesängen gegen Google steckt


Was wird Google jetzt tun?

Was wird Google jetzt tun?

Mal klagt der stationäre Einzelhandel über die vermeintliche Allmacht von Amazon mit weinerlichen Statements über den Smartphone-Beratungsklau, kleistert Schaufenster mit schwarzen Pappen zu und verweist auf die so wunderhübsche Urbanität von auswechselbaren Fußgängerzonen mit dem Flair von bepissten Blumenkübeln. Mal wettert der Datenschutz-Deichgraf über die tückische Herrschaft von Facebook und erklärt jedem Like-Button in seinem Bundesland den Krieg. Und immer wieder muss Google als Projektionsfläche für aufgeregte Jägerzaun-Hausmeister, besorgte Bürgermeister, zerknirschte Verleger, analoge Gesternmanager und fürsorgliche Kindermädchen-Politiker herhalten, um uns Internet-Nutzer vor dem Fegefeuer des teuflischen Suchmaschinen-Giganten zu bewahren.

Schaut man sich die Koalition der Google-Heulsusen an, entdeckt man sehr viele Parallelen zu den Leistungsschutz-Gichtlingen, die sich über Schutzrechte noch ein Weilchen über Wasser halten wollen mit freundlicher Unterstützung der politischen Klasse in Berlin und Brüssel.

Dann gibt es die NSA-Verharmloser, die die Datenschutz-Verordnung der EU blockieren, davor warnen, sich in der Debatte allzu sehr auf NSA zu versteifen, im gleichen Atemzug Spionage-Werkzeuge einkaufen und Lippenbekenntnisse für den Datenschutz abgeben.

Dann verlangen bestimmte Kreise, bei Suchergebnissen von Google nicht benachteiligt zu werden – ein berechtigtes Anliegen. Zugleich wird das Urteil des Europäischen Gerichtshofs bejubelt, mit dem Google gezwungen wird, Suchergebnisse gar nicht erst erscheinen zu lassen. Wenn das Urteil konsequent umgesetzt wird, bekommen wir massive Einschränkungen für die Ergebnisse von Suchmaschinen. Jetzt verlangen genau jene Leute die Löschung von Inhalten, die ihren Lebenslauf kaschieren wollen, so die Bedenken von Law Blogger Udo Vetter im Interview mit Deutschlandradio Kultur.

Das Internet bekommt Wissenslücken und erschwert die Recherche von validen Informationen. Bei Politikern oder Unternehmern möchte ich schon wissen, ob sie in irgendwelche Korruptionsaffären verstrickt waren, warum es ein Insolvenzverfahren gegeben hat oder zu einem Rücktritt kam. Löschen dürfte man nach meiner Einschätzung nur jene Informationen, gegen die erfolgreich juristisch geklagt hat. Also üble Nachrede, Verunglimpfung oder dergleichen. Zeitungsberichte über eine Zwangsversteigerung nicht mehr anzeigen zu lassen, weil sie schon Jahre zurückliegt, halte ich Zensur.

Was das Ganze im Kern wirklich mit Google zu tun hat, ob eine Zerschlagung des Suchmaschinen-Konzerns kartellrechtlich möglich ist und ob es sich beim Mountain View-Konzer um einen Monopolisten handelt, bespreche ich heute Abend, um 19 Uhr mit Professor Justus Haucap, Mitglied der Monopolkommission. Ihr könnt während der Liveübertragung kräftig mit diskutieren über die Frage-Antwort-Funktion von Google Plus.

Siehe auch:

Krautreporter, Suchmaschinenurteil und Drohnen-Märchen.

Google muss das Vergessen lernen.

Gabriel will Google strenger regulieren.

Gute und schlechte Datenkraken.

Kampf dem geheimen Algorithmus.

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Über gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.
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Eine Antwort zu Requiem der Netzverlierer, NSA-Verharmloser und LSR reloaded: Was hinter den Sirenen-Gesängen gegen Google steckt

  1. gsohn schreibt:

    Hat dies auf http://www.ne-na.de rebloggt.

    Gefällt mir

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