Luhmann und die Außerirdischen – Nachschub für die Zettelkasten-Literatursammlung #Kadmos

Neue Zettelkasten-Literatur
Neue Zettelkasten-Literatur

Kadmos zählt bekanntlich zu meinen Lieblingsverlagen, weil er immer wieder höchst ungewöhnliche Titel auf den Markt bringt, die sich vom Besteller-Einheitsbreit abheben. Höchst lesenswert sind auch die liebevoll formulierten Newsletter, die ich vom Team des Kulturverlags bekomme. Etwa das jüngste Opus über den nicht ummerkwürdigen Umgang mit Außerirdischen. So wird mir in angespannten Zeiten die soziologische Gelassenheit Niklas Luhmanns empfohlen, wie in dem von Klaus Dammann herausgegebenen Band „Wie halten Sie’s mit Außerirdischen, Herr Luhmann?“ zu lesen ist (Lektüre könnte auch für NATO, EU, Putin und Co. sinnvoll sein).

„Mittlerweile sind, noch vor Öffnung seines Nachlasses, fast zweihundert Interviews und Gespräche gefunden worden, deren Existenz selbst Luhmann-Kennern kaum bekannt sein dürfte. Ausgewählt haben wir für diesen Band einige Diskussionen, in denen Luhmann in nicht unmerkwürdiger Gesellschaft auftritt: in linken und rechten, in ungenderisierten und feministischen Alternativblättern, bei SPIEGEL und FOCUS, in Talks mit einem links verorteten politischen Theologen, aber auch mit einem Rasseforscher. Darüber hinaus wird hier Niklas Luhmann als „Popstar ohne Zettelkasten“ sichtbar, mit fast schon sprichwörtlich trockenem Humor. Freilich wäre man bei seiner Antwort auf die Titelfrage auch auf die Teesorte neugierig: eher beruhigend oder anregend oder gar ein Power-Chai?“

Also ein notwendiger Band für meine Zettelkasten-Literatursammlung, die ich zur Vorbereitung der Zettelkasten-Stammtische wie ein Eichhörnchen horte – auch wenn es diesmal nicht um den legendären Zettelkasten des Soziologen geht. Indirekt sind es gedankliche Ableitungen seiner Zettelkasten-Recherchen.

Ungewöhnliche Umstände begleiteten den Luhmann-Band, seien es die höchst sonderbaren Kornfeldmarkierungen auf dem Kadmos-Fußabtreter, sei es die lange Produktionszeit des Buches, das nun in doppelter Weise fertig geworden ist.

„Zwar war diesmal nicht der Palettenschieber oder der Druckfehlerteufel tätig, sondern sein weniger gemeiner Bruder, der Druckauftrag-Beelzebub (oder waren gar Außerirdische am Werk?). Ihm bzw. ihnen ist es zu verdanken, dass wir nolens volens zwei verschiedene Fassungen haben, eine gebundene und eine broschierte: ein nicht ganz unmerkwürdiger Umstand, dem wir nun durch eine gewisse Preisdifferenz abhelfen wollen, die gebundene Ausgabe wird wie angekündigt 19,90 Euro kosten, die broschierte 14,90 Euro“, teilt der Verlag mit.

Diesen und viele andere schöne Bände kann man auch auf der Leipziger Buchmesse in Augenschein nehmen, die vom 13. bis 16. März stattfindet, darunter auch alle wichtigen Neuerscheinungen:

Christine Kirchhoff/Falko Schmieder: „Freud und Adorno. Zur Urgeschichte der Moderne“
Die Beiträge des Bandes spüren gemeinsamen Motiven und Fragen Freuds und Adornos nach und untersuchen die Rezeptionsgeschichte von Psychoanalyse und Kritischer Theorie.

Mark Butler: „Das Spiel mit sich (Kink, Drugs & Hip-Hop). Populäre Techniken des Selbst zu Beginn des 21. Jahrhunderts“
Das Modifizieren des Körpers, das Fetischisieren von Dingen und die Rituale des BDSM; die Einnahme von Cannabis, Kokain, Amphetamin und MDMA; Writing, DJing, Breaking und MCing – allen untersuchten Praktiken ist gemeinsam, dass es Spiele sind bei denen der Einsatz das Selbst ist.

Oliver Ruf: „Wischen und Schreiben. Von Mediengesten zum digitalen Text“:
In diesem Band geht es sowohl um die Verortung »bewegten Schreibens« im Kontext einer „postmodernen Epochenschwelle“ (Lyotard) als auch um die Fokussierung der Provokationen des Poststrukturalismus auf zentrale theoretische Fluchtlinien.

André Meinunger: „Sick of Sick?“
Die humorvolle Antwort der Sprachwissenschaft auf Bastian Sick (erweiterte und durchgesehene Auflage).

Der Kadmos-Verlag freut sich auf Euren Besuch in Halle 3 am Stand G208, auch Außerirdische sind willkommen und auf einen Tee eingeladen. Leider werde ich es in diesem Jahr wieder nicht nach Leipzig schaffen. Aber Frankfurt dann im Herbst. Versprochen.

Kommentar verfassen