Lasst Euch nicht verSCHUFAn! Was steckt in der geheimnisvollen „Coca-Cola-Formel“ der kommerziellen Auskunftei?


Und die Einstufung von Berechnungsformeln als Geschäftsgeheimnis ist noch arschiger
Und die Einstufung von Berechnungsformeln als Geschäftsgeheimnis ist noch arschiger

So langsam kommt Licht in die undurchsichtige Berechnungsformel des kommerziell ausgerichteten Auskunftsriesen namens S C H U F A, die mit 700 festangestellten Mitarbeitern jährlich rund 24 Millionen Euro erwirtschaften. Es geht um den Score-Wert, der Prognosen über unsere Kreditwürdigkeit abgibt und vom Schufa-Chef auf eine Geheimnisstufe mit der „Coca-Cola-Formel“ gestellt wird. Etwas zynisch, wenn man bedenkt, was von diesem Score-Wert abhängt. Hier geht es nicht um Durstlöscher, sondern um unsere finanzielle Reputation.

Der NDR hat jetzt einige Informationen vorgelegt, die wohl für die Vorhersage-Glaskugel der SCHUFA relevant sind:

„Wie lange existiert ein Bankkonto oder eine Adresse, wie viele Kreditanfragen stellt ein Verbraucher und wie viele Bankkonten oder frühere Anschriften hat er? Das sind die Informationen, auf die Deutschlands größte Auskunftei, die Schufa, offenbar am meisten achtet. Auf einer NDR Info vorliegenden, geheimen Schufa-Liste stehen sie ganz oben – als am häufigsten in die Verbraucherbewertungen einbezogene Variablen. Weitaus seltener werden demnach Daten wie das Lebensalter, die Häufigkeit von Krediten oder ihre Laufzeit mit in den sogenannten Scorewert einberechnet.“

Leider hatte ja der mathematisch wohl nicht so ganz kundige Bundesgerichtshof der SCHUFA nicht die Pflicht auferlegt, die Berechnung des ominösen Score-WErtes gegenüber Betroffenen offenzulegen.

„Das Urteil stieß jenseits der Auskunfteibranche allerdings auf breite Ablehnung. Von Datenschützern über Verbraucherschützer bis hin zu Kriminalbeamten: Alle fordern sie von Schufa und Co. größere Transparenz. Schließlich solle ein Verbraucher wissen, wie er sich verhalten muss, damit seine Kreditwürdigkeit möglichst gut bewertet wird.“

Die vom NDR veröffentlichte geheime Liste könnte jetzt erste Indizien liefern, wie belastbar das Prognose-System überhaupt ist.

„Erstellt wurde das Dokument im Vorfeld eines Treffens von Schufa-Vertretern mit den Datenschutzbehörden der Bundesländer im Juli 2010, bei dem das Unternehmen seine Scoreverfahren vorstellte. Genau 18 Punkte wurden darin aufgeführt, die die Schufa bei ihrem Scoring betrachtet. Fast 42 Millionen Fälle früherer Jahre hat man dem Dokument zufolge dafür untersucht und danach ausgewertet, wie häufig einzelne Variablen dabei verwendet wurden. Denn es gibt nicht nur den einen Schufascore, es gibt laut der Liste 140 verschiedene Scores, die branchenspezifisch Verbraucher bewerten, und bei denen jedes Mal andere Daten miteinander kombiniert werden. Das Alter einer bei der Schufa gespeicherten Information ist dabei ganz offenbar am wichtigsten. Es wird bei fast 98 Prozent der von der Schufa erstellten Bewertungen heranzogen. Es geht beispielsweise darum, wie alt die aktuelle Adresse ist oder das älteste Bankkonto einer Person“, berichtet der NDR.

Einige bleibt noch zu klären. Deshalb mein Aufruf zur Crowd-Revolte. Reputation könne Verhalten steuern, so Winfried Felder, Geschäftsführer von Netskill. Wenn Dinge rechtmäßig seien, wie die Bewahrung des Schufa-Geschäftsgeheimisses bei der Berechnung des Score-Wertes, könne nur eine mobilisierte Öffentlichkeit eine Gegenstruktur bilden.

“Dann steht man nicht mehr wie Franz Kafka einer unbeherrschbaren Macht gegenüber.

Juristisch sei das nur schwer in den Griff zu bekommen.

Deshalb werde ich jetzt jedes Jahr die Schufa so lange mit Anfragen nerven, bis ich Einblick in die Schufa-Scoring-Formel bekomme. Eine Abfrage pro Jahr ist schließlich kostenlos. Diesen Spaß gönne ich mir.

Siehe auch:

Wie man Pressefragen (nicht so ganz) beantwortet – #Schufa bekommt den “Hulk des Monats”

Ohne Einsicht in die Formelstube keine informelle Selbstbestimmung #Schufa #BGH

Kann der Bundesgerichtshof Mathe? #Schufa

Schufa-Scoring oder: Wenn Pressestellen gar nichts wissen.

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2 Gedanken zu “Lasst Euch nicht verSCHUFAn! Was steckt in der geheimnisvollen „Coca-Cola-Formel“ der kommerziellen Auskunftei?

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