Ich fahr Taxi vielleicht nicht mehr mit #MyTaxi: Neues Auktionssystem umstritten – „Mystery Shopper“ überprüfen Taxifahrer


MyTaxi hat Ärger
MyTaxi hat Ärger

„Erst ködern, dann ausquetschen.“ So beschreibt brandeins in der Mai-Ausgabe das Geschäftsgebaren vom hochgejubelten Dienst MyTaxi. Grund des Ärgernisses ist das neue Preismodell. Seit dem 1. Februar zahlen die Fahrer nicht mehr einen Fixpreis von 79 Cent pro Fahrt, sondern können den Preis selbst auswählen über ein Auktionssystem. Im Schönwetterdeutsch von MyTaxi heißt das jetzt Fairvermittlungsgebühr.

Die Taxifahrer bestimmen über einen Schieberegler der App selbst, wie viel sie von ihren Einnahmen an MyTaxi abgeben wollen. Zwischen 3 und 15 Prozent liegt die Spanne. Nach Informationen von brandeins stößt das System bei den Taxifahrern auf Widerstand, obwohl eine große Mehrheit die neuen Verträge unterschrieben hat. „Wer eine zu niedrige Gebühr bietet, erhält praktisch keine Fahrten mehr. Und wer 10 bis 15 Prozent abgibt, macht nach Abzug von Steuern und Fahrtkosten kaum noch Gewinn“, schreibt brandeins. Für den Fahrgast könnte es sich nachteilig auswirken, wenn ihm nicht mehr das nächstgelegene Taxi zugewiesen wird, sondern der Höchstbietende zum Zuge kommt.

Vom App-Anbieter wird das bestritten. Es seien verschiedene Faktoren, die bei der Taxi-Zuweisung eine Rolle spielen.

„Die durchschnittliche Anfahrtszeit sollte bei drei Minuten liegen und die wollen wir auch mit dem neuen Preismodell beibehalten“, sagt MyTaxi-Sprecherin Lina Wüller.

Welche Gewichtung das Gebot des Taxifahrers hat, will das Unternehmen auf mehrmalige Nachfragen nicht preisgeben.

„Wir vermitteln auch viele Touren, die im Gebot unter fünf Prozent liegen“, behauptet Wüller.

Meine Gespräche mit Taxifahrern in Berlin und Bonn besagen etwas anderes. Wer mit seinem Gebot unter acht Prozent liegt, habe kaum Chancen, den Zuschlag zu bekommen, bestätigten zwei Fahrer. In der Hauptstadt führte eine Unterhaltung sogar zum Wutausbruch und zu Überlegungen, sich untereinander in den Geboten stärker abzusprechen. Ein Fahrer demonstrierte gar, wie man das System austrickst.

Ich vereinfache mal seine Vorgehensweise: Nehmen wir an, der Fahrer hat zehn Prozent geboten und bekommt den Zuschlag. Die Fahrt kostet 20 Euro. Nachdem das Taxameter bei zehn Euro steht und das Taxi an einer roten Ampel halten muss, erklärt der Fahrer in seiner MyTaxi-Applikation die Tour für beendet und loggt sich bei diesem Dienst aus – er könnte ja eine Kaffeepause machen. Er fährt natürlich bis zu meinem Wunschziel, ist bei den anderen Diensten für Anschlusstouren immer noch verfügbar (in der Regel die Taxizentrale) und rechnet am Schluss mit mir den normalen Preis von 20 Euro ab. MyTaxi bekommt aber mit dem kleinen Trick nicht zwei, sondern nur einen Euro in die Kasse.

Die MyTaxi-Sprecherin sagte mir, dass solche Dinge theoretisch passieren können. Zudem bekämen die Fahrgäste über die MyTaxi-App eine Information, wie viel sie zahlen mussten. Differenzen würden auffallen und könnten entsprechend gemeldet werden. Zur Zeit seien darüber hinaus so genannte Mystery Shopper im Umlauf, die überprüfen, ob Betrugsfälle vorliegen, so die Sprecherin.

Der durchschnittliche Umsatz von MyTaxi soll angeblich nur sehr wenig angestiegen sein und zur Zeit knapp über 80 Cent liegen. Mal schauen, wie lange das noch gutgeht mit diesem an sich sehr nützlichen Dienst.

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Autor: gsohn

Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

4 Kommentare zu „Ich fahr Taxi vielleicht nicht mehr mit #MyTaxi: Neues Auktionssystem umstritten – „Mystery Shopper“ überprüfen Taxifahrer“

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