Wie man kafkaeske Big Data-Systeme bekämpft – Das #Schufa-Experiment


Auf die kostenlose Schufa-Abfrage achten!
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Wie kann ich mich wehren, wenn mir auffällt, dass mich ein Big Data-System diskrediert und ich Opfer der Realitätskonstruktionen von Vorhersagemaschinen werde, die ihr Innenleben nicht preisgeben.

„Der Glaube an die endgültige Berechenbarkeit der Welt wird gestützt von einem Apparat, dessen Macht ins schier Unendliche wächst, wenn die Politik auch daran glaubt. In diesem Fall aber werden immer weniger Einzelentscheidungen gebraucht, sondern immer mehr und mehr Daten. Das ist das Gruseligste an dieser Ideologie: Sie konstruiert aus einem Wust von Daten eine vermeintliche Realität, in der keine persönliche Verantwortung mehr für maschinell getroffene und ausgeführte Entscheidungen übernommen werden muss“, schreibt Sascha Lobo in seinem lesenswerten FAZ-Beitrag.

Die Maschinisten überlassen das Geschehen einem undurchsichtigen Maschinen-Paternalismus und verkriechen sich hinter der Logik von Algorithmen.

„Je komplexer die Aufgaben, die Maschinen sichtbar bewältigen, desto mehr unterstellt man eine Lösungsintelligenz. Die muss aber gar nicht vorhanden sein, ein Staubsaugerroboter hat nicht die geringste Ahnung vom Staubsaugen, er kann es bloß. Schon gar nichts weiß er über Hygiene“, so Lobo.

KI-Pionier Joseph Weizenbaum

Bei der Übertragung von Entscheidungsgewalt an die Maschine spiele auch die Erkenntnis von KI-Pionier Joseph Weizenbaum eine Rolle, nach der Menschen dazu neigen, berechnete Ergebnisse eines Computers absonderlich ernst zu nehmen, eine Schwester von Horkheimers instrumenteller Vernunft.

„Mit maschinell produzierter Gewissheit in einer ungewissen Welt drängt sich die Ideologie in alle Lebensbereiche, indem sie Wahrscheinlichkeit als Wahrheit verkauft samt zwingender Handlungsanweisung. Weil dafür persönliche Daten benötigt werden, ist Datenschutz ihr erster und größter Feind“, so Lobo.

Und die Offenlegung der Rechenformeln, die mit Gewichtungen irgendwelche Prognosen rausballern. Open Data ist der größte Feind der Big Data-Enthusiasten, die sich bislang geweigert haben, Beispiele ihre Vorhersagekünste in Bloggercamp.tv vorzuführen.

Wenn mich die Schufa als nicht kreditwürdig im Score-Wert einstuft, könnte ich ja den Anbieter wechseln, würden jetzt irgendwelche Geister des freien Marktes antworten, die in ihren Theorien den Faktor Macht so gerne ausblenden.

„Wir leben aber häufig in kafkaesken Strukturen, die dem Ideal des perfekten Marktes genauso wenig entsprechen, wie der Mensch dem Home oeconomicus entspricht. Gegen monopolistische Systeme hat man es schwer, sich zu wehren“, sagt Winfried Felser, Geschäftsführer von Netskill, im ichsagmal-Gespräch.

Es müsse noch nicht einmal ein Monopolist sein, der die Öffentlichkeit am Nasenring vorführt. Gleiches gilt für Branchen, die sich untereinander absprechen und die Regeln des Wettbewerbs unterlaufen.

Die Crowd mobilisieren
Die Crowd mobilisieren

Da hilft nur eine Crowd-Revolte, um Front gegen die Machtverkrustung zu machen. Reputation könne Verhalten steuern, so Felser. Wenn Dinge rechtmäßig seien, wie die Bewahrung des Schufa-Geschäftsgeheimisses bei der Berechnung des Score-Wertes, könne nur eine mobilisierte Öffentlichkeit eine Gegenstruktur bilden. „Dann steht man nicht mehr wie Franz Kafka einer unbeherrschbaren Macht gegenüber.

„Juristisch ist das nur schwer in den Griff zu bekommen.“

Deshalb werde ich jetzt jedes Jahr die Schufa so lange mit Anfragen nerven, bis ich Einblick in die Schufa-Scoring-Formel bekomme. Eine Abfrage pro Jahr ist schließlich kostenlos. Diesen Spaß gönne ich mir. Auf der Schufa-Website muss man allerdings aufpassen, nicht in die kostenpflichtige Auskunft zu rutschen.

Siehe auch:

Was ist der Sinn und Zweck von … Überwachung, Big Data etc. ?

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2 Gedanken zu “Wie man kafkaeske Big Data-Systeme bekämpft – Das #Schufa-Experiment

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